Wassergeburt

Die Wassergeburt


In den 80er Jahren kam die Wassergeburt nach Deutschland, Mitte bis Ende der 90er begannen dann die meisten Entbindungsstationen, ihre Kreißsäle mit Gebärbadewannen auszustatten. Und eine zeitlang hatte ich den Eindruck, sich eine Wassergeburt zu wüschen, war irgendwie en vogue. Aber was hat es eigentlich mit dem Gebären im Wasser auf sich? Was sind die Vorteile? Und wenn es Nachteile gibt, welche sind es?

Vorteile der Wassergeburt

  • Bessere Möglichkeit zur Entspannung
    Manche Frauen tun sich in den Wehenpausen schwer, wirklich locker zu lassen, zu entspannen und Kraft zu tanken. Im warmen Wasser fällt das oft leichter, die Muskulatur lockert sich nahezu von alleine, die Wärme sorgt zusätzlich dafür, dass das Gewebe weich und dehnbar ist. Dadurch kann sich die Eröffnungsperiode deutlich verkürzen.
  • Weniger Geburtsverletzungen
    Die bessere Dehnbarkeit des Gewebes und die Entspannung ist nicht nur für den Muttermund gut, sondern auch für den Bereich, der beim Durchtritt des Köpfchens gedehnt wird, also den Damm und die Scheide. Studien zufolge sind schlimme Geburtsverletzungen im Wasser etwas seltener.
  • Schöneres Geburtserlebnis für das Baby
    Euer Kind gleitet von einem Wasser in das nächste und erlebt den Moment des Geboren werdens scheinbar nicht als so großen Schreck wie an Land. Viele Wassergeburtskinder weinen unmittelbar nach der Geburt gar nicht, öffnen lediglich die Augen und schauen sich um. Entgegen dem, was immernoch in Filmen gezeigt wird, muß ein Baby keinesfalls aus Leibeskräften brüllen, damit die Lunge sich entfaltet, ein ganz normaler Atemzug reicht völlig aus ;-).

Nachteile

  • Keine Schmerzmittelgabe im Wasser
    Für eine Wassergeburt brauche ich als Hebamme eine Frau, die im Notfall in der Lage ist, mit Unterstützung zügig aus der Wanne auszusteigen. Mit einem Schmerzmittel, das Euch vielleicht müde macht oder einer PDA, die das Gefühl in den Beinen verändert, ist das nicht mehr möglich, deswegen wird bei dem Wunsch nach Schmerzmittel die Geburt entweder für eine zeitlang in den Kreißsaal umgelagert, kann Stunden später aber dennoch in der Wanne enden, oder komplett an Land verlegt.
  • Eingeschränkte Lagerungs-und Bewegungsmöglichkeiten
    Bei manchen Geburtsverläufen kann es sinnvoll sein, unterschiedliche Positionen einzunehmen. Generell weiß man heute, dass die Rückenlage, die unphysiologischste aller Gebärpositionen ist! In der Wanne gebärt der Großteil aller Frauen allerdings in dieser Position, da Alternativen wie Knien oder Vierfüßlerstand in der harten Wanne oft als unbequem empfunden werden und die Seitenlage manchen Frauen im Wasser irgendwie zu “wackelig” ist.
  • Infektionen
    Regelmäßige Untersuchungen der Wanne und strenge Hygieneauflagen sollen Infektionen verhindern, allerdings ist bei längerem Aufenthalt der Mutter im Wasser die Keimbelastung natürlich deutlich höher als an Land. In den meisten Fällen hat dies allerdings keine Konsequenz. Viele Kliniken verlangen aber zum Schutz des Babys und des Personals bestimmte Untersuchungen als Voraussetzung für eine Wassergeburt (HIV, Hep.B+C, Streptokokken).Bitte informiert Euch darüber rechtzeitig in Eurer Klinik!
  • Notfall
    Bei Kreislaufproblemen der Mutter, schlechten Herztönen des Kindes oder sonstigen Problemen muß man die Wanne eventuell sehr schnell verlassen. Je nach Räumlichkeit bedeutet das, dass Ihr aus dem Wasser und über den Flur gescheucht werden müßt, wenn in dem Wassergeburtsraum kein Kreißbett steht.

Meine persönliche Meinung

Ich finde: Wehen und Wasser gehört zusammen. Ein Bad kann so unglaublich viel bewirken und die Möglichkeit, in einer großen, bequemen Wanne den schwangeren Bauch unterzutauchen sollte jeder Frau unter der Geburt zur Verfügung stehen. Darüber hinaus ist mein Gefühl, dass Wassergeburten eine ganz besonders schöne Atmosphäre haben und für das Baby einer der schönsten Starts sind, die man sich wünschen kann.

ABER: ich denke auch, dass nicht jede Frau und jede Geburt für eine Wassergeburt geeignet ist, dass  durch den Hype der letzten Jahre teilweise auch Erwartungen geschürt werden, die eine Wanne nicht erfüllen kann, besonders was die Beschleunigung der Geburt und die Erleichterung der Wehenarbeit angeht.

Ich kann Euch nur raten, seid offen und probiert unter der Geburt einfach auch ein bißchen aus, was Euch guttut. Die schönsten Wassergeburten hatte ich meistens mit Frauen, auf  die ich mit Engelszungen einreden musste, um sie überhaupt in die Wanne zu bekommen und die es dann einfach so erleichternd fanden, dass sie drin geblieben sind…..

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