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Mein steiniger Weg zum Wunschkind – Teil 4

Es gibt Augenblicke, die fühlen sich so vertraut an als würde mein sein Gegenüber schon Jahre kennen. So einen Augenblick hatten wir, als wir das erste Mal unseren Rabauken sahen.

Das erste Sehen

Es war der 25. Februar 2015 vormittags. Mein Mann, unsere Beraterin und ich sind zu einem Cafe gefahren. Dort sollten wir uns mit der Bereitschaftspflegemutter, dessen Beraterin und dem Jungen treffen. Es war ein verdeckter Kontakt, d.h. dass wir das Kind sehen, es uns aber nicht als potenzielle Pflegeeltern wahrnimmt. Wir sollten ihn uns ansehen um zu schauen, ob wir dieses eine Gefühl spüren. Ich werde nie vergessen wie wir dort saßen und ca. drei Meter von uns entfernt stand der kleine Junge. In einer grau- grünen Jacke mit einer blau- weißen Strickmütze. Was sah er niedlich aus so eingepackt mit roten Wangen. Als er sich dann die Mütze vom Kopf riss und die Jacke auszog sahen wir ihn. Dieses Grinsen, die strahlenden Augen, das blond- rote Haar und das erzählen von ihm faszinierte uns.

Wir waren Beide auf einen Schlag verliebt. Mir schossen die Tränen in die Augen und auch mein Mann strahlte mich nickend an. Wir Zwei haben zuvor ausgemacht, dass wir uns gegenseitig die Hände drücken, sollten wir ein gutes Gefühl haben. Er und ich drückten drauf los und wir wussten, dass dieser kleine quatschende Strahlemann zu uns gehört.
Nach 20 Minuten war der verdeckte Kontakt vorbei und der kleine Junge ging samt Bereitschaftspflegemutter nach Hause. Wir setzten uns mit der Beraterin zusammen und planten den ersten Kontakt. Genau 3 Wochen später sollte die Anbahnungsphase beginnen.

Der erste Kontakt

Drei Wochen nach dem verdeckten Kontakt stand unser erstes offizielles Treffen an. Was waren wir aufgeregt, gezittert haben wir und gestrahlt. Es war ein Gefühl von Vollkommenheit und Glück. Wir fuhren mit unserer Beraterin zu der Bereitschaftspflegefamilie. Auf dem Weg hin schossen mir so viele Gedanken durch den Kopf, wird er uns nett finden, mit uns spielen, sprechen? Ich hatte das Gefühl vor Nervosität zu platzen. Mein Mann hingegen war zwar nervös aber er strahlte eine solche Zufriedenheit und Ruhe aus, dass ich mir wünschte einen Teil davon abzubekommen. Wir kamen an und der kleine Junge saß im Sandkasten. Wir begrüßten die Pflegefamilie und setzen uns zu ihm. Er lächelte uns an und bezog uns direkt ein in die Spielsituation. Eine halbe Stunde saßen wir dort, spielten, lachten und erzählten, bis der kleine Junge meinen Mann umarmte. Das strahlen Beider zu sehen war ein Moment, der mir heute noch Tränen in die Augen treibt. Wir gingen anschließend rein und tranken Kaffee und Kakao. Er zeigte uns das Zimmer in dem er schlief und spielte. Nach einer Stunde war der erste Kontakt vorbei und wir verabschiedeten uns. Die Beraterin der Bereitschaftspflege fragte den kleinen Jungen, ob er uns wieder sehen möchte. Er schmunzelte und sagte grinsend, dass er sich dies überlegen muss. Wir verabschiedeten uns und sagten ihm, dass wir drei Tage später wieder kommen.

Die Zeit bis zum Einzug

Wir fuhren alle zwei Tage zu dem kleinen Jungen. Wir bauten mit Legosteinen, malten mit Wassermalfarbe oder spielten draußen im Garten mit dem Trecker. Wir lernten einander kennen und erzählten uns Witze. Nach 1 ½ Wochen wurde dann entschieden, dass es Zeit ist das der kleine Junge sein neues Zuhause kennenlernt und somit trafen wir uns das erste Mal bei uns Zuhause. Er kam mit seiner Bereitschaftspflegemutter und dessen Beraterin. Er schaute sich genau jeden Raum an und war ganz fasziniert von unseren Katzen. Den letzten Raum den er betrat war sein Zimmer. Sein erstes richtiges Kinderzimmer, nur für ihn alleine. Mit Spielzeug welches er sich nicht teilen muss und behalten darf. Er schaute uns irritiert an und fragte wer denn hier wohnen würde. Wir waren im ersten Moment unsicher was wir sagen sollten, doch die Beraterin nickte uns zu und somit sagten wir ihm, dass es sein Zimmer sei. Er lächelte und ging hinein, er freute sich als er die Spielküche sah und kochte drauf los.

Nach diesem Treffen gab es weitere bei uns, insgesamt 13 Treffen. Ich holte ihn morgens ab und wir brachten ihn zusammen abends wieder zurück. Wir lernten uns besser kennen, spielten, backten und bauten Buden im Wald. Wir merkten, dass er sich wohl und sicher fühlt und somit entschieden alle Erwachsenen, dass eine Probenacht ansteht. Diese verlief ohne Problem.
Jedoch merkten wir schnell, dass die Rückfahrt ein Problem wurde. Es war jedes Mal eine Strecke von 70 Km und so kam es häufig vor, dass er während der Fahrt einschlief und aufwachte als wir ankamen. In diesen Momenten war er durch die Müdigkeit so quer, dass eine Verabschiedung immer schwer war. Er war bei der Ankunft vom Wesen her dort ganz anders. Ließ von uns keine Nähe mehr zu und weinte viel. Es merkten alle, dass er hin und her gerissen ist und zu beiden Familien ein inniges Verhältnis aufgebaut hat. Es musste eine Entscheidung getroffen werden.
Wir hielten Rücksprache mit unserer Beraterin und sie entschied zusammen mit der Leitung der Bereitschaftspflegefamilie, dass es Zeit für den Einzug wird.

Der Einzug und der Beginn einer Familie

Es war der 25. April kurz vor Mittag. Die Bereitschaftspflegefamilie kam mit dem kleinen Jungen zu uns. Sie brachten seine Sachen mit, die Platz fanden in 2 Kisten und 2 Wäschekörben. Während ich mit der Bereitschaftspflegemutter sprach, zeigte der kleine Junge mit meinem Mann seinem Bereitschaftspflegevater das Zimmer. Die drei saßen dort eine Weile und als wir Frauen alles besprochen hatten war es soweit. Der Abschied stand bevor. Durch unsere Beraterin wussten wir, dass er Tränenreich ablaufen kann, es aber kein Zurück gibt.
Der Abschied verlief ruhig und liebevoll, ohne Tränen. Nach dem wir die Bereitschaftspflegeeltern verabschiedet haben, setzen sich mein Mann und der kleine Junge aufs Sofa und schauten sich ein Buch an. Ich stand in seinem Zimmer und sah die Kisten und Körbe und bekam auf einmal eine unglaubliche Panik. Innerhalb weniger Sekunden realisierte ich, was nun passiert ist und welche Verantwortung wir nun haben. Mir liefen die Tränen, vor Glück, Dankbarkeit aber auch vor Angst.
Nun waren wir zu dritt, eine kleine Familie. Es war der Start in unser bisher größtes und wundervollstes Abenteuer mit unserem kleinen Rabauken

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