zwiemilch fuettern mit muttermilch und pre-nahrung

Zwiemilch: Füttern mit Muttermilch und Pre-Nahrung


Die Ernährung von Säuglingen ist ein Thema, das frisch gebackene Eltern extrem beschäftigt. Ist Vollstillen das Richtige oder PreNahrung? Viele Mamas sind außerdem hin- und hergerissen, ob und wann sie abstillen sollen. Einen möglichen Ansatz, der mir lange nicht bekannt war, ist Zwiemilch. Bei dieser Methode bekommt Dein Baby sowohl Muttermilch als auch künstliche Nahrung aus dem Fläschchen. Das klingt interessant? Dann lies direkt weiter.  

Gründe für das Zufüttern zum Stillen 

Natürlich hat jede Mama ihre eigenen Gründe, warum sie nicht oder nicht mehr voll stillen möchte/kann. Wer sich mal im Freundeskreis umhört oder in einschlägigen Foren liest, der schnappt immer wieder ähnliche Aussagen pro Zwiemilch auf:

  • Muttermilch alleine reicht nicht mehr aus. Das Baby nimmt nicht mehr ausreichend an Gewicht zu. 
  • Frühgeborene haben teilweise nicht genug Kraft, um die Brust zu entleeren. Deshalb werden einige Stillmahlzeiten durch das Fläschchen ersetzt.  
  • Der Vater soll beim Füttern auch eine Rolle spielen.  
  • Die Mama braucht Erholung.  
  • Bei Mehrlingsgeburten sind entweder die Energiereserven leer oder die Milch reicht nicht aus.  
  • Die Mutter möchte/muss wieder arbeiten gehen. 
  • Es wird mehr Flexibilität gewünscht. Dank Zwiemilch kann die Mama auch spontan Verabredungen wahrnehmen.  
  • Die Frau möchte nachts oder in der Öffentlichkeit nicht stillen.  

Ab wann kann ich zufüttern und damit Zwiemilch geben? 

Grundsätzlich ist es möglich, direkt ab der Geburt mit dem Zufüttern mit der Flasche zu beginnen. Aber für eine gute Immunabwehr ist die Erstmilch (Kolostrum) der Mama besonders wichtig. Darin sind größere Mengen an Abwehrstoffen, Wachstumsfaktoren, Vitaminen und Nährstoffen enthalten als in der späteren Stillflüssigkeit. Damit die Wirkung voll beim Säugling ankommt, empfehlen Fachleute anfangs voll zu stillen.  

Kolostrum spendet die Brust bis rund 30 Stunden nach der Entbindung. Idealerweise stillst Du mindestens in dieser Zeit ausschließlich. Die WHO empfiehlt zwei Jahre zu stillen. Was für Dich und Dein Baby das Beste ist, entscheidet Ihr in Eurer Familie.  

 

Neben dem gesundheitlichen Aspekt sollte beim Zwiemlichfüttern auch die sogenannte Saugverwirrung berücksichtigt werden. Babys nuckeln an der Brust anders als am Fläschchen. Es kann sein, dass der Säugling irgendwann nur noch die Flasche akzeptiert, gerade wenn die Öffnung dort groß ist. Dann muss sich das Baby nämlich viel weniger anstrengen als beim Stillen.  

Damit das Brustentleeren bei Dir und Deinem Nachwuchs reibungslos klappt, stillst Du idealerweise die ersten rund acht Wochen voll. Dann solltet Ihr bereits ein eingespieltes Team sein. Das Baby weiß, wie der Saugvorgang funktioniert. Jetzt dürfte es weniger zur Saugverwirrung kommen, wenn Du anfängst Milchpulver bei zufüttern.  

Lehnt Dein Baby die Flasche ab, kannst Du einen Trick anwenden. Pumpe ab und füttere am Anfang Stillflüsigkeit durch die Flasche. So hat das Kind zwar ein neues Saugerlebnis, aber der Geschmack ist gleich. Ist es an den Sauger gewöhnt, kannst Du es mit angerührter Milch probieren.  

Welche Flasche, welches Pulver 

Wähle am besten einen Sauger, der Deiner Brust am ähnlichsten ist. Der Ansatz sollte möglichst breit sein, sodass das Baby den Mund weit öffnen muss. Somit sind Weithalsflaschen die richtige Wahl. Bei den Sauger-Löchern wählst Du ein Modell mit möglichst kleinem Durchlass.  

Gut eignen sich sogenannte Teesauger. Diese sind dafür konzipiert, Tee oder Wasser durchzulassen. Muss das Baby seine Milchmahlzeit durch die kleinen Löcher ziehen, braucht es ordentlich Kraft dafür. Das vermindert die Gefahr der Saugverwirrung.  

Welches Milchpulver Du verwendest, hängt unter anderem vom Alter des Babys ab. Für Säuglinge, die erst wenige Wochen alt sich, eignet sich Pre-Milch am besten. Ab frühestens vier bis sechs Wochen kann mit der Milchnahrung Stufe 1 begonnen werden. Darin ist Stärke enthalten, die länger sättigt. Dagegen kann die Zusammensetzung auch für Verdauungsprobleme sorgen. Prinzipiell kann Pre-Milch auch bis zu einem halben Jahr gefüttert werden.  

Neigt Dein Baby zu Allergien, ist Vollstillen die optimale Lösung. Funktioniert das bei Euch nicht, dann greifst Du am besten zu HA-Nahrung. Ich persönlich würde aber vorher nochmal mit der Hebamme sprechen. Vielleicht gibt es individuell bessere Optionen.  

Wie wirkt sich Zwiemilch auf die Darmflora und das Immunsystem aus? 

Tatsächlich ist erwiesen, dass sich durch Zufüttern die Darmflora des Babys beeinflusst wird. Die Zusammensetzung der Bakterien im Darm ändert sich, wenn Kinder künstliche Nahrung erhalten. Dabei spielt es keine Rolle, ob weiterhin zusätzlich noch gestillt wird oder nicht.  

In Bezug auf das Mikrobiom scheint es allerdings ebenfalls einen wichtigen Einfluss zu haben, auf welchem Weg das Baby geboren wurden. Säuglinge, die den normalen Geburtsweg nehmen, haben eine andere Bakterienzusammensetzung als Kaiserschnittkinder. Bei ihnen ist der Anteil an Bacteroides und Pektobakterien höher. Dagegen sind Staphylokokken, Rothia- und Propionibakterien in geringerer Zahl vorhanden. Ein gut ausbalanciertes Mikrobiom schützt vermutlich vor Asthma, Diabetes und Übergewicht schützen.  

Du kannst die Veränderung auch sehen. Der Stuhlgang von Babys, die künstliche Nahrung bekommen, sieht anders aus. Dein Kind wird häufiger und mehr Stuhlgang haben als beim reinen Stillen.  

Viele Eltern machen sich auch Sorgen, dass zugefütterte Babys Probleme mit der Verdauung bekommen. Solange Dein Baby die künstliche Nahrung verträgt, sollte es keine Schwierigkeiten geben. Reagiert Dein Nachwuchs mit Bauchschmerzen und Koliken, dann probiere ein anderes Präparat aus.  

Des Weiteren wird durch das Zufüttern das Immunsystem beeinflusst. Kinder, die Zwiemlich bekommen, reagieren anders auf Fremdeiweiße. Dadurch steigt das Risiko für Allergien. Auch Magen-Darm- sowie Autoimmunerkrankungen kommen bei Säuglingen mit Flaschennahrung häufiger vor. 

Übrigens reichen bereits kleinste Mengen Fertigmilch aus, dass sich die Bakterienzusammensetzung des Körpers ändern. Gibst Du einmal Milchnahrung, lässt sich der Effekt nicht mehr rückgängig machen.  

Vom Zufüttern wieder zum Vollstillen? 

Grundsätzlich ist es bei Zwiemlich wichtig, dass Du regelmäßig stillst. Die Stillmahlzeiten sollten überwiegen, damit Deine Milchproduktion aufrecht erhalten bleibt. Deine Körper produziert die Milchmenge, die Dein Baby nachfragt. Je öfter Du das Kind anlegst, desto mehr Milch hast Du und umgekehrt.  

Selbstverständlich ist es jederzeit möglich, wieder auf Vollstillen umzusteigen. Das kannst Du entweder direkt tun oder die Zufütterung langsam ausschleichen lassen. Fütterst Du am Tag zwei Fläschchen, dann ersetzt Du erst eines davon mit Stillen und ein paar Tage später auch das Zweite. Danach gibst Du die Brust wie vor der Zwiemilch.  

Vor- und Nachteile von Zwiemilch 

Malen wir schwarz-weiß und sehen uns die Vor- und Nachteile an:

Pro Zwiemilch: 

  • Flexibilität beim Füttern 
  • Mehr Freiheit für Mütter 
  • Immer ausreichend Nahrung für das Baby 
  • Mehr Schlaf 
  • Du musst Dich in der Öffentlichkeit nicht entblößen, wenn Du das nicht möchtest

Contra Zufüttern: 

  • Höhere Kosten 
  • Mögliche Saugverwirrung 
  • Probleme bei der Milchproduktion 
  • Höheres Allergierisiko 
  • Andere Bakterienzusammensetzung im Darm 
  • Schlechteres Immunsystem 

Solche Pro-und-Contra-Listen sind das perfekte Futter fürs Mama-Bashing. Wir Mütter bewerfen uns gerne gegenseitig mit Vorwürfen. Aus welchen Gründen auch immer. Ich will mit diesem Beitrag eine reine Entscheidungshilfe bieten. Aber natürlich ist mir klar, dass das Füttern von Babys jede Menge Konfliktpotenzial liefert.  

Deshalb möchte ich zum Abschluss noch meine persönlichen Erfahrungen dazu mitteilen. Ich selbst wurde überhaupt nicht gestillt. Soweit mir bekannt ist, leide ich nicht unter Allergien, Autoimmunerkrankungen oder anderen Problemen. Meine Tochter habe ich dagegen über zwei Jahre gestillt, fünf Monate davon voll. Fertigmilch hat sie nie bekommen, auch keine Mahlzeiten aus Fertiggläschen. Auch sie ist kerngesund.  

Was ich im Laufe meines Lebens gelernt habe ist, dass wir bei jeder Entscheidung auf unser Bauchgefühl hören sollten. Wenn Du nicht mehr voll stillen kannst oder willst, dann ist das so. Fertig. Triff Deine Entscheidung, schließe Frieden damit und genieße die Freiheit durch das Zufüttern. Wir sind alle gute Mütter – ob Vollzeitstillerin, Zwiemilch- oder Flaschenfütterin.  


Hast Du bereits Erfahrungen mit der Zwiemilch-Ernährung? Dann würden wir uns über Deinen Kommentar freuen!

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Mehr Infos dazu findest Du hier.

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