Zangengeburt

Zangengeburt – Gibt es das wirklich noch?


Ja, in Deutschland werden noch Kinder per Zangengeburt (Forcepsentbindung, Zangenentbindung) zur Welt gebracht, wenngleich Zangengeburten sehr selten sind. 2015 wurden lediglich ca. 0,5% aller Geburten in Deutschland mit einer Zange (Forceps) unterstützt. Die damit verbundenen Horrorgeschichten sind jedoch längst Vergangenheit. Bevor es zu einer Zangenentbindung kommt, klären die Geburtshelfer (Arzt, Hebamme) sehr genau ab, ob eine Zangenentbindung nötig ist (Indikation) und ob diese überhaupt möglich ist (Vorbedinungen). Werden beide Fragen mit “Ja” beantwortet, so ist die Zange ein gutes Hilfsmittel, um die Geburt vaginal zu beenden und einen Kaiserschnitt zu vermeiden.

Warum wird eine Zangengeburt gemacht?

Im besten Fall ist eine Zangengeburt gar nicht erst nicht nötig, so müssen die Geburtshelfer gar nicht erst in einen Geburtsverlauf eingreifen. Für das Wohlergehen von Mutter und Kind kann es aber manchmal nötig sein, von außen mitzuhelfen und die Geburt zu unterstützen.

Benötigt eine Geburt kurz vor ihrem Ende Hilfe, also dann, wenn sich der kindliche Kopf schon tief im weiblichen Becken befindet, kann die Geburtszange als Hilfsmittel eingesetzt werden. Dabei wird der Austritt des kindlichen Kopfes beschleunigt, um Komplikationen zu vermeiden. Dies ist vor allem dann notwendig, wenn das Kind gestresst ist, zum Beispiel von einer lange andauernden Geburt, und nicht mehr zu lange im Geburtskanal bleiben sollte.

Auch wenn eine Geburt in der Austreibungsphase über einen längeren Zeitraum ins Stocken gerät und Maßnahmen wie zum Beispiel die Veränderung der Geburtsposition oder die Regulierung der Wehentätigkeit keine Wirkung zeigen, kann die Zange ein gutes Hilfsmittel zur Beendigung der Geburt sein.

Bei Vorerkrankungen der Mutter (Herzfehler, Augenerkrankung) weiß die Mutter schon vor der Geburt, dass sie nicht aktiv pressen darf und die Geburt zum Ende hin unterstützt wird. Die Grenzen zwischen den einzelnen Indikationen sind fließend, meist treten sie in Kombination auf. Allen ist gemeinsam, dass es für das mütterliche und kindliche Wohl wichtig ist, die Geburt rasch zu beenden.

Wann kann eine Zangengeburt durchgeführt werden?

Eine Zangengeburt kann nicht einfach so durchgeführt werden. Der Einsatz der Zange ist nur dann möglich, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Der Muttermund ist vollständig eröffnet
  • Die Fruchtblase ist gesprungen oder eröffnet
  • Der Beckenausgang der Mutter ist weit genug
  • Der Kopf des Kindes ist werder zu groß, noch zu klein
  • Der Kopf des Kindes befindet sich tief im Becken, steht in der richtigen Ausgangsposition und ist gut erreichbar

Wie wird eine Zangengeburt durchgeführt?

Bei einer Forcepsentbindung wird die Geburt des kindlichen Kopfes mit Hilfe einer Geburtszange unterstützt. Dies ist nur dann möglich, wenn sich der Kopf des Neugeborenen schon tief im Becken befindet und die Geburt somit kurz vor dem Ende steht.

Das Wort “Zange” in Verbindung mit Geburt lässt die meisten Menschen unwillkürlich schaudern, dabei hat die Geburtszange nichts mit der im Allgemeinen bekannten Zange aus der Werkzeugkiste zu tun.

Die Geburtszange besteht nämlich aus zwei abgerundeten, nach oben breiter auslaufenden Löffeln. Diese Löffel besitzen wiederum zwei Krümmungen. Eine davon soll die Form des kindlichen Kopfes nachahmen, um das Kind möglichst schonend zu fassen. Die andere dient dazu, sich der Form des weiblichen Beckens anzupassen. So wird die Biegung des Geburtskanals nachgebildet, um den natürlichen Geburtsverlauf besser nachahmen zu können.

Um das Anlegen der Zange und die Entbindung des Kopfes für die Mutter so angenehm wie möglich zu gestalten, wird zuerst für eine ausreichende Schmerzfreiheit der Gebärenden gesorgt. Dies geschieht durch eine bereits vorhandene PDA oder durch einen Pudendusblock, eine Lokalanästhesie, bei der die Schmerzen im Bereich von Damm, Vagina und Beckenboden unterdrückt werden. Wehen und Pressdrang bleiben dabei unbeeinflusst, das bedeutet,  die Mutter kann aktiv am Geburtsprozess teilnehmen.

Zunächst werden die Löffel nacheinander seitlich an den Kopf des Kindes gelegt. Befinden sich beide Löffel in der richtigen Position, wird die Zange vorsichtig geschlossen. Der Arzt achtet dabei darauf, nicht zu viel Druck auf den Kopf auszuüben.

Während einer Wehe und mit Hilfe der pressenden Mutter ahmt der Operateur dann die natürliche Austrittsbewegung des Kopfes nach. Ist der Kopf geboren, wird die Zange entfernt und die weitere Entbindung des Kindes erfolg wie bei einer Spontangeburt.

Um dem Kind den Austritt zu erleichtern und unkontrollierte Dammverletzungen der Mutter zu vermeiden, wird bei einer Zangenentbindung normalerweise ein Dammschnitt (Episiotomie) gemacht.

Was kann bei einer Zangengeburt passieren?

Die Frage nach den Risiken einer Zangengeburt ist bei den werdenden Eltern natürlich sehr groß. Die Hauptrisiken sind Verletzungen der Mutter und des Kindes, die in der Regel harmlos sind und in den ersten Tagen nach der Geburt wieder abklingen.

Bei der Mutter kann es neben dem Dammschnitt zu weiteren Weichteilverletzungen kommen. Bei manchen Neugenorenen kann es zu vorübergehenden Hämatomen und Abschürfungen, sogenannte “Zangenmarken”  oder leichten temporären Lähmungen kommen.

Im Normalfall werden die Eltern vor dem Eingriff über mögliche Risiken und Folgen von den Geburtshelfern aufgeklärt. Bei akutem Handlungsbedarf kann es passieren, dass dazu die Zeit nicht reicht.

Niemand weiß vor einer Geburt, wie sie verlaufen wird. Nicht jede Geburt verläuft glatt und es gilt dann, die “Stolpersteine” aus dem Weg zu räumen. Eine Unterstützung durch die Zange kann eine Möglichkeit sein, trotz kleiner Hindernisse, die Geburt auf natürlichem Weg zu beenden und ein schönes und wundervolles Geburtserlebnis sein.

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