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9 Gründe, warum das Weinen Deines Kindes gut ist


Schon nach dem Aufwachen am Morgen ein quengeliges Kind? Der klassische Wutanfall auf dem Boden des Supermarkts? Die Autonomiephase unserer Kleinen hat es oft in sich! Das Weinen unseres Kindes kann uns insbesondere im Kleinkindalter im Alltag sehr herausfordern und anstrengen. Nicht selten wünschen wir uns, dass es einfach möglichst schnell endet und unser Kind wieder glücklich und zufrieden ist.

Dein Kind weint viel? Heute teile ich 9 Gründe mit Dir, warum es sich lohnt, das Weinen Deines Kindes willkommen zu heißen und warum Weinen sogar gesund und wichtig für das Leben von Groß und Klein ist.

Der Wunsch, das Weinen zu beenden

Du möchtest nicht, dass Dein Kind weint? Ja, es kann so schwierig sein, das eigene Kind weinen zu hören. Oft wollen wir starke Emotionen fast reflexartig beenden. Ablenken, Ignorieren, Untersagen – die Bandbreite ist lang! Und viele dieser Mechanismen kennen wir selbst zu gut aus unserer Kindheit.

Während ein Weinen als Folge einer Verletzung meist noch liebevoll getröstet wird und wieder in ein Lachen verwandelt werden möchte, steigen viele Eltern spätestens bei dem aus Wut weinenden und schreienden Kleinkind aus. „So benimmst Du Dich bei mir nicht! Bock Dich ruhig alleine aus!“ Im Folgenden erkläre ich Dir, warum es sich lohnt, Dein Mindset das Weinen betreffend zu verändern und nicht (mehr) dagegen anzukämpfen – ganz egal, aus welchem Grund Dein Schatz weint.

1. Studien beweisen: Weinen ist gesund!

Viele von uns lernen von klein auf tatsächlich das Gegenteil, aber Studien zeigen: Weinen ist gesund! Wusstest Du etwa, dass Tränen Cortisol (Stresshormone) und andere Toxine enthalten? Indem Dein Kind weint, lässt es diese Hormone im wahrsten Sinne des Wortes aus seinem Körper herausfließen und bringt sein Nervensystem wieder in Balance.

Aletha Solter, Autorin von “Warum Babys weinen: Die Gefühle von Kleinkindern”, beschreibt diesen natürlichen Prozess so:

“Glücklicherweise kommen unsere Babies mit einem Reperaturset ausgestattet auf die Welt. Durch den natürlichen und heilsamen Effekt des Weinens können sie mit den Auswirkungen von Stress umgehen.“

“Die Wissenschaft zeigt, dass Menschen jeden Alters vom Weinen profitieren und Tränen dabei helfen die chemische Balance des Körpers wiederherzustellen.“

2. Dein Kind weint: negative Emotionen sind normal!

Es bleibt nicht folgenlos, wenn wir unseren Kindern schon in jungen Jahren vermitteln, dass Weinen und starke Gefühle etwas Negatives sind. Sie lernen dadurch, dass Mama sie nicht in ihrer Nähe haben möchte, wenn sie traurig sind und weinen. Dabei haben Kinder das grundlegende Bedürfnis nach Gemeinschaft und Nähe zu ihren Bezugspersonen. Die Folge? Emotionen werden unterdrückt oder auf andere – oft unerwünschte – Art herausgelassen.

Die Frage ist: Was passiert, wenn unsere Kinder diese negativen Emotionen im Erwachsenenalter durchleben? Trauen sie sich diese auszudrücken? Oder empfinden sie Scham und verleugnen sie? Hand aufs Herz: Wie viele von uns greifen bei Traurigkeit etwa zu Schokolade, Alkohol oder anderer Ablenkung, anstatt sich wirklich mit ihren Emotionen auseinanderzusetzen?

Bleiben wir also ruhig, während unsere Kinder Weinen und begegnen ihrem Weinen mit Verständnis, senden wir eine unheimlich wichtige Botschaft: Negative Emotionen sind normal. Eines der wertvollsten Dinge, die sie von uns lernen können. Als Erwachsene sind sie dann die Glücklichen, die mit schwierigen Emotionen auf gesunde Weise umgehen können. Und die kommen im Laufe des Lebens so manches Mal auf uns zu, stimmt’s?

3. Dein Kind lernt seine Emotionen kennen

Wenn Du Dein Kind zum Beispiel einen Wutanfall auf seine Art durchleben lässt und es dabei begleitest, erfährt es am eigenen Körper, was Emotionen sind. Emotionen haben einen Anfang, einen Höhepunkt und ein Ende. Lassen wir unser Kind diese “Welle” spüren, lernt es: Emotionen gehen wieder vorbei. Sie merken, dass ihre Anspannung weicht und können schrittweise mit unserer Begleitung immer besser lernen mit ihren (starken) Gefühlen umzugehen.

4. Nach dem Weinen: Dein Kind ist wieder ausgeglichen

Wenn Du beginnst zu sehen, wie gut sich Dein Kind nach einem durchlebten Wutanfall fühlt, wird es nicht lange dauern, bis Du die Chance in seinem Weinen sehen kannst. Das hört sich merkwürdig an? Emotionen sind dazu da, um zu fließen und erlebt zu werden. Genau das passiert, wenn Dein Kind weint. Die Emotionen fließen, die Anspannung kommt heraus. Und Du wirst sehen: Nach den Tränen folgt die Ausgeglichenheit. Dein Kind ist fröhlicher, ruhiger und kooperativer. Wer von uns kennt nicht das Gefühl der Entspannung im Körper, nachdem man richtig geweint hat? Eine Win-Win-Situation für Euch beide!

Die amerikanische Pädagogin Janet Lansbury fasst zusammen:

„One of the most ironically counterintuitive twists of parenting is this: the more we welcome our children´s displeasure, the happier everyone in our household will be.”

„Eine der ironischsten Wendungen des Elternseins ist: Je mehr wir die Launen unserer Kinder willkommen heißen, desto glücklicher werden alle in der Familie sein.”

5. Tränen begleitet: Auch Du fühlst Dich danach besser

Nicht nur Dein Kind ist wieder ausgeglichen, nachdem es geweint hat, sondern auch Du selbst. Als Mama kenne ich dieses Gefühl der Ruhe nach dem Sturm und des Stolzes nach den dicken Tränen. Stolz – worauf denn? Stolz darauf, den Tränen mit Ruhe begegnet zu sein und die Gefühle und Reaktionen meines Kindes ganz angenommen zu haben. Stolz meinen Sohn dabei begleitet zu haben. Aber insbesondere stolz darüber, dass ich mich meinem Sohn zugewandt habe und ihm gezeigt habe, dass ich auf seiner Seite bin und dass ich ihn unterstütze, wenn er sich schlecht fühlt. Eins kann ich Dir versprechen: Nichts geht über den Moment danach, wenn ich diese bedingungslose Liebe zwischen uns spüren kann. Unbezahlbar!

6. Dein Kind weint: Ein Zeichen des Vertrauens

Dein Kind lässt seine Emotionen nur bei Dir raus? Du holst es vom Kindergarten ab und sobald Ihr über die Türschwelle nach draußen tretet, befindet ihr euch mitten im Wutanfall? So viele Eltern (und insbesondere Mütter) berichten, dass ihr Kind nie quengeliger ist als in ihrer Anwesenheit. Warum ist das so? Kinder lassen ihren Emotionen primär in einer Umgebung freien Lauf, in der sie sich sicher fühlen und in der Gegenwart von Menschen, die sie bedingungslos lieben. Es ist also tatsächlich ein Kompliment, wenn Dein Kind Dir auf diese Art vertraut.

7. Weinen zulassen: Du vertraust Deinem Kind

Welches Signal sendest Du an Dein Kind, wenn Du seine Gefühle anerkennst und begleitest? Lässt Du seine Emotionen zu, egal wie intensiv und langanhaltend – heißt das in Kurzform:  „Ich vertraue Dir! Du bist dazu fähig mit all Deinen Emotionen umzugehen – auch den schwierigen. Und ich helfe Dir dabei, so viel wie Du es brauchst.”

8. Deine Begleitung schafft wahre Verbindung

Mein Sohn und ich sind niemals inniger verbunden als nach einem Wutanfall, den wir zusammen gemeistert haben. Ein Gefühl der tiefen Verbundenheit, Harmonie und Balance, das den ganzen Tag anhalten kann. Bleibst Du während eines Wutanfalls ruhig und schaffst es, Dein Kind zu begleiten, zeigst Du ihm, dass Du es liebst – mit all seinen Seiten. Das schafft wahre Verbindung!

9. Langfristig zufrieden durch regelmäßiges Weinen

Ein Kind, das sich regelmäßig über sein Weinen regulieren darf und nicht in seinen Emotionen ausgebremst wird, ist ruhiger und glücklicher. Versuchst Du, sein Weinen zu unterbinden, wird die Spannung in seinem Körper anderweitig herauskommen. Entweder folgt kurze Zeit später Wutanfall Nr. 2 oder eine andere Art von unerwünschtem Verhalten und Widerstand.

Dabei dürfen wir nicht vergessen: Warum Dein Kind weint ist völlig zweitrangig. Der Keks ist in zwei Hälften gebrochen und sollte unbedingt ganz bleiben? Okay! Oft werden die nach Außen gezeigten Gründe nur als Ventil für angestaute Anspannung und Stress genutzt. Zeige Verständnis für die Frustration. Lass Dein Kind weinen. Dabei muss Du keinen neuen Keks herzaubern. Sei da, zeig´ Empathie – das ist die Magie. Eine Kultur der Akzeptanz aller Gefühle in Eurer Familie macht Euch auf lange Sicht zufriedener. Details zum Begleiten der Gefühle Deines Kindes liest du auf dem Blog von Anna von Langsam-Achtsam-Echt.

Dein Kind durch sein Weinen begleiten – erfährt es da überhaupt noch Grenzen?

Das Akzeptieren aller Gefühle Deines Kindes ist nicht zu verwechseln mit dem Akzeptieren jedes Verhaltens. Grenzen erfährt Dein Kind auf natürliche Weise und selbstverständlich dürft Ihr als Familie Regeln in Eurem Haushalt festlegen. Stoßen diese Regeln oder Eure persönlichen Grenzen bei Deinem Kind auf Widerstand, braucht es jedoch nicht alleine mit seinen Gefühlen umgehen. Es ist traurig, wütend, frustriert? Völlig verständlich! Du bist da und begleitest es in seinen Gefühlen. Gleichzeitig bleiben die Grenzen bestehen. Wie oft angenommen widerspricht sich beides nicht.

Dein Kind weint – Quick-Tipps

  • Dein Kind braucht Deine Begleitung – lass´ es nicht alleine weinen!
  • Begib Dich auf die Augenhöhe Deines Kindes. Wenn möglich, setze Dich zu ihm auf den Boden.
  • Vermeide Aussagen wie „Ist doch nicht schlimm!” oder „Pssssch, ist ja gut!”, denn Dein Kind empfindet die Situation anders.
  • Lass´ es all seine Gefühle erfahren ohne sie zu bewerten, verhindern oder zeitlich verkürzen zu wollen.
  • Spiegele die Gefühle Deines Kindes durch verständnisvolle Blicke oder Worte: „Ich sehe: Du scheinst gerade ganz schön traurig zu sein.”
  • Gebe Deinem Kind Sicherheit: Ich bin da und bleibe bei Dir. Wir schaffen das zusammen.”
  • Biete Körperkontakt an, wenn Dein Kind mag. Ansonsten setze Dich in seine Nähe, sei körperlich präsent und warte ab.
  • Ihr seid in der Öffentlichkeit? Begebt Euch (wenn möglich) an einen etwas ruhigeren Platz in der Nähe.
  • Für des Coregulieren (Begleiten) von Gefühlen gibt es kein 1:1-Skript! Schau´ was Dein Kind in der jeweiligen Situation braucht und was Euch gut tut!

Fazit

Gerade Kleinkinder sind aufgrund ihrer fehlenden Gehirnreife noch nicht dazu in der Lage, ihre Gefühle selbständig zu regulieren und brauchen dabei unsere Unterstützung. Weinen wegen augenscheinlicher Kleinigkeiten und intensive Wutanfälle gehören also zum Alltag und sind völlig normal.

Unsere Kinder wollen ihre Ausgeglichenheit und Stabilität von Natur aus durch ihr Weinen wiederherstellen. Häufig sind es gerade wir als Eltern, die diesen Prozess blockieren, weil es uns so schwerfällt mit dem Weinen unserer Kleinen umzugehen. Schaffen wir es, den Wert im Weinen unserer Kinder zu erkennen und sie im Umgang mit ihren starken Gefühlen achtsam und ruhig zu begleiten, setzen wir einen wertvollen Grundstein für ihre gesunde Entwicklung und ein empathisches Miteinander.

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