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Alkohol in der Stillzeit: Wie viel ist erlaubt?


Du stillst noch, würdest aber gerne ab und an ein Glas Wein oder Sekt trinken? Oder Du möchtest mal wieder Deine Lieblingspralinen genießen und fragst Dich, ob der Alkoholgehalt Deinem Baby schaden könnte? Hier erfährst Du, wie viel Alkohol in der Stillzeit erlaubt ist und ab wann es bedenklich wird.

Alkohol in der Stillzeit – darf ich oder darf ich nicht?

Es ist Dienstag, 16 Uhr in Köln. Rebecca*, Anna* und ich sitzen in geselliger Runde zusammen, während unsere Babys (8 bis 12 Monate) ihre ersten Gehversuche starten oder sich um ein Spielzeug zanken. Plötzlich kommt Gastgeberin Rebecca mit einer Flasche Sekt aus der Küche: „Da ich ja nur noch morgens stille, gönne ich mir jetzt ein Gläschen. Wer will auch?“, fragt sie voller Vorfreunde.

Wie aus dem Nichts verfinstert sich Annas Gesicht: „Ist das Dein Ernst?“, zischt sie. „Weißt Du eigentlich, was Du Deinem Kind damit antust?“ Ich sehe Rebecca an, dass sie mit so einer heftigen Reaktion nicht gerechnet hat. „Ach Quatsch! Ich trinke doch nur ein Gläschen und bis ich wieder stille, ist der Alkohol doch schon längst wieder abgebaut“, flüstert sie besänftigend.

Nach dieser Aktion war der Nachmittag quasi gelaufen. Die Stimmung wollte nicht wieder aufhellen. Ganz intuitiv wollte ich erst nach dem vollständigen Abstillen wieder Alkohol trinken. Doch vielleicht sprach ja wirklich nichts gegen ein gelegentliches Gläschen Wein? Also schnappte ich mir noch am selben Abend meinen Computer und begann zu recherchieren. Ich wollte wissen, wie gefährlich es für meinen Sohn war, Alkohol in der Stillzeit zu trinken.

Wie gefährlich ist Alkohol in der Stillzeit fürs Baby?

Nachdem ich Google mit den Stichworten „Stillzeit“ und „Alkohol“ gefüttert hatte, ratterten die Ergebnisse nur so herunter. Schnell wurde mir klar, dass dieses Thema sehr viele Mütter da draußen beschäftigt. Und es wurde auch schnell klar, dass regelmäßiger und/oder erhöhter Konsum von Alkohol in der Stillzeit meinem Baby schaden würde. Das belegen mittlerweile zahlreiche Studien.

So berichtet eine 2018 veröffentlichte australische Studie von kognitiven Beeinträchtigungen bei Kleinkindern. Der 2012 unter anderem vom Bundesinstitut für Risikobewertung und der nationalen Stillkommission herausgegebene Bericht zum Alkoholkonsum in der Stillzeit zitiert weitere Studien, unter anderem aus den USA und Mexiko, die Schlafstörungen, motorische Einschränkungen und Wachstumsverzögerungen beim Baby im Zusammenhang mit Alkoholkonsum in der Stillzeit nachweisen.

Wie viel Alkohol in der Stillzeit ist unbedenklich?

So weit so gut. Aber Rebecca wollte doch lediglich ein Glas Sekt trinken. Außerdem lag ihre nächste Still-Mahlzeit zu dem Zeitpunkt noch viele Stunden in der Zukunft. Wie stand es also um den gelegentlichen Genuss von Alkohol in der Stillzeit? Ebenfalls im Bericht des Bundesinstituts für Risikobewertung wurde ich fündig: Dort wird von einer länderübergreifenden Toleranzgrenze für den Alkoholgenuss in der Stillzeit gesprochen. Insgesamt sind die Einschätzungen von neun Institutionen aufgeführt. Davon zeigen sich sieben kompromissbereit.

So ist für die französische Agence Nationale d’Accréditation et d’Évaluation en Santé ist der Genuss von „gelegentlich 1-2 Gläsern“ akzeptabel. Das neuseeländische Ministry of Health New Zealand findet es vertretbar, wenn der Alkoholkonsum auf „gelegentlich 1 bis 2 Standarddrinks (10-20 g Alkohol) reduziert“ wird. Und die US-amerikanische American Academy of Pediatrics findet ein gelegentliches alkoholisches Getränk zu besonderen Anlässen ist akzeptabel, aber es sollte bis zu zwei Stunden danach nicht gestillt werden.“

An dieser Stelle möchte ich noch mal betonen, dass sich übergreifend alle Institutionen einig sind:

Der vollständige Verzicht auf Alkohol während der gesamten Stillzeit ist am allerbesten für Mutter und Kind.

Wie lange dauert es, bis der Alkohol abgebaut ist?

Erstes Fazit: Dass Rebecca ab und an ein Glas Sekt trinkt, ist anscheinend nicht so dramatisch. Wenn sie es denn nicht übertreibt. Doch wie viel Alkohol enthält ein Glas Sekt und wie lange braucht der Körper, bis es diesen vollständig abgebaut hat? Ich recherchiere weiter.

Beim Abbau von Alkohol leistet unsere Leber die meiste Arbeit. Das tut sie, um unsere Zellen vor dem Absterben zu schützen. Denn für unsere Zellen ist Alkohol Gift. Wie lange es dauert, bis die Leber ihre Arbeit getan hat, ist pauschal nicht zu beantworten. Das hängt nämlich von mehreren Faktoren ab. Wurde vor dem Alkoholgenuss etwas gegessen? Selbst die Tageszeit spielt eine Rolle.

Rechenbeispiel: Alkoholabbau bei Frauen

Als grobe Faustregel gilt:

Eine Frau, die 55 Kino wiegt, baut durchschnittlich 0,1 Promille Alkohol in der Stunde ab. Für den Abbau von 0,25 Litern Bier braucht ihr Körper also ungefähr 3 Stunden.

Auf Rebeccas Beispiel gerechnet bedeutet das: Rebecca hat 0,1 Liter Sekt getrunken. Das sind ca. 8,8 Gramm reiner Alkohol und ca. 0,24 Promille. Nach etwas mehr als zwei Stunden hat Rebeccas Leber den Alkohol vollständig abgebaut.

Wenn Du wissen möchtest, wie viel reinen Alkohol Du tatsächlich zu Dir genommen hast und wie lange es dauert, bis dieser abgebaut ist, findest Du mit dem Online-Promillerechner des Bundesministeriums für Gesundheitliche Aufklärung heraus.

Wie lange wird der Alkohol in der Muttermilch gespeichert?

Wieder etwas gelernt! Doch wie steht es mit dem Alkoholgehalt in der Muttermilch? Ist dieser genauso hoch wie im Blut? Ich las mich noch tiefer ins Thema ein und erhielt folgende Informationen:

Der Alkohol geht sofort nach dem Genuss nicht nur ins Blut, sondern auch in die Muttermilch über. Die Konzentration in der Milch entspricht dabei 95% der Konzentration im Blut. Am höchsten ist der Alkoholgehalt im Blut zwischen 30 und 90 Minuten nach dem Verzehr.

Wenn das Baby also sofort nach dem Alkoholgenuss gestillt wird, besteht ein ernstzunehmendes Risiko für seine Gesundheit. Die Organe sind noch nicht vollständig ausgebildet und somit nicht in der Lage mit dem Gift, das ihm zugeführt wird, effizient umzugehen. Für den kleinen Körper bedeutet das einen enormen Kraftaufwand.

Kann ich alkoholhaltige Milch abpumpen?

Bei meiner weiteren Recherche stieß ich auf ein hartnäckiges Gerücht: Tatsächlich glauben manche Mütter, dass man alkoholhaltige Milch einfach abpumpen und dann wie gewohnt weiterstillen kann.

Wer aber die beiden vorangehenden Abschnitte sorgsam gelesen hat, der weiß spätestens jetzt, dass dieses Gerücht nicht wahr ist. Sofort nach dem Abpumpen der alkoholhaltigen Milch, wird vom Körper neue alkoholhaltige Milch produziert. Und das so lange, bis die Leber den sich im Körper befindenden Alkohol vollständig abgebaut hat.

Der Alkoholgehalt in der Milch hängt mit dem Alkoholgehalt im Blut zusammen! Auch beim Abbau des Alkohols in der Muttermilch kannst Du Dich an der oben erwähnten Faustregel orientieren.

Beschwipste Torten und Pralinen: Muss ich in der Stillzeit verzichten?

Bisher ging es um den Genuss von alkoholischen Getränken. Doch was ist, wenn es beim Familienfest Schwarzwälder Kirschtorte, Tiramisu, Rumkugeln oder Rotweinsauce gibt? Sind alkoholhaltige Lebensmittel in der Stillzeit ebenso tabu?

Nun, mach meiner ausgiebigen Recherche kann ich sagen, dass es auch hier auf die Menge ankommt. Das heißt, um dem Baby ernsthaften Schaden zufügst, musst Du schon viele Pralinen essen. Solange es bei einem Stück Torte bleibt, musst Du Dir also keine Sorgen machen – eine ganze Schachtel Schnapspralinen hingegen kann gefährlich sein.

Ich habe in der Stillzeit aus Versehen Alkohol getrunken – was tun?

Wenn Du aus Versehen Alkohol getrunken hat – zum Beispiel, wenn das Bier eben doch nicht alkoholfrei war – und Dein Baby stillst, kannst Du davon ausgehen, dass Dein Baby geringe Mengen Alkohol mit der Muttermilch aufnimmt. Natürlich ist das nicht gut. Aber Du kannst es leider auch nicht rückgängig machen. Wichtig wäre dann nur, in Zukunft sorgsam darauf zu achten, was Du zu Dir nimmst.

Alkohol und Stillen: mein Fazit

Zum Schluss klappe ich meinen Laptop zu und lehne mich zurück, um ein Resümee zu ziehen: In zahlreichen wissenschaftlichen Berichten – auch aus anderen Ländern – wir gelegentlicher Alkohol in der Stillzeit toleriert. Und trotzdem sind sich alle einig: Der Verzicht auf Alkohol am allerbesten für Mutter und Kind.

Im Fall von Rebecca war es also tatsächlich noch tolerabel, ein Glas Sekt zu trinken. Zumal sie auch genug Zeit zwischen der nächsten Stillmahlzeit verstreichen lassen konnte. Wenn Du noch mehrmals am Tag und unregelmäßig stillst, dann solltest Du auf Alkohol verzichten oder vor dem Alkoholgenuss Milch abpumpen.

Solltest Du Dein Baby bereits unter Alkoholeinfluss gestillt haben – und es waren mehr als 1-2 Gläser Sekt oder Wein, suche so schnell wie möglich einen Kinderarzt auf. Betrunken zu stillen kann Dein Baby in Lebensgefahr bringen.

Hilfe für Mütter, die nicht verzichten können

Mütter, die nicht auf Alkohol in der Stillzeit verzichten können, finden im Internet Anlaufstellen, die ihre Hilfe anbieten. So zum Beispiel die vom Bundesministerium für Gesundheitliche Aufklärung geförderte IRIS-Plattform.

Wie hältst Du es mit dem Alkohol in der Stillzeit? Bist Du abstinent oder genehmigst Du Dir ab und zu ein Glas? Wir sind gespannt auf Deinen Kommentar!

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