Stillen vs. Abpumpen vs. Pre-Nahrung – Alle Vor- und Nachteile im Überblick


Ob Du Dein Baby stillen wirst, ist oft keine Frage des “Wollens”. Es gibt viele Gründe, warum sich eine Mutter für oder gegen das Stillen entscheidet und damit auf andere Methoden angewiesen ist. Wenn Du nicht stillen möchtest oder kannst, kannst Du Dein Baby mit abgepumpter Muttermilch oder mit Pre-Nahrung füttern. In diesem Artikel möchten wir Dir alle Vor- und Nachteile aufzeigen, sodass Du Dich besser entscheiden kannst.

Stillen – Eine ideologische Diskussion

Versucht man im Internet Studien zum Thema “Stillen” zu finden, tut man sich sehr schwer. Es gibt viele tausend Ergebnisse und wenige Studien sind wirklich aussagekräftig. Sogar die Aussage “Stillen ist das beste für ein Baby” kann wissenschaftlich nicht wasserdicht belegt werden. Es gibt allerdings viele Studien, die zeigen, dass Babys, die gestillt werden, eine tiefere Bindung zur Mutter haben, später weniger Allergien haben und eine bessere kognitive Leistungsfähigkeit aufweisen. Es gibt allerdings auch Studien, in denen diese Zusammenhänge nicht belegt werden konnten.

Was man aber sagen kann, eine Mutter, die sich bewusst gegen das Stillen entscheidet, hat es nicht leicht. Ihr wird gerne vorgeworfen, sie würde nur an sich denken oder nicht das Beste für ihr Baby wollen. Auch diese Aussagen kann man keinesfalls pauschal bestätigen. Die Gründe, nicht zu stillen, sind so vielfältig, wie jede Mama selbst.

Möglicherweise hast Du Probleme beim Stillen, weil Du Flach- oder Hohlwarzen hast. Oder Du möchtest den Papa von Anfang an voll miteinbeziehen, sodass er das Baby auch füttern kann. Auch eine Krebserkrankung kann das Stillen unmöglich machen. Oder Du musst oder willst kurz nach der Geburt wieder arbeiten und kannst Dein Baby nicht regelmäßig stillen. Diese und andere Gründe zeigen, dass die Entscheidung, nicht zu stillen, von den wenigsten Frauen leichtfertig getroffen wird.

Wenn Du die Entscheidung für oder gegen das Stillen getroffen hast, stellst Du Dir sicher die Frage, ob Du Dein Baby mit Pre-Nahrung oder mit abgepumpter Muttermilch füttern sollst. Über Pre-Nahrung liest man viel Schlechtes und auch die Welt-Gesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, 6 Monate voll und danach weiter nach Bedarf zu stillen. Eines ist klar: Milchpulver kann mit Muttermilch nicht mithalten. Die Nährstoffe, die in der Muttermilch enthalten sind, können von der Industrie nicht “nachgebaut” werden.

Stillen vs. Abpumpen

Eine gute und vor allem günstige Alternative ist das Abpumpen von Muttermilch. Dein Baby bekommt die wichtigen Nährstoffe der Muttermilch und Du bist gleichzeitig flexibler. Aber was sind denn die Unterschiede zwischen Stillen und Abpumpen?

Faktor Zeit

Hier geht der Punkt ganz klar ans Stillen. Hat Dein Baby Hunger, kannst Du ihm einfach die Brust geben und das — im Prinzip — immer und überall. Auch nachts ist Stillen komfortabler als das Füttern mit abgepumpter Milch.

Faktor Hygiene

Auch hier geht der Punkt ans Stillen, denn eine Milchpumpe und auch Fläschchen und Sauger müssen gereinigt werden und steril sein. Wer nicht auf die richtige Hygiene achtet, der kann seinem Baby schnell schaden.

Faktor Flexibilität

Dieser Punkt geht ans Abpumpen, denn wenn Dein Baby Hunger hat, musst Du nicht vor Ort sein.

Faktor Papa

Der 2. Punkt fürs Abpumpen, denn im Vergleich zum Stillen kann auch der Papa sein Baby füttern und das von Beginn an.

Faktor Nähe

Hier gibt es ein Unentschieden, denn sowohl beim Stillen als auch beim Füttern mit abgepumpter Muttermilch erfährt Dein Baby Wärme, Nähe und Zuneigung. Vorausgesetzt, Du hältst es beim Fläschchen geben im Arm.

Zwischenstand

Stillen 3 : 3 Abpumpen

Vergleicht man die verschiedenen Faktoren miteinander, ist das Füttern mit abgepumpter Muttermilch genauso gut für Dein Baby wie das Stillen. Abpumpen kostet lediglich etwas mehr Zeit und erfordert eine gewisse Hygiene.

Die Sache mit der Pre-Milch

Wenn für Dich weder das Stillen noch das Abpumpen von Muttermilch in Frage kommt, bleibt nur noch das Füttern mit Pre-Nahrung. Milchpulver hat — im Vergleich zur Muttermilch – eigentlich keine Vorteile. Pre-Nahrung musst Du kaufen, Muttermilch bekommst Du “umsonst”. Zudem enthält Milchpulver nicht alle Nährstoffe, die in Muttermilch enthalten sind.

Zwar sind die Hersteller von Milchpulver verpflichtet, auf die Ernährungsbedürfnisse von Säuglingen und Babys einzugehen, dennoch gibt es immer wieder Studien, die bedenkliche Inhaltsstoffe auflisten. Obwohl es strenge Richtlinien für die Vermarktung von Milchpulver gibt, suggerieren viele Hersteller, dass die Zusammensetzung von Pre- und HA-Nahrung mit Muttermilch vergleichbar sei. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat deshalb diese Zusammensetzung genauer untersucht.

Das Ergebnis: Muttermilch enthält viele gesundheitsfördernde Substanzen, die in Milchpulver nicht enthalten sind. Dadurch ergibt sich ein geringeres Erkrankungsrisiko für gestillte Kinder. Alle weiteren Ergebnisse der Untersuchung kannst Du hier nachlesen.

Wie soll ich mich entscheiden?

Betrachtet man die Nachteile von Milchpulver hinsichtlich Gesundheitsrisiken und Kosten, ist die beste Entscheidung sicherlich das Stillen oder Abpumpen. Natürlich immer vorausgesetzt, dass Du körperlich in der Lage bist, Dein Baby zu stillen.

Vergleicht man Stillen, Abpumpen und Milchpulver, gehen noch einmal jeweils zwei Punkte für Gesundheit und Kosten ans Stillen und Abpumpen von Muttermilch. Milchpulver kann in den Kategorien Flexibilität, Papa und Nähe mithalten und kommt damit in der Gesamtwertung auf 3 Punkte.

Endstand

Stillen: 5 Punkte

Abpumpen: 5 Punkte

Milchpulver: 3 Punkte

Du hast beschlossen, Dein Baby nicht zu stillen? Diese Entscheidung ist Dir sicher nicht leicht gefallen und Du hast gute Gründe dafür. Dennoch möchtest Du für Dein Baby nur das Beste, daher empfehlen wir Dir wenn möglich das Abpumpen von Muttermilch mit einer Milchpumpe. Abpumpen ist für Dein Baby die beste Alternative zum Stillen.

6 Kommentare zu “Stillen vs. Abpumpen vs. Pre-Nahrung – Alle Vor- und Nachteile im Überblick

  1. Bei der pre milch ist euch wohl ein Fehler unterlaufen. Im Artikel steht, dass Kinder mit Milchpulver ein geringeres Erkrankungsrisiko haben.

    1. Liebe Anja,
      das, was wir geschrieben haben, stimmt schon so :-) Dadurch, dass Muttermilch einfach einige Stoffe enthält, die gut für das Immunsystem des Kindes sind, besteht für Kinder, die ausschließlich mit Milchpulver gefüttert werden, ein geringes Erkrankungsrisiko. In den meisten Fällen werden diese Kinder nicht häufiger krank, als “Stillkinder”, aber wir müssen das im Text erwähnen :-)

  2. Es ist tatsächlich ein Fehler. Oben steht “geringeREs, nicht geringes..
    Und der Punkt “Flexibilität beim Pump – stillen sollte schon eingeschränkt werden, da empfohlen wird, spätestens alle 3 Stunden zu pumpen um eine entsprechende Milchmenge aufrecht zu erhalten. Sooo wahnsinnig flexibel ist das nicht..

  3. Ja da ist definitiv ein Fehler im Text: In der zitierten Untersuchung heißt es „Muttermilch enthält zahlreiche Substanzen, die in Säuglingsanfangs- und Folgenahrung nicht enthalten sind. Diese Substanzen führen zu einer geringeren Erkrankungswahrscheinlichkeit bei gestillten Säuglingen.“

    In eurem Text steht: „Dadurch ergibt sich ein geringeres Erkrankungsrisiko für Kinder, die mit Milchpulver gefüttert werden“

    Auch die Formulierung aus dem Kommentar „ein geringes Erkrankungsrisiko […] bei Milchpulver“ wäre unglücklich, weil das implizieren würde das Risiko ginge vom Pulver aus – was nicht stimmt. Dem Pulver fehlt lediglich die präventive Wirkung von Muttermilch.

    Also am besten einfach schreiben „Dadurch ergibt sich ein geringeres Erkrankungsrisiko für Kinder, die gestillt werden.“ Damit wäre alles klar ;)

    1. Hallo lieber Tobi,
      vielen Dank für Deine Anmerkungen. Du hast vollkommen Recht. Wir haben uns die Studie noch einmal angeschaut und die betreffende Formulierung sowie einige Passagen des Beitrags überarbeitet.
      Viele Grüße, Dein Babyartikel.de Team

  4. Stillen ist wichtig für das Baby, gnaz klar..
    Es ist nur komisch dass von keinem erwähnt wird daß beim Einfrieren der Muttermilch schon logischerweise so manche Nährstoffe dabei verloren gehen und dadurch das Babys nicht satt werden können, Bäuchlein voll aber nicht satt..;-))

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