partner will kein kind

Mein Partner will keine Kinder – Was soll ich tun?


Dein Partner will keine Kinder, Du aber schon? Unsere Hebamme Christina möchte Dir in dieser schwierigen Situation zur Seite stehen und hat eventuell auch den ein oder anderen Ratschlag für Dich:

Ja, ich bin Hebamme. Für gewöhnlich beginnt mein Job, wenn die Frage: “Kind: ja oder nein?” mit “Ja” beantwortet wurde.

Aber für viele Frauen ist die Hebamme auch eine Vertraute. Darüber hinaus bin ich auch Freundin, Schwester, Kindergartenmama und Mensch. Und ich kenne die Problematik des einseitigen Kinderwunsches durchaus.

An dieser Stelle und bevor ich weiter auf dieses Thema eingehe, möchte ich aber erst einmal darauf hinweisen, dass ich weder Psychologin noch Paartherapeutin bin. Und natürlich kann im Grunde auch niemand Aussenstehendes dieses “Problem” lösen.

Aber die jahrelange Erfahrung in meiner Arbeit und auch die ein oder andere persönliche Erfahrung kann ich heute gerne mit Dir teilen. Denn manchmal tut es gut, auf eine Sache mit ein wenig Abstand zu schauen, um sich darüber klar zu werden, was man wirklich möchte….

Ich will ein Kind, mein Partner nicht…und jetzt?

Im Grunde genommen würde ich bei diesem Thema drei unterschiedliche Szenarien unterscheiden:

  • Dein Partner möchte momentan (noch) kein Kind
  • Dein Partner möchte keine Kinder mehr
  • Dein Partner möchte grundsätzlich keine Kinder

Dein Partner will momentan (noch) kein Kind

In diesem Falle ist das A und O, herauszufinden, warum Dein Partner momentan keinen Kinderwunsch hat.

Seid Ihr vielleicht noch nicht so lange zusammen und er will erst noch Zeit mit Dir zu zweit haben?

Vielleicht hat er Pläne, die er durch den Kinderwunsch bedroht sieht. Große Reisen oder eine komplette berufliche Umorientierung sind mit einer schwangeren Partnerin oder einem Baby natürlich deutlich schwerer umzusetzen als nur zu zweit.

Bleibt im Gespräch miteinander, versuche, seinen Standpunkt zu verstehen und verabredet vielleicht einen Zeitpunkt, an dem neu verhandelt wird.

Wichtig für beide Seiten finde ich bei dieser Konstellation, transparent zu sein und sich an die Absprachen zu halten, d.h., wenn ausgemacht war, das Thema bis zu einem bestimmten Tag X nicht mehr anzusprechen, dann solltest Du Dich auch daran halten und Deinen Partner nicht unter Druck setzen, indem Du in der Zwischenzeit das Thema Kinderwunsch auch wirklich ruhen lässt.

Natürlich musst Du Dich aber auch auf Deinen Partner verlassen können und Dir sicher sein, dass er Dich nicht nach dem Verstreichen der ersten Frist einfach weiter hinhält, sondern dann auch wirklich eine Entscheidung von seiner Seite zu erwarten ist.

Dein Partner will keine Kinder mehr

Ihr habt bereits ein gemeinsames Kind oder sogar mehrere?

Oder Dein Partner hat aus einer früheren Beziehung bereits ein oder mehrere Kinder und kann sich keine weiteren vorstellen?

Vor allem ersteres wird von außen meist als nicht so belastend angesehen, da viele Menschen nicht verstehen können, dass ein unerfüllter Kinderwunsch immer gleich belastend ist, egal ob man schon Kinder hat oder nicht.

Ich denke, die besondere Schwierigkeit im zweiten Fall, ist die Tatsache, dass der Mann, den man liebt und mit dem man gerne eine Familie gründen möchte, all das, was Du selbst Dir so sehnlichst wünschst, bereits hat – noch dazu mit einer anderen Frau.

Wenn ihr bereits gemeinsame Kinder habt und Dein Partner keines mehr möchte

In dem Fall ist es wichtig, miteinander zu reden, um herauszufinden, warum der Partner ein weiteres Kind ausschließt.

Manchmal sind es eher rationale und organisatorische Gründe, wie die Wohnsituation, ein zu kleines Auto oder die Angst vor finanziellen Einbußen durch eine Schwangerschaft, Elternzeit und der Belastung eines weiteren Familienmitglieds. Hier kann eine Bestandsaufnahme der tatsächlichen Ist-Situation hilfreich sein. Vielleicht erkennt er, dass es doch gar nicht so kompliziert ist und theoretisch durchaus möglich wäre. Oder aber Du erkennst vielleicht, dass Eure Situation tatsächlich kein weiteres Kind “hergibt”, weil es mit Einschränkungen verbunden wäre, die Du vielleicht auch gar nicht zu tragen bereit bist.

Manchmal ist es aber auch die Angst, dass Dir bei der Geburt oder in der Schwangerschaft etwas passiert, vor allem natürlich, wenn die vorausgegangenen Schwangerschaften schwierig oder risikobehaftet waren.

Auch die Angst um das Kind ( “Wir haben ja schon ein gesundes Kind, warum sollten wir das Risiko noch einmal eingehen, anstatt zufrieden zu sein, mit dem, was wir haben”) nimmt tendenziell mit jeder Schwangerschaft zu, auch wenn das natürlich nicht rational ist.

In dem Fall kann es helfen, eine richtige Risikoanalyse zu machen, eventuell auch gemeinsam mit Deinem Frauenarzt oder Deiner Hebamme.

  • Was ist damals in der Schwangerschaft/ bei der Geburt passsiert?
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass diese oder ähnliche Komplikationen wieder auftreten?
  • Welche Sorgen um die Gesundheit des Babys sind realistisch?

Manchmal hilft ein solcher Faktencheck, Klarheit in die Situation zu bringen und durch das gemeinsame Gespräch Ängste zu relativieren und bestenfalls aus der Welt zu schaffen.

Vielleicht ändert Dein Partner ja seine Meinung, wenn er eine fachliche Einschätzung der tatsächlichen Risiken bekommt.

Wenn Dein Partner bereits Kinder aus einer vorhergegangenen Beziehung hat und keines mehr möchte

Auch hier sollte zunächst einmal erörtert werden, was die Gründe für seine Einstellung sind.

Manche Männer haben das Gefühl, die vorausgegangene Beziehung war vielleicht der Belastung durch die Kinder nicht gewachsen und wollen dieses Risiko nicht noch einmal eingehen.

Oder sie sind der Meinung, dass ihre Kapazitäten durch die bestehenden familiäre Struktur bereits erschöpft sind.

Wenn Dein Partner bereits zwei oder mehr Kinder hat, ist natürlich die Entscheidung für jedes weitere Kind, eine andere als beim ersten.

Denn jedes Kind kostet Geld, Nerven und Zeit und das ist nunmal bei nahezu jedem Menschen eine endliche Ressource.

Dass Dein Partner sich darüber Gedanken macht, ob er der zusätzlichen Belastung durch ein weiteres Kind gewachsen ist, zeigt ja eigentlich nur, dass er sich der Verantwortung bewusst ist und ein “guter”, präsenter Papa sein möchte.

Dennoch ist es für Dich natürlich eine schwierige Situation weil es keinen Kompromiss gibt.

Die Lage ist eher so, wie beim anfangs geschilderten Fall.

Dein Partner will überhaupt keine Kinder

Manchmal treffen sich zwei Menschen, die genau das Gleiche wollen: Frei sein, Reisen, unabhängig Leben und kinderlos bleiben.

Gar nicht so selten passiert es aber, dass dieser ursprünglich gefasste Plan für einen von beiden nicht mehr passt. Oft ist es die Frau, die ihre Meinung diesbezüglich ändert.

Vielleicht hat die Natur es absichtlich so eingerichtet, dass auch “eingefleischte Nicht-Mütter” irgendwann die biologische Uhr ticken hören und bei jedem Baby in Entzücken geraten. Manchmal sind sie selbst davon total überrascht und hätten sich niemals träumen lassen, dass der Kinderwunsch eines Tages aufflammt. Manchmal ist es auch eher ein schleichender Prozess, an dessen Ende die Erkenntnis steht, dass das ursprünglich angedachte Leben doch nicht so erfüllend ist wie zunächst gedacht und etwas Wichtiges fehlt.

Auch hier finde ich es am Allerwichtigsten, sobald erstmals ein kleiner Zweifel an der Richtigkeit der damals getroffenen Entscheidung, kinderlos zu bleiben, aufkommt, mit Deinem Partner darüber zu sprechen.

Theoretisch und im besten Fall könnte es ja sein, dass es ihm genau so geht und er sich nur nicht getraut hat, es auszusprechen.

Oder er ist zunächst vor den Kopf geschlagen, kann sich dann aber mit dem Gedanken anfreunden und lässt sich auf das Abenteuer Familiengründung mit Dir ein.

Aber natürlich möchte ich an dieser Stelle nicht so tun, als ließe sich die Situation immer lösen.

Ein einseitiger Kinderwunsch ist eine riesen Belasung für eine Beziehung.

Wenn man von Anfang an weiß, dass die Wünsche und Pläne für die Zukunft in dieser Hinsicht unterschiedlich sind, weil ein Partner bereits einen Kinderwunsch hat und der andere Kinder für sich rigoros ausschließt, würde ich das tatsächlich als Ausschlusskriterium für eine Beziehung sehen.

Wenn aber in einer langjährigen Beziehung einer von beiden plötzlich den Wunsch nach (noch) einem Kind hegt, während für den anderen alles passt, so wie es ist, ist das natürlich eine sehr schwierige Situation, die die Partnerschaft in eine schwere Krise stürzen kann.

Letztlich gibt es immer nur zwei Möglichkeiten:

Man findet eine Lösung oder man muss sich, so bitter es ist, trennen.

Ich habe es tatsächlich schon erlebt, dass ich eine Frau betreut habe, deren Partnerschaft am erneuten Kinderwunsch zerbrochen ist und die dann mit einem anderen Partner weitere Kinder bekommen hat.

Im Freundes- und Bekanntenkreis habe ich auch beides erlebt: Paare, bei denen nach einseitigem Kinderwunsch noch ein Kind kam und Paare, bei denen es nicht so war.

Welche Entscheidung einen am Ende am glücklichsten macht, muss jedes Paar selbst entscheiden.

Ich finde es nur wichtig, sich wirklich klar zu machen, warum man sich noch ein Kind wünscht, oder eben nicht, und dann ehrlich mit seinem Partner darüber zu reden.

Gemeinsam werdet Ihr einen Weg finden, vielleicht mit, vielleicht ohne Kind. Vielleicht auch mit- oder ohne einander.

Denn zu guter Letzt kommt es darauf an, was Du Dir für Deine Zukunft wirklich wünschst und was Dich in Deinem Leben erfüllt und glücklich macht.

Und diese Entscheidung kann Dir eben niemand abnehmen…

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