Blutuntersuchung Schwangerschaft

Welche Blutuntersuchungen werden in der Schwangerschaft durchgeführt?


Zu Beginn der Schwangerschaft kläre ich die werdenden Mütter über die bevorstehenden Untersuchungen auf. Hierzu gehört vor allem die Blutentnahme, die jeder Schwangeren, egal ob Privat- oder Kassenpatientin, zusteht. Diese Blutuntersuchungen werden im Mutterpass dokumentiert.

Blutgruppenbestimmung einschließlich Rh-Faktor

Die Mutterschaftsrichtlinien sehen zu Beginn der Schwangerschaft die Bestimmung der Blutgruppe und des Rhesus-Faktors vor. Sind diese von einer vorherigen Schwangerschaft bekannt, können die Ergebnisse übernommen werden, da sich eine Blutgruppe und der Rhesus-Faktor nicht ändern. Ist eine Frau Rhesus negativ, sollte zwischen der 28. und 30. Schwangerschaftswoche eine Spritze mit Anti-D-Gammaglobulin intramuskulär injiziert werden. Dies soll eine Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind vorbeugen. Diese Spritze ist bei Rhesus negativen Frauen auch in Ausnahmesituationen zu einem anderen Zeitpunkt notwendig, zum Beispiel wenn eine Fruchtwasserpunktion durchgeführt wird oder Blutungen in der Schwangerschaft auftreten.

Suchtest auf irregulärer Antikörper

Diese Untersuchung hat die Erkennung einer Blutgruppenunverträglichkeit zum Ziel. Wie die Blutgruppenbestimmung wird der Suchtest gleich zu Beginn durchgeführt, jedoch wird er bei allen Schwangeren zwischen der 24. und 29. Schwangerschaftswoche wiederholt.

Röteln

Zu Beginn der Schwangerschaft wird eine weitere Blutuntersuchung vorgenommen, die feststellt, ob eine Immunität gegen den Rötelvirus besteht. Dies ist wichtig, da eine Rötelninfektion in der Frühschwangerschaft, Missbildungen beim Kind verursachen kann. Ein ausreichender Schutz gegen eine Rötelninfektion ist nur gegeben, wenn der Antikörper-Titer mindestens 1:32 beträgt. Besteht kein Schutz, muss man als Schwangere aufmerksam gegenüber Kleinkindern sein. Außerdem ist eine erneute Röteln-Titer Kontrolle zwischen der 16. und 17. Schwangerschaftswoche zu empfehlen. Im Wochenbett sollte unbedingt eine Rötelimpfung durchgeführt werden.

Chlamydien

Bei Chlamydien handelt es sich um Bakterien, die unbehandelt zu einer Fehl- oder Frühgeburt führen können. Chlamydien werden heutzutage über den Urin nachgewiesen, früher über das Blut. Die Urinuntersuchung wird ebenfalls in der Frühschwangerschaft durchgeführt. Wenn die Schwangere an Chlamydien leidet, muss sie mit Antibiotika behandelt werden.

Lues-Suchreaktion

Zum Screening-Programm in der Schwangerschaft gehört ebenfalls der so genannte TPHA-Test. Hiermit kann eine Lues Infektion nachgewiesen werden. Eine Lues Infektion ist im Volksmund bekannter unter dem Namen Syphilis. Leidet die Mutter an dieser Erkrankung besteht eine 95-99% Ansteckungsgefahr für das ungeborene Kind. Da die Syphiliserkrankung in den letzten Jahren wieder stark zugenommen hat, sollte diese Untersuchung von allen Schwangeren durchgeführt werden. Auch diese Blutuntersuchung wird in der Frühschwangerschaft durchgeführt. Die Durchführung des Tests ist im Mutterpass dokumentiert, jedoch nicht das Ergebnis.

HIV-Test

Jeder Schwangeren steht in der Schwangerschaft ein HIV-Test zu, dieser darf aber nur mit dem Einverständnis der Frau durchgeführt werden. Dem Test soll ein Gespräch über die Risiken der Infektion und die Infektionswege vorausgehen. Um den Persönlichkeitsschutz zu wahren, wird der Test nicht im Mutterpass dokumentiert. Ist die Mutter mit einem HIV-Test einverstanden, wird dieser ebenfalls zu Beginn der Schwangerschaft getestet.

Hepatitis B

Aufgrund einer Ergänzung der Mutterschaftsrichtlinie im August 1994, ist im Rahmen der Schwangerenvorsorge bei allen Schwangeren nach der 32. Schwangerschaftswoche das Blut auf den Hepatitis-B-Virus zu testen. Besteht eine Hepatitis-B-Infektion, muss das Kind in den ersten Lebensstunden geimpft werden.

Hämoglobinbestimmung

Bei der Erstuntersuchung muss der Hämoglobinwert bestimmt werden. Ein Wert über 11,2 g/dl ist als normal anzusehen. Laut Mutterschaftsrichtlinien ist dann nur eine routinemäßige Kontrolle ab dem 6. Schwangerschaftsmonat notwendig. Ein Wert unter 11,2g/dl sollte durch ein Gespräch über die Ernährung und Kräuterblutsaft behandelt werden. Manchmal ist auch eine Eisensubstitution mit Tabletten notwendig. Diese verursachen aber häufig eine Verstopfung als unerwünschte Begleiterscheinung.

Es gibt noch viele andere Blutuntersuchungen, wie zum Beispiel Toxoplasmose, Zytomegalie-Virus, Ringelröteln, die aber nicht in den Mutterschaftsrichtlinien enthalten sind und somit nicht routinemäßig von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Auf Wunsch können verschiedene Untersuchungen natürlich auch privat gezahlt werden. Ich würde aber jeder werdenden Mutter empfehlen, vorher ein Beratungsgespräch mit ihrer Hebamme oder ihrem Arzt zu führen, damit keine unnötigen Blutuntersuchungen durchgeführt werden.

2 Kommentare zu “Welche Blutuntersuchungen werden in der Schwangerschaft durchgeführt?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.