steißbein schmerzen schwanger

Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft


Die Geburt meines zweiten Kindes ist 18 Monate her und Steißbeinschmerzen begleiten mich bei längerem Sitzen schon lange. Ob das nun von der Schwangerschaft und Geburt oder meiner sitzenden Tätigkeit kommt? Ich weiß es nicht. Was aber sicher ist: Viele Frauen leiden im Laufe ihrer Schwangerschaft oder danach unter Steißbeinschmerzen. Am häufigsten in der Früh- und Spätschwangerschaft. Sicher ist auch: In vielen Fällen kann man etwas dagegen tun.

Was sind Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft?

Die meisten Frauen beschreiben sie als dumpf bis stechend und im Bereich des Steißbeins. Der Schmerz kann auch auf angrenzende Rückenbereiche ausstrahlen. Dabei schmerzt das Steißbein vor allem beim Sitzen auf harten Oberflächen oder bei längerem Sitzen. Vor allem die Knochenhaut wird durch den Druck gereizt und tut dann weh.

Das Steißbein bildet das Ende unserer Wirbelsäule und besteht aus in der Regel 5 Knochensegmenten, die fest verwachsen sind. Aus evolutionsbiologischer Sicht handelt es sich beim Steißbein um das Überbleibsel des Schwanzes, den unsere Vorfahren noch hatten. Weil Menschen sich auf zwei Beinen und aufrecht fortbewegen, brauchen sie den Schwanz nicht mehr.

Warum schmerzt das Steißbein vor allem in der Schwangerschaft?

In der Schwangerschaft verändert sich der knöcherne Beckenring, denn die Hormone Relaxin und Progesteron lockern die Sehnen und Gelenke. Das ist ein wichtiger und notwendiger Vorgang, immerhin soll das Becken bei der Geburt den Kopf des Babys durch lassen. Auch Bänder und Muskeln müssen sich entsprechend weiten, denn diese halten ansonsten die Gelenke weiterhin fest zusammen.

Ob und ab wann die Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft verstärkt auftreten, ist indiviuell verschieden. Allerdings häufen sie sich im ersten und im dritten Trimester.

Steißbeinschmerzen in der Frühschwangerschaft können unter anderem von einer Eileiterschwangerschaft ausgehen. Diese muss medikamentös behandelt werden, denn sonst kann die Situation lebensgefährlich für die Mutter werden.

In der Spätschwangerschaft übt die Gebärmutter mehr und mehr Druck aus. So kann es zu einem eingeklemmten Nerv, einer Prellung oder Fraktur des Steißbeins durch die Druckbelastung kommen. Durch ein höheres Körpergewicht und häufigeres Sitzen wird der lumbosakrale Nervenplexus zusammengedrückt. Auch der Druck von Gebärmutter und Köpfchen im Becken machen sich bemerkbar.

Auch Senk- oder Vorwehen in der Spätschwangerschaft können zu Schmerzen im Steißbeinbereich führen. Manchmal werden auch echte Geburtswehen anfangs als Steißbeinschmerzen wahrgenommen, die sich dann ausbreiten.

Steißbeinschmerzen nach Schwangerschaft und Geburt

Bei der Geburt selbst wird dann starker Druck auf das Steißbein ausgeübt, was das Beschwerdebild noch verstärken kann. In seltenen Fällen kommt es während der Geburt sogar zu einer Fraktur des Steißbeins. Allerdings kommt nicht nur eine natürliche Geburt als Auslöser der Steißbeinschmerzen nach der Schwangerschaft in Betracht – auch nach einem Kaiserschnitt tritt das Krankheitsbild häufiger auf. Denn die hormonellen Vorgänge während der Schwangerschaft und vor der Geburt sind trotzdem dieselben.

Was tun gegen Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft?

Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen lassen sich die lästigen Schmerzen lindern oder ganz vertreiben.

Schwangerschaftsgymnastik und Übungen gegen Steißbeinschmerzen

Zunächst einmal solltest Du dafür sorgen, dass Deine Rumpfmuskulatur stark genug ist, das Gewicht des wachsenden Bauches zu tragen. So verringert sich der Druck auf die Steißbeinregion. Dazu eignet sich klassische Schwangerschaftsgymnasik, die unter anderem auf die Stärkung des Beckenbodens ausgelegt ist. Geeignete Übungen, die Du zwischendurch selbst durchführen kannst, sind:

  1. Schulterbrücke
  2. Tisch
  3. Beckenbodenübungen / Kegel-Übungen

Schmerztherapie durch Medikamente

Die Schulmedizin versucht häufig, mit akuter Schmerztherapie durch Spritzen gegen Steißbeinschmerzen vorzugehen. In einer Schwangerschaft sind die meisten Schmerzmittel verboten, weil sie auch auf den Fötus wirken. Zunächst einmal kannst Du darum auf Paracetamol oder Ibuprofen zurückgreifen. Bitte sprich das aber immer vorher mit Deinem Arzt ab. Vor allem in der Schwangerschaft solltest Du Schmerzmittel nur einnehmen, wenn unbedingt notwendig. Auch die Studienlage zu Paracetamol in der Schwangerschaft ist nicht so eindeutig, wie lange angenommen.

Osteopathie

Die Osteopathie versucht, alle Körpersysteme wieder in Einklang zu bringen und Blockaden zu lösen, die zu den Schmerzen führen.

Entlastung im Alltag

Natürlich kannst Du auch ganz einfach selbst gegensteuern, indem Du häufiges und langes Sitzen vermeidest. Außerdem kann eine Entlastung beim Sitzen durch einen Sitzring oder Schwangerschaftsgurt sinnvoll sein.

Kinesiotape

Vorübergehende Entlastung bzw. Schmerzlinderung bringt bei manchen Frauen auch das sogenannte Tapen.

Wärme und Massagen

Wenn die Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft von Verspannungen ausgehen, können Wärmetherapie und Massagen, z.B. durch einen Physiotherapeuten weiter helfen.

Akupunktur

Akupunktur kann bei einem eingeklemmten Nerv Abhilfe schaffen. Viele Hebammen können auch akupunktieren, frag einfach nach.

Sind Steißbeinschmerzen ein Schwangerschaftsanzeichen?

Wenn Du Dir ein Kind wünscht, solltest Du auf Steißbeinschmerzen als Anzeichen einer Schwangerschaft nicht warten. Denn sie sind kein typisches frühes Anzeichen, von der wir eine erfolgreiche Einnistung ableiten können – auch wenn das Beschwerdebild im Laufe der Schwangerschaft bei vielen Frauen auftritt. Gleichzeitig ist in einer Gesellschaft, in der viele Tätigkeiten im Sitzen ausgeübt werden, ein schmerzendes Steißbein leider keine Seltenheit.

Gibt es bei Steißbeinschmerzen in der Schwangerschaft ein Beschäftigungsverbot?

Wenn die Gesundheit von Mutter oder Kind am Arbeitsplatz gefährdet sind, kann ein Arzt ein individuelles Beschäftigungsverbot aussprechen. Ob das im Fall von Steißbeinschmerzen gerechtfertigt ist, muss immer im Einzelfall entschieden werden.

Dazu muss der Arbeitsplatz fachmännisch beurteilt werden, ebenso wie die Stärke und Häufigkeit des Beschwerdebildes. Im Anschluss kann es sein, dass ein anderer Arbeitsplatz zugewiesen werden muss, bei dem zum Beispiel weniger lange sitzende Tätigkeiten anfallen. Es gibt auch ein Teilzeitbeschäftigungsverbot, bei dem die Arbeitszeit pro Tag verkürzt wird.

Können Steißbeinschmerzen auf eine Fehlgeburt hindeuten?

Achtung, bei manchen Frauen fühlen sich echte Wehen im Anfangsstadium an wie Steißbeinschmerzen. Wenn die Schmerzen also plötzlich auftreten und dann wieder gehen, solltest Du aufmerksam werden. Wenn sich das Ganze in regelmäßigen Abständen und mehr als dreimal am Tag wiederholt, kontaktiere lieber Deine Hebamme oder Deinen Gynäkologen.

Unsere Texte zu Gesundheitsthemen ersetzen keinesfalls den Arztbesuch.
Mehr Infos dazu findest Du hier.

Weitere Artikel von uns:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.