SSW-Update: Wie sinnvoll ist eine Damm-Massage? (34+3)


In meiner ersten Schwangerschaft galt die Damm-Massage als heißer Nr. 1 Tipp gegen Dammrisse bzw. –schnitte, weil sie (regelmäßig angewendet) das Gewebe wohl so gut vorbereitet, dass es kaum verletzt wird.

Und genau da liegt der Hund begraben. Regelmäßige Rituale sind so absolut nicht mein Ding – deswegen kaufte ich mir zwar brav ein entsprechendes Massageöl und massierte mich auch ab und zu, aber eigentlich hätte ich es bei meiner Halbherzigkeit auch ganz lassen können.

Unter der Geburt war ein Schnitt notwendig und zusätzlich bin ich volles Rohr gerissen – inklusive Schamlippen und Klitoris (siehe “Geburtsbericht“. Ob das nun an den mangelnden Vorbereitungen meinerseits lag oder an der Tatsache, dass unser Mädchen mit Gewalt aus meinem Bauch gedrückt wurde (Kristeller Handgriff), während ich in Rückenlage unter höchster Muskelanspannung mitarbeitete, lässt sich im Nachhinein schwer sagen. Vermutlich spielt beides mit hinein – mangelnde Entspannung auf ganzer Linie.

Kein Dammriss durch selbstbestimmte Geburt

Da bei der ersten Geburt, neben den übelsten Rissen, noch so einiges anderes nicht nach meinen Vorstellungen lief, entschied ich mich diesmal unser Baby zu Hause zu entbinden.

Denn es heißt gebärende Frauen fühlen sich in einer vertrauten Umgebung mit vertrauten Menschen am wohlsten. Und eine selbstbestimmte Geburt, bei der keine geburtsbeschleunigenden oder –hemmenden Maßnahmen (wie Wehentropf und PDA) ergriffen werden – bei der die Schwangere über den Ablauf frei entscheiden darf, sei nicht nur schmerzfreier, sondern ende auch in deutlich weniger äußeren Eingriffen, wie Zangengeburt, Dammschnitt und Kaiserschnitt.

Odent beschreibt in seinem Buch „Geburt und Stillen“ noch etwas präziser, dass Frauen unter der Geburt ganz instinktiv eine Position wählen (wenn man sie denn lässt), die die Oberschenkelmuskulatur so entspannt, dass es kaum zu Rissen im Dammbereich kommt. Je lockerer und entspannter also die Frau – im Kopf und in den Muskeln – desto seltener erfolgen Verletzungen.

Warum ist eine Damm-Massage dennoch empfehlenswert?

Die Worte von Odent hatte ich so stark in meinen Kopf eingebrannt, dass ich mich ausschließlich auf die Hausgeburt und ein paar Entspannungsübungen konzentrierte, in der Hoffnung das reiche. Die Damm-Massage hatte ich für mich völlig gestrichen, bis ich das gleichnamige Kapitel im Buch „HypnoBirthing“ von Marie F. Mongan las.

Sie sagt: „Die Damm-Massage ist eine der ältesten und besten Methoden, um die Beckenboden-Muskeln gesünder zu machen, ihre Durchblutung und Elastizität zu verbessern und sie zu entspannen. […] Eine Massage mit Öl hilft dem Dammgewebe, weicher zu werden und sich später beim Gebären sanft und widerstandslos zu öffnen.[…]

Diese Massage verbessert die Chance, ohne Dammriss zu gebären.  Wenn der Dammrand weich und entspannt ist, gleitet Ihr Kind leicht darüber und aus der Scheide hinaus. Den Damm zu massieren lohnt sich wirklich. Es ist ganz leicht und hilft sehr.“

Mmmhhh! Allein diese Textpassage und die Erinnerung an meine heftigen Wunden von der ersten Geburt veranlassten mich sofort ein Damm-Massageöl zu bestellen und loszulegen. Eine entspannte Geburtsatmosphäre ist schön und gut, aber diese allein reicht wohl nicht, denn es gibt offensichtlich noch die körperliche Barrieren.

Wie führe ich eine Damm-Massage durch?

Mongan schlägt vor, die Massage vom Partner beim Liebesspiel durchführen zu lassen. Aber da im Idealfall täglich mehrerer Minuten massiert werden soll, nehme ich das lieber selbst in die Hand.

Als Öl eignen sich milde Speiseöle, wie Oliven-, Mandel- oder Aprikosenkernöl, aber auch ein Gleitmittel auf Gelbasis ist möglich. Ich besorgte mir das Damm-Massageöl von Weleda, weil es lecker duftet und ich das Öl, das ich sonst zum Kochen benutze, einfach nicht für die Massage verwenden möchte…

Mongan rät, sich bei der Massage bequem hinzusetzen (am besten mit ein paar Kissen im Rücken) und bei den ersten Malen einen Spiegel zu verwenden, um die richtigen Muskeln besser zu finden und zu beobachten wie der Dammrand nachgibt. Die Massage ist aber auch im Stehen möglich (dabei ein Bein auf die Wanne stellen) oder in der Hocke.

Eine sehr gute Damm-Massage-Anleitung fand ich auf dem Hebammenblog.de:

„Nimm ausreichend Öl auf die Fingerspitzen und wärme es durch Verreiben etwas an. Dann führst du den Daumen in die Scheide ein, während der Zeigefinger von außen den Damm massiert. In kleinen kreisenden Bewegungen lockerst du so den Bereich der unteren Scheidenwände. Wenn du dir eine Uhr vorstellst, befindet sich das Gebiet zwischen drei und neun Uhr.


Versuche als Nächstes deine Scheide auch dammwärts, also Richtung sechs Uhr, zu dehnen. Dazu nimmst du erst einen, dann zwei Finger und versuchst diese dann zusätzlich zu spreizen. Geh ein bisschen in den Dehnungsschmerz hinein. An der Schmerzschwelle atmest du zwei bis drei Mal in die Spannung und lässt dann wieder locker. Aber quäl dich um Gottes Willen nicht damit! „Sanft aber bestimmt“ ist hier vielleicht eine passende Devise. Wiederhole diese Übung einige Male.“

Wann führe ich die Damm-Massage durch?

Am liebsten möchte ich dabei allein sein, weil ich es nicht sehr angenehm fände, wenn Thomas oder unsere Tochter plötzlich in der Tür stehen, während ich mich “bearbeite”. Ich finde das weder erotisch noch romantisch und viel zu intim, als dass ich die Massage jederzeit und überall durchführen könnte.

Also suche ich mir ein Zeitfenster, in dem ich alleine zu Hause bin und mich 10 Minuten lang nur auf mich konzentrieren und entspannen kann. Beispielsweise, wenn Thomas unser Mädchen vom Kindergarten abholt – da bin ich ganz alleine und mindestens für eine halbe Stunde ungestört.

Was, wenn ich es nicht regelmäßig schaffe?

Ich glaube jede Damm-Massage, die ich in den nächsten 6 Wochen bis zur Geburt hinbekomme, wird meinem Dammgewebe gut tun. Ob täglich oder nur 2 Mal pro Woche, aber ich versuche am Ball zu bleiben.

Davon abgesehen, gibt es keine Garantie, dass der Dammbereich nicht verletzt wird – egal wie sehr ich mich mental und körperlich vorbereite. Also selbst wenn ich es schaffe, mich jeden Tag zu massieren, kann ich am Ende reißen… Da hilft nur hoffen und kleine Stoßgebete zum Himmel schicken, dass ich dieses Mal verschont(er) bleibe.

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