Intrauterine Insemination

Intrauterine Insemination (IUI): Der Weg zum Wunschkind


Jedes 6. Paar in Deutschland ist ungewollt kinderlos. Trotzdem gehört die Kinderwunsch-Behandlung als solche auch im Jahr 2016 noch zu den Tabuthemen, über die nur wenige Betroffene offen sprechen. Wir möchten in den kommenden Wochen einzelne Behandlungsmethoden bei ungewollter Kinderlosigkeit und Unfruchtbarkeit erklären, um dem Thema einen Raum zu geben, und Euch, die Ihr vielleicht selbst betroffen seid, ein wenig die Angst nehmen.

Was ist eine intrauterine Insemination?

Die intrauterine Insemination ist ein Verfahren, das in Kinderwunschpraxen und auch vielfach in normalen Frauenarztpraxen durchgeführt wird. Dabei wird, vereinfacht gesagt, das Sperma des Mannes mit einem dünnen Schlauch in die Gebärmutter der Frau eingespritzt.

Die Befruchtung der Eizelle findet – im Gegensatz zu echten künstlichen Befruchtungen wie IVF und ICSI – bei dieser Behandlung nicht in einem Labor statt, sondern im Körper der Frau.

Neben der Übertragung des Samens in die Gebärmutter ist auch eine Einspritzung in die Eileiter (ITI = intratubare Insemination) möglich. Verfahren wie die Kappeninsemination, bei der die Spermien in einer Kappe vor dem Muttermund platziert werden, und die intrazervikale Insemination (ICI = Einbringen der Spermien in den Gebärmutterhals) existieren zudem, finden heute aber kaum noch Anwendung.

Wann ist eine intrauterine Insemination sinnvoll?

Nicht jedem Paar kann eine künstliche Befruchtung in Form der intrauterinen Insemination zu einer Schwangerschaft verhelfen. Eine intrauterine Insemination ist sinnvoll, wenn

  • eine ausreichende Menge an gesunden Samenzellen vorhanden ist: Wenn das Spermiogramm, also die Auszählung und Untersuchung der Samenzellen, im Vorfeld ergeben hat, dass genügend bewegliche, lebende Spermien im Ejakulat des Mannes vorhanden sind, kann eine Insemination durchgeführt werden.
  • ein Paar nicht in der Lage ist, Geschlechtsverkehr zu haben: Wenn es den Partnern aus körperlichen, psychischen oder anderen Gründen nicht möglich ist, miteinander zu schlafen, kann eine IUI Mittel der Wahl sein, um die Spermien in die Gebärmutter einzubringen.
  • der Zervixschleim der Frau derart beschaffen ist, dass Samen nicht überleben oder vorankommen. Es ist möglich, dass der Zervixschleim auch zum Eisprungzeitpunkt zu zäh ist und Spermien so nicht vorankommen oder absterben. Seltener besteht eine Unverträglichkeit zwischen dem Zervixschleim der Frau und den Spermien des Mannes, die zum Beispiel im Rahmen eines Postkoitaltests festgestellt werden kann (wobei die Aussagekraft eines solchen nicht ganz so hoch ist). Im Ergebnis jedenfalls sterben die Samenzellen aber auch bei dieser Problematik ab und erreichen ihr Ziel nicht.
  • der Arzt bzw. die Kinderwunschpraxis im Rahmen ihrer Diagnostik keinen Grund für die Unfruchtbarkeit finden kann (ideopathische Sterilität): Wenn der Arzt durch Blutuntersuchungen, Ultraschalldiagnostik, Spermiogramm und die weiteren Untersuchungen keine Ursache dafür finden kann, dass die Frau nicht schwanger wird, kann eine IUI erfolgversprechend sein.
  • Fremdsamen in die Gebärmutter eingebracht werden soll (donogene bzw. heterologe Insemination): Eine IUI ist Mittel der Wahl, wenn die Frau gesund ist, aber kein männlicher Partner vorhanden ist oder dieser unfruchtbar ist. Bei dieser sogenannten heterologen Insemination wird der Samen eines Spenders in die Gebärmutter eingespritzt.

Wie wird eine intrauterine Insemination durchgeführt?

Der IUI voran steht eine ausführliche Diagnostik beim Frauenarzt und beim Andrologen, dem „Männerarzt“. Hierbei werden Blut- und Ultraschalluntersuchungen durchgeführt. Zudem gehen einer Insemination immer auch Untersuchungen des Spermas voran.

Tipp: In Kinderwunschpraxen können oftmals beide Partner parallel untersucht werden. Wenn Ihr beide Patienten in einer Praxis werdet, ist die Termingestaltung oft einfacher, Befunde müssen nicht erst angefordert und herumgeschickt werden und Ihr könnt Euch außerdem bei den Untersuchungsterminen besser beistehen.

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Ablauf einer intrauterinen Insemination

Eine Insemination findet immer ca. 24-36 Stunden vor dem Eisprung statt.

Es wird zwischen stimulierten Zyklen und der Insemination im normalen Zyklus unterschieden. Je nach Befund und Ausgangslage kann es sein, dass die Frau vor der Insemination einige Tage lang Tabletten (z. B. Clomifen) nehmen muss oder Spritzen verabreicht werden, um die Eizellreifung zu unterstützen. Die Eierstöcke werden dabei stimuliert, um besonders gut zu arbeiten.

Die IUI selbst findet in der Frauenarztpraxis auf dem Untersuchungsstuhl statt. Durch Zyklusmonitoring, also Ultraschall- und gegebenenfalls auch Blutuntersuchungen kann der Frauenarzt feststellen, wann der Eisprung stattfinden wird. Um den Eisprung genauer zu planen, kann es sein, dass er zusätzlich ausgelöst wird. Mithilfe dieser „Eisprungspritze“ kann der genaue Zeitpunkt für die IUI optimal bestimmt werden, denn der Eisprung findet zuverlässig etwa 36 Stunden später statt.

Zum IUI-Termin müsst Ihr gemeinsam erscheinen, denn für die Insemination wird natürlich die Frau, aber auch frisches Sperma benötigt.

Der Mann wird zur Gewinnung des Ejakulats in ein Zimmer gebeten, wo er eine Spermaprobe produzieren muss. Diese wird im Anschluss untersucht und aufbereitet. Dabei werden oftmals bereits unbewegliche Samenzellen aussortiert und die Samenflüssigkeit von den Spermien getrennt.

Die Frau liegt während der Insemination mit gespreizten Beinen auf dem Untersuchungsstuhl des Frauenarztes. Die aufbereiteten Samenzellen werden nun mit einem dünnen Schlauch in die Gebärmutter eingespritzt. Keine Sorge, hier wird keine richtige Spritze verwendet, sondern ein dünner Katheter ohne Nadel. Der Vorgang der Samenübertragung ist normalerweise nicht schmerzhaft und vergleichbar mit einer normalen Untersuchung beim Frauenarzt.

Etwa zwei Wochen nach der intrauterinen Insemination kann entweder zuhause oder in der Frauenarzt-Praxis ein Schwangerschaftstest durchgeführt werden.

Wie hoch sind die Chancen, mit der IUI schwanger zu werden?

Die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit bei einer Insemination liegt ungefähr zwischen 5 und 15 % pro Versuch. Das klingt im ersten Moment sehr niedrig. Tatsächlich ist es aber so, dass auch ein gesundes Paar pro Zyklus – Geschlechtsverkehr zum Eisprungzeitpunkt vorausgesetzt – lediglich eine Wahrscheinlichkeit von 30% hat, schwanger zu werden.

Verglichen mit Verfahren wie der IVF oder der ICSI stellt die intrauterine Insemination zudem eine vergleichsweise schonende, günstige und unkomplizierte Behandlungsmethode dar, deren Erfolg auch vom Alter der Frau abhängt. Häufig sind jedoch mehrere Versuche notwendig bis eine Frau schwanger wird. Statistisch treten die meisten Schwangerschaften bei den ersten drei Versuchen ein.

Wenn eine Frau trotz mehrerer IUI-Zyklen nicht schwanger wird, findet ein Gespräch mit dem Arzt über weitere Behandlungsmöglichkeiten statt. Manchmal möchte das Paar vielleicht erst einmal mit den Behandlungen pausieren, um zur Ruhe zu kommen. Andere Frauen und Männer wollen direkt im Folgezyklus mit einer IVF oder ICSI starten, um möglichst schnell schwanger zu werden und keine Zeit zu verschenken.

2 Kommentare zu “Intrauterine Insemination (IUI): Der Weg zum Wunschkind

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