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Zu wenig Fruchtwasser – ein Grund zur Sorge?

Moderne Medizintechnik ist für Schwangere Fluch und Segen zugleich. Der Ultraschall beispielsweise offenbart jederzeit einen nahezu uneingeschränkten Blick in den Babybauch. Das Ergebnis verrät den werdenden Eltern nicht nur, wie es dem Baby geht, sondern auch, wenn der Oberschenkelknochen zu kurz, der Kopfdurchmesser zu knapp oder das Baby zu groß für die Schwangerschaftswoche ist.

Und - meist am Ende der Schwangerschaft - kann es sein, dass Dein Frauenarzt feststellt, dass Dein Baby von zu wenig Fruchtwasser umgeben ist.

Ich erkläre Dir heute, welche Aufgabe das Fruchtwasser hat, warum Dein Gynäkologe die Menge des Fruchtwassers bestimmt und welche Ursachen zu wenig Fruchtwasser haben kann.

Wozu das Fruchtwasser im Babybauch benötigt wird

Dein Baby schwimmt im Bauch nicht frei, es ist von einer Blase umgeben. Diese Fruchtblase beschützt den Fötus vor Verletzungen von außen und auch vor Infektionen während der Schwangerschaft. Außerdem wird das Fruchtwasser zur Bildung der Organe und Reifung der Lunge des Babys gebraucht.

Ist schon in der Frühschwangerschaft zu wenig Fruchtwasser vorhanden, so kann es passieren, dass Dein Baby nicht gut wachsen kann und Fehlbildungen an den Knochen erleidet. Zudem kann sich die Lunge nicht gut entfalten.

Wie viel Fruchtwasser ist normal?

Deine Fruchtblase ist mit einer Flüssigkeit gefüllt, dem sogenannten Fruchtwasser. Dieses wird von der innen liegenden Haut der Fruchtblase, dem Amnion, gebildet. Zu Beginn Deiner Schwangerschaft ist Dein Baby noch klein und dementsprechend niedrig ist auch die Menge des Fruchtwassers: In der 12. SSW befinden sich gerade einmal ca. 40 bis 50 ml Fruchtwasser in der Fruchtblase.

Etwa in der 20. SSW beträgt die Fruchtwassermenge bereits fast einen halben Liter und steigt weiter an. Kurz vor der Geburt ist Dein Baby von über einem bis maximal zwei Litern Fruchtwasser umgeben.

Wie wird die Fruchtwassermenge gemessen?

Der Arzt „misst“ die Menge des Fruchtwassers mit dem Ultraschallgerät. Ein erfahrener Frauenarzt kann grundsätzlich auch mit bloßen Auge erkennen, ob die Menge besonders hoch oder besonders niedrig ist. Um die Werte jedoch mit der Norm zu vergleichen, wird Deine Gebärmutter bildlich in vier Räume aufgeteilt und die größten Bereiche werden vermessen. Anhand der Einzelwerte wird eine Zahl errechnet, der sogenannte Amnionflüssigkeit- oder Fruchtwasser-Index.

Dieser Index wird mit dem Kürzel AFI abgekürzt (von englisch: Amniotic fluid index). Anhand einer Tabelle kennt Dein Gynäkologe die Richtwerte für jede Schwangerschaftswoche und kann so feststellen, ob die Menge des Fruchtwassers zu niedrig, genau richtig oder zu hoch ist.

Wird der AFI bei jeder Schwangeren gemessen?

Nicht jeder Arzt bestimmt bei jeder Schwangeren oder gar jeder Vorsorgeuntersuchung die Fruchtwassermenge. Diese Untersuchung findet nur bei bestimmten Vorerkrankungen, bei Bluthochdruck oder bei Frauen, die in einer vorherigen Schwangerschaft ein zu kleines und zu leichtes Kind geboren haben, statt oder dann, wenn Deine Hebamme oder der Arzt vermuten, dass die Menge Deines Fruchtwassers zu hoch oder zu niedrig sein könnte. Außerdem wird die Menge der Amnionflüssigkeit bestimmt, wenn Du das Gefühl hast, dass die Kindsbewegungen nachlassen.

Du musst Dir keine Sorgen machen, wenn Du bald Dein Baby bekommst und Dein Arzt die Menge der Amnionflüssigkeit bislang noch nicht bestimmt hat. Dies ist ein gutes Zeichen.

Wenn Dein Arzt festgestellt hat, dass Du zu wenig Fruchtwasser hast, muss das auch nicht zwangsläufig bedeuten, dass Dein Baby eine Krankheit oder ein anderes Problem hat. Bei mir selbst wurde dieser Befund auch in zwei Schwangerschaften gestellt und weiter lediglich beobachtet. Beide Kinder waren bei der Geburt aber kerngesund und normal groß und schwer.

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Zu wenig Fruchtwasser: Was sind die Ursachen?

Der Fachbegriff für eine zu geringe Menge an Fruchtwasser lautet Oligohydramnion. Es kann folgende Gründe haben, dass eine Schwangere zu wenig Amnionflüssigkeit bildet:

  • Das Baby scheidet (zu) wenig Urin aus. Dies kann zum Beispiel bei Nierenerkrankungen des Babys oder Anomalien der Harnröhre oder der Nieren der Fall sein und führt dazu, dass die Fruchtwassermenge kaum ansteigt.
  • Die Plazenta arbeitet nicht mehr gut. Dies ist gerade am Ende der Schwangerschaft eine häufige Ursache. Sie liegt darin begründet, dass die Plazenta ein Organ mit begrenzter Lebensdauer ist und am Ende häufig verkalkt. Wenn der Mutterkuchen nicht mehr gut durchblutet wird, sinkt oder stagniert auch die Fruchtwassermenge. Ein Grund dafür kann Bluthochdruck bei der Schwangeren sein.
  • Du trinkst zu wenig: Tatsächlich ist es manchmal so einfach. Wenn die werdende Mutter zu wenig Flüssigkeit zuführt, kommt auch zu wenig Flüssigkeit beim Baby an. Die Folge ist, dass zu wenig Fruchtwasser gebildet wird.
  • Ein Blasenriss oder Blasensprung: Die Fruchtblase kann infolge einer Infektion oder eines Schlages schon weit vor der Geburt reißen oder springen. Dies kann auch von der Schwangeren unbemerkt passieren.
  • Und nicht zuletzt ist es möglich, dass sich Dein Arzt bei der Bestimmung der Fruchtwassermenge vermessen hat.

Maßnahmen bei einem Oligohydramnion

In den meisten Fällen wird der Frauenarzt die Fruchtwassermenge einfach weiter kontrollieren und regelmäßig messen. Stellt der Arzt beim Ultraschall weitere ungewöhnliche oder besorgniserregende Merkmale fest, wird er diesen nachgehen.

Im Einzelfall kann das Fruchtwasser sogar mit einer Lösung aus Zucker und Kochsalz aufgefüllt werden. Dazu wird eine lange Nadel in die Fruchtblase eingeführt und die Flüssigkeit hineingespritzt. Je nach Ursache genügt ein einmaliger Eingriff oder dieser muss mehrmals wiederholt werden.

Sprich mit Deinem Arzt oder der Hebamme, wenn Dich der Befund verunsichert. In den allermeisten Fällen ist eine zu geringe oder auch zu hohe Menge an Fruchtwasser jedoch tatsächlich eine Laune der Natur.

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