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Die 3 größten Irrtümer in der Schwangerschaft – unsere Hebamme klärt auf


Immer wieder erlebe ich es in Geburtsvorbereitungskursen oder auch in der Nachsorge: Vermeinliche Wahrheiten, die oft auf Halbwissen beruhen, sorgen für Verunsicherung in der Schwangerschaft.

Bei manchen dieser Geschichten handelt es sich in der Tat um falsch verstandene oder nur halb weitergegebene Fakten, die noch ein Fünkchen Wahrheit enthalten. Andere sind schlichtweg falsch.

Vor einiger Zeit habe ich bereits einmal einen Artikel zum Thema Mythen und Märchen in der Schwangerschaft geschrieben. Und Du wirst hier im Magazin einige weitere Artikel zu diesem Thema finden.

Teilweise ist es sicher auch ganz lustig, diese Geschichten zu lesen. Erfahrungsgemäß ist man aber gerade beim ersten Kind relativ anfällig für Verunsicherung und Angstmacherei. Und wenn man Dinge von unterschiedlichen Seiten immer wieder hört, steigt die Angst vielleicht doch. Und man fragt sich, ob an dem ein oder anderen Punkt doch etwas Wahres dran sein könnte.

Deshalb möchte ich Dir heute Deine Angst nehmen – und widme mich 3 Irrtümern oder Halbwahrheiten rund um die Schwangerschaft.

1. Eine Schwangere darf niemals auf dem Rücken liegen

Wie oft mir Frauen schon mit panischem Gesichtsausdruck erzählt haben, sie seien heute Morgen auf dem Rücken aufgewacht und hätten jetzt totale Sorge, dass ihr Baby dadurch geschädigt sein könnte, kann ich nicht mehr zählen.

Fakt ist: Rückenlage ist für kurze Zeiträume unproblematisch

Ab einem bestimmten Schwangerschaftsalter (meistens nicht vor dem zweiten Drittel der Schwangerschaft, oft auch erst im letzten) kann es in Rückenlage passieren, dass durch das Gewicht der Gebärmutter, die mit Baby, Plazenta und Fruchtwasser gefüllt ist, die große Hohlvene (vena cava) abgedrückt wird. Diese Vene wird im Liegen gegen die mütterliche Wirbelsäule gedrückt. Dadurch kann sie nicht mehr ausreichend sauerstoffreiches Blut zur Plazenta und somit zum Kind bringen.

Wenn das passiert, merkst Du das in der Regel auch! Die vena cava versorgt nicht nur Dein Baby mit Sauerstoff, sondern auch Dich. Das bedeutet, auch Deine wichtigen Organe werden eventuell für einen kurzen Moment schlechter durchblutet. Bei vielen Frauen führt das zu Schwindel, Herzrasen und Übelkeit in Rückenlage. So dass Du Dich ganz automatisch auf die Seite drehen wirst, lange bevor Deinem Baby etwas passiert.

Kurzfristige Phasen der Minderdurchblutung sind aber ganz normal und von Babys auch gut auszuhalten.

Du musst Dir also keine Hupe auf den Rücken binden, damit Du Dich nachts nicht aus Versehen umdrehst;-)

Aber: Bitte keine Rückenlage beim CTG

Wenn Du ein CTG geschrieben bekommst, solltest Du tatsächlich NIEMALS auf dem Rücken liegen. Am besten eignet sich die Seitenlage zum CTG-Schreiben. Auch eine aufrechte Position (Sitzen oder Stehen) ist möglich.

Denn wenn Dein Arzt oder Deine Hebamme den kurzfristigen Herztonabfall, der in der Rückenlage immer mal wieder passieren kann, mit einem CTG erfasst, muss er oder sie nachweisen, dass es ausschließlich an der Rückenlage lag. Das bedeutet für Dich als Frau nicht nur, dass Du einen Riesenschreck bekommst, wenn Du siehst, wie die Herztöne langsamer werden. Sondern auch, dass Du anschließend noch ein bis zwei weitere Stunden am CTG hängst – um den Beweis zu liefern, dass es an der Rückenlage lag.

Immer noch wird in vielen Praxen CTG in Rückenlage geschrieben, weil es vielleicht leichter anzulegen ist. Ich würde Dir in dem Fall raten, einfach zu sagen, dass Du auf dem Rücken nicht liegen kannst und auf eine andere Position zu bestehen.

2. Nach einem Blasensprung musst Du liegen

Immer wieder ist die Überraschung groß, wenn man im Kreißsaal zu einer Frau nach Blasensprung sagt, dass sie aufstehen und auf Toilette gehen darf. Denn auch beim Thema Blasensprung halten sich seit Jahren auf Halbwissen beruhende Horrorgeschichten.

Fakt ist: Das Risiko für einen Nabelschnurvorfall ist äußerst gering

Hat der führende Teil des Babys (also Kopf oder Steiß) noch keinen Bezug zum Becken aufgenommen, kann es theoretisch zu einem Nabelschnurvorfall kommen. Bei diesem geburtshilflichen Notfall – der bei reifen Kinden äußerst selten vorkommt – gerät durch das schnelle Ablaufen des Fruchtwassers die Nabelschnur in eine Art Sog. So kann sie zwischen das mütterliche Becken und das nachrutschende Köpfchen eingeklemmt werden. Dadurch wird die Versorgung des Babys mit sauerstoffreichem Blut unterbrochen und es muss sofort per Kaiserschnitt geholt werden.

Meistens liegt das Köpfchen sowieso schon im Becken

Aber: In den aller-allermeisten Fällen rutscht der vorangehende Teil nach Blasensprung einfach nach unten und die Nabelschnur ist gar nicht in der Nähe. Bei vielen Frauen haben zudem die Senkwehen das Baby schon tief genug ins Becken geschoben, damit diese Gefahr nicht mehr besteht.

Die in Deutschland immer noch gängige Praxis, Frauen nach Blasensprung liegen zu lassen, wenn das Köpfchen nicht fest im Becken ist, hat keinerlei Auswirkungen auf die Zahlen von tatsächlich stattgefundenen Nabelschnurvorfällen. In vielen anderer Ländern existiert diese Empfehlung nämlich gar nicht mehr.

Tipp: Frage Deinen Arzt vorab, ob das Köpfchen im Becken liegt

Frag doch einfach bei den Vorsorge-Terminen ab der 36. SSW Deinen Arzt oder Deine Hebamme, ob das Köpfchen vom Baby schon fest ist. Oder wie Du Dich im Falle eines Blasensprunges verhalten sollst.

Hast Du einmal die Information bekommen, dass der vorangehende Teil fest im Becken liegt, musst Du Dir keine Gedanken mehr um einen Nabelschnurvorfall machen. Dann darfst Du nach dem Blasensprung das tun, wonach Dir ist.

3. Einmal Kaiserschnitt – immer Kaiserschnitt

Auch das ist eine noch immer in vielen Köpfen verankerte Aussage, die SO nicht stimmt.

Keine Angst vor einer Uterusruptur

Nach einem vorausgegangenen Kaiserschnitt hat die Gebärmutter eine Narbe, die theoretisch unter dem Druck von Wehen bei einer erneuten Schwangerschaft und Geburt reißen könnte (Uterusruptur).

Aber: Die Wahrscheinlichkeit dafür ist so gering, dass für gewöhnlich einer normalen Geburt auch nach einem Kaiserschnitt nichts im Wege steht. Bei der Entscheidung, wie Dein Kind nach einem vorausgegangenen Kaiserschnitt auf die Welt kommt, ist natürlich auch der Grund für den Kaiserschnitt wichtig. War z.B. lediglich eine Lageanomalie (wie eine Steiß-oder Querlage) der Grund und dieses Baby liegt “richtig”, ist Deine Chance auf eine normale Geburt hoch.

Spontangeburt nach Kaiserschnitt ist gut möglich

Wünschst Du Dir eine normale Geburt nach einem vorausgegangenen Kaiserschnitt, macht es sicherlich Sinn, sich frühzeitig Gedanken über die Klinikwahl zu machen. Entscheide sehr genau, wo Dein Baby auf die Welt kommen soll. Und verabrede frühzeitig einen Termin zur Geburtsplanung, damit Du eventuelle Fragen klären kannst.

Wenn Du bereits zwei oder mehr Kaiserschnitte hinter Dir hast, wird es in Deutschland vermutlich ziemlich schwierig, einen Klinik zu finden, die es Dich noch einmal “normal” versuchen läßt. Denn in den meisten Fällen raten die Ärzte aufgrund des steigenden Risikos einer Ruptur dringend zu einem Kaiserschnitt.

Mit dem Thema “Einmal Kaiserschnitt – immer Kaiserschnitt” hat sich auch unsere Hebamme Monika im Detail beschäftigt. Lies hier alles, was Du dazu wissen musst.

Kennst Du noch mehr Schwangerschafts-Mythen? Wir sind gespannt auf Deinen Kommentar!

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