Stillen: Woran erkenne ich, wann mein Baby hungrig und wann es satt ist?


Wenn der Bub minutenlang gierig an meiner Brust trinkt und ihm dabei die Milch aus den Mundwinkeln wieder herausläuft, frage ich mich manchmal wie viele Milliliter er sich wohl pro Mahlzeit einverleibt. In diesen Augenblicken wünsche ich mir eine „Milchanzeige“, nicht weil ich in Sorge bin er könne verhungern, sondern aus purer Neugier.

Doch zum Glück gibt es weder bei meinem Sohn noch bei anderen Babys solch eine Füllstandsanzeige, denn statt ihnen regelmäßig eine bestimmte Menge Milch einzuverleiben, die wir Eltern (ihr Kinderarzt oder ihre Hebamme) für angemessen halten, müssen wir ihnen einfach vertrauen. Und das ist gut so, schließlich weiß niemand besser als unsere Babys selbst, wann sie hungrig bzw. satt sind und wie viel Nahrung sie benötigen.

Hungerzeichen

Für eine entspannte Stillbeziehung empfiehlt es sich, ein Neugeborenes immer dann anzulegen, sobald es die ersten „leisen“ Hungersignale sendet. Dazu gehört das Suchen der Brust, das heißt das Baby dreht sein Köpfchen hin und her und öffnet leicht den Mund. Gleichzeitig beginnt es die Zunge aus dem Mund zu strecken, zu saugen und zu schmatzen. Außerdem wird ein hungriges Baby zunehmend unruhiger – es fuchtelt mit Ärmchen und Beinchen.

Übersehen wir diese leisen Mitteilungsversuche, folgt Alarmstufe rot. Das Baby schreit und bringt es dabei auf eine Schallstärke von 82 Dezibel – knapp unter dem Schalldruck eines Presslufthammers, damit es sicher gehen kann, dass dieses Signal ankommt, egal wie weit wir von ihm entfernt sind. Ein überlebensnotwendiger Mechanismus, schließlich ist dieses hilflose Geschöpf voll und ganz auf unsere unverzügliche Hilfe angewiesen.

Schreien gilt als spätes Hungersignal – es setzt in der Regel erst ein, wenn wir nicht auf die oben genannten Hungerzeichen unseres Babys reagiert haben. Jedoch gibt es auch immer wieder Situationen, beispielsweise wenn ein Baby nach mehreren Stunden Schlaf erwacht, in denen es direkt und ohne jegliche Vorwarnung losbrüllt. Dann hilft nur noch Anlegen und den Hunger des Babys so schnell wie möglich zu stillen.

Sättigungszeichen

Trinkt das Baby an der Brust,  können wir beobachten wie es sich mehr und mehr entspannt. Es füllt zunächst in großen, deutlich hörbaren Schlucken seinen Magen und dann entspannt sich sein ganzer Körper: Das Baby öffnet seine Händchen, es lässt Arme und Beine locker herunter hängen. Viele Babys schlafen beim Stillen ein, falls nicht, lassen sie die Brust los und drehen den Kopf weg.

Stillschwierigkeiten durch wachsende Neugier

Allerdings drehen ältere Babys (ab 4/ 5 Monaten) auch gerne den Kopf beim Stillen zur Seite, weil sie etwas Interessantes gesehen oder ein lautes Geräusch gehört haben. Diese wachsende Neugier gestaltet das Stillen recht schwierig, zumal sie beim Wegdrehen gerne die Brustwarze festhalten. Gelingt es meinem Knaben (6 Monate) nicht, sich auf das Trinken zu konzentrieren, dann ziehe ich mich zurück. Im Moment klappt es bei uns am besten, wenn wir alleine sind und uns dabei hinlegen.

Weinen bedeutet nicht unbedingt Hunger

Wird mein Bub zappelig und unruhig, biete ich ihm immer die Brust an, ganz egal ob die letzte Stillmahlzeit 3 Stunden oder 30 Minuten zurück liegt. Meist ist er dann glücklich und zufrieden, doch manchmal schlägt er nach dem Trinken mit seinen Fäustchen auf meine Brust und beginnt zu weinen. Dreht er dabei mehrfach den Kopf weg weiß ich, dass er nicht hungrig, sondern müde oder aus anderen Gründen unzufrieden ist (siehe „Warum weint mein Baby? Und wie kann ich ihm helfen?“). In diesen Situationen stecke ich ihn ins Tragetuch und gehe mit ihm spazieren – das hilft fast immer.

Mein Baby nuckelt doch nur!

Selbst wenn ein Baby pappsatt ist, kann es das Bedürfnis verspüren (teils stundenlang) weiter zu nuckeln. Dieses “non nutritive” Saugen ist ebenfalls von Bedeutung für ein Baby. „Denn Stillen ist weit mehr als Ernährung: Das Saugen an der Brust und die Muttermilch stillen den Durst, lindern Schmerzen, verbessern das Wohlbefinden, senken den Blutdruck, intensivieren die Atmung, regulieren die Körpertemperatur und erleichtern das Einschlafen. […] Das Stillen ist zudem eine wunderbare Möglichkeit, innere Spannungen abzubauen” (siehe „Stillen nach Bedarf“).

„Viele Leute denken, dass das Baby nicht “schon wieder” das Bedürfnis zum Saugen haben sollte und sie wundern sich, wie es schon wieder hungrig sein kann. Es ist möglich, dass es in diesem Fall nach der Brust verlangt, weil es friert, weil es sich alleine oder aufgeregt/ schläfrig/kränklich fühlt. All diese Bedürfnisse sind gleich berechtigt“ (siehe „Das nicht ernährungsbedingte Saugen“).

 

 

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