selbstbestimmte Geburt Vorbereitung

Was genau ist eine selbstbestimmte Geburt?


Oft hört oder liest man darüber: „die selbstbestimmte Geburt“. Doch auch wenn das Wort „selbstbestimmt“ viel aussagt, fragen sich viele Schwangere, wie genau und ob sie die Geburt wirklich selbst bestimmen können. Gerade Erstgebärende sind sich oft sehr unsicher und lassen sich lieber von anderern Erfahrungen leiten. Warum Du das nicht machen solltest und was genau eine selbstbestimmte Geburt ist, möchte ich Dir gerne erklären.

„Also ich würde mir immer wieder eine PDA geben lassen“ – Die Meinung anderer

Als Schwangere erzählen Dir andere Mütter oft ungefragt von ihren Geburten. Sie machen auch nicht Halt davor, Dir Horrorstorys aus dem Kreißsaal zu erzählen oder sie tun genau das Gegenteil und erzählen Dir von einer einstündigen Traumgeburt. Man sagt ja, wer von seiner Geburt erzählt, tut dies zur eigenen Aufarbeitung und nicht, um anderen Tipps zu geben. Ich persönlich hatte zwei lange Geburten und stehe vor meiner Dritten und ich erzähle keiner werdenden Mama die Details. Nicht, weil ich es nicht möchte, sondern weil ich ihr keine Angst machen will. Es sei denn, sie möchte es unbedingt wissen.

Du darfst also, auch wenn es vielleicht etwas unhöflich sein mag, die Erzählerin unterbrechen und ihr sagen, dass Du ihre Geburtsgeschichte nicht hören möchtest. Das ist tatsächlich besser. Du wirst von fünf Personen zehn Geschichten, Meinungen und Tipps bekommen, die Dir aber absolut nicht weiterhelfen und Dich verunsichern werden. Man wird Dir von einer Hausgeburt ab-, zu einer PDA dringend raten und Du musst unbedingt eine Wassergeburt machen. Nein! Gar nichts davon musst Du!

Wie plane ich meine selbstbestimmte Geburt?

Hier geht es um Deine Geburt! Sie gehört ganz alleine Dir. Doch wie kannst Du Deine Geburt planen? Vorab gesagt: Es ist ziemlich selten, dass eine Geburt genau so läuft, wie man sie plant. Es kann aber helfen, sich vorab Gedanken zu machen, Wünsche zu äußern und auch Alternativen zu akzeptieren. So bereitest Du Dich gut vor:

  • Recherchiere und lies nach (nicht unbedingt in Foren, sondern auf Ratgeberseiten oder im Gespräch mit der Hebamme)
  • Suche eine kompetente Schwangerschaftsbetreuung bzw. eine Hebamme, mit der Du Dich wohlfühlst
  • Denke darüber nach, wo Dein Baby zur Welt kommen soll
  • Wer soll bei der Geburt dabei sein und Dir zur Seite stehen?

Mit dieser Vorbereitung hast Du schon einen großen Schritt getan. Mit all diesen Informationen kannst Du darauf vertrauen, Deiner selbstbestimmten Geburt ein Stück näher zu kommen.

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Die Geburtsvorbereitung bei einer selbstbestimmten Geburt

Gerade bei Erstgebärenden ist die Unsicherheit sehr hoch und es ist unklar, was eigentlich auf einen zukommt. Für eine ideale Geburtsvorbereitung ist eine Hebamme ganz wichtig. In vielen Städten und auf dem Land ist es ratsam, schon in der Frühschwangerschaft eine Hebamme zu suchen. Die Gefahr, dass Du später keine bekommst, ist leider recht hoch.

Ein weiterer Punkt ist der Geburtsvorbereitungskurs. Hier lernst Du ganz viel über Deinen Körper in der Schwangerschaft, über die Geburt selbst und etwas zur Entspannung. Du erfährst hier etwas über Geburtspositionen, den Umgang mit Schmerzen und Atemtechniken. Gleichzeitig kannst Du Dich mit anderen Schwangeren austauschen und eventuell entstehen Freundschaften.

Ein paar Wochen vor der Geburt wirst Du Dich in der Klinik zur Geburtsplanung anmelden müssen. Hier triffst Du in der Regel auf eine Hebamme, mit der Du Deine Wünsche besprichst. Diese werden in den Unterlagen festgehalten und während der Geburt berücksichtigt. Das bedeutet natürlich nicht, dass Du Dich während der Geburt nicht umentscheiden darfst. Bei diesem Gespräch wird übrigens häufig gesagt, dass man auf keinen Fall eine PDA möchte. Im Kreißsaal sieht es dann oft ganz anders aus.

Der Geburtsort und das Team

Die meisten Frauen entscheiden sich für eine Geburtsklinik. Diese bieten an bestimmten Tagen Rundgänge im Kreißsaal an. Daran solltest Du auf jeden Fall teilnehmen, denn so lernst Du schon einmal das Personal kennen und Du bekommst einen Eindruck von den Räumen, in denen Dein Baby einmal zur Welt kommen soll. Ist das Krankenhaus absolut nichts für Dich, kannst Du Dich nach einem anderen umsehen.

Alternativ kannst Du in ein Geburtshaus gehen oder Dich für eine Hausgeburt entscheiden. Das Team spielt bei dieser Frage auch eine große Rolle. Möchtest Du „nur“ von Hebammen begleitet werden? Ist Dir ein Arzt wichtig? Möchtest Du eine Kinderstation in der Nähe haben, falls Komplikationen auftreten? All das kannst Du mit Deiner Hebamme besprechen. Sie wird Dir sagen, wo Du welches Konzept finden wirst.

Zum Team gehört natürlich auch Deine persönliche Unterstützung. Wen möchtest Du dabei haben? Deinen Partner? Deine Mama oder beste Freundin? Sprich‘ mit ihnen darüber und auch, wie sie sich während der Geburt verhalten sollten, damit Du Dich wohlfühlst. Ich zum Beispiel habe meinen Mann vorab schon darum gebeten, immer nur hinter oder neben mir zu bleiben und nicht nach vorne zu gehen. So musste ich mir im Kreißsaal keine Gedanken machen.

Die Geburtshelfer stehen Dir zur Seite

Es ist Deine Geburt und die Geburtshelfer sind dazu da, Dir zur Seite zu stehen und Dir zu helfen. Sie bestimmen nicht über Deine Geburt! Du allein entscheidest, ob Du im Liegen, Stehen oder Sitzen gebären möchtest. Du kannst in die Badewanne, musst es aber nicht. Wird Dir ein Vorschlag gemacht, musst Du nicht darauf eingehen. Du darfst auch „Nein“ sagen. Traue Dich ruhig, Gedanken auszusprechen und Fragen zu stellen. Das kann wirklich helfen.

Manchmal kommt es doch ganz anders…

Wenn Du Glück hast, verläuft Deine Geburt problemlos und entspannt und vielleicht sogar ganz schnell. Es kann jedoch auch sein, dass die Geburtshelfer einen anderen Weg gehen oder im Notfall eingreifen müssen. Die Gesundheit Deines Babys steht an erster Stelle und deshalb kommt es auch mal zu einem Kaiserschnitt. In diesem Fall darfst Du nicht enttäuscht sein. So schön eine Spontangeburt auch gewesen wäre, Du hast alles getan und Deine Geburt gut vorbereitet. Das bedeutet sehr viel. Am Ende zählt nur, dass Du Dein Baby endlich kennen lernen darfst!

Meine Meinung zur selbstbestimmten Geburt

Ich kann Dir, jetzt während meiner dritten Schwangerschaft, nur raten: Hör‘ auf Deinen Bauch und auf Dein Herz. Natürlich sollst Du mit Deinem Partner und Deiner besten Freundin über die Geburt sprechen, aber nicht mit 15 Personen. Ganz egal, wie Du Dir DEINE Geburt vorstellst: Lasse Dich nicht verunsichern und genieße es. Meine zwei Geburten verliefen auch nicht so, wie ich es gerne gehabt hätte, doch ich hatte die Kontrolle und es wurde auf meine Wünsche eingegangen. Im Nachhinein waren es zwei schöne Geburten und ich freue mich nun auf die dritte.

Zum Weiterlesen

Unsere Hebamme Christina, die hier im Magazin für uns schreibt, schildert in diesem spannenden Artikel ihre persönliche Meinung zum Thema selbstbestimmte Geburt: „Die selbstbestimmte Geburt endet, wenn ich nicht mehr mitgehen kann“

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Ein Kommentar zu Was genau ist eine selbstbestimmte Geburt?

  1. Dafür, dass du sagst, was ich mir alles NICHT anhören soll, sagst du mir sehr vieles, das ich unbedingt tun sollte oder sogar nicht darf. Finde ich nicht so gut.

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