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Muttermilch spenden: Wie Muttermilchbanken Leben retten


Das Prinzip ist vermutlich so alt wie die Menschheit: Mütter versorgen nicht nur das eigene Baby, sondern auch das einer oder mehrerer anderer Frauen. Früher nannte man diese Frauen Ammen, heute nennt man sie Milchspenderinnen. Was Du wissen solltest, wenn auch Du Muttermilch spenden oder gespendete Milch für Dein Baby erhalten willst, erfährst Du, wenn Du weiter liest.

Forscher in Schweden fanden kürzlich heraus: Muttermilch enthält einen Stoff, der Krebszellen innerhalb weniger Stunden abtötet. Auch sonst gibt es kein Lebensmittel, das in seiner Zusammensetzung und Wirkungskraft der Muttermilch gleicht. Keinem Forscher ist es bisher gelungen, die genaue Zusammensetzung zu lüften. Muttermilch ist das beste Nahrungsmittel für alle Babys und sogar Erwachsene können unter bestimmten Umständen davon profitieren – für manche ist sie sogar überlebenswichtig: Frühgeborene.

Muttermilch spenden – das solltest Du wissen

Warum Muttermilch spenden für fremde Babys?

Jede Mutter kann sich vermutlich in die schier unerträgliche Situation hineinversetzen, dass das eigene Baby zu früh zur Welt kommt und in einem Brutkasten ums Überleben kämpft. Muttermilch kann in dieser Situation den entscheidenden Unterschied machen zwischen Leben und Sterben.

Denn Frühchen vertragen Muttermilch nicht nur besser: Muttermilch verhindert auch gefährliche Darmkrankheiten und andere Infektionen und erhöht so die Chance, dass das Baby überlebt. Muttermilch enthält wertvolle Nährstoffe und Immunzellen und beschleunigt auch nachweislich die Reifung der Darmwand bei Frühgeborenen.

Eine Frühgeburt ist auch für Mütter eine körperliche und psychische Ausnahmesituation und so klappt es am Anfang oft nicht mit dem Stillen. Die Milchproduktion muss erst in Gang kommen und das ohne Hilfe eines saugenden Babys an der Brust – denn dafür sind die Kleinsten fast immer zu schwach. Und genau da kommt die gespendete Milch ins Spiel.

Mit der Muttermilchspende ist es also nicht anders als mit einer Blutspende: Du rettest damit Leben.

Wer darf Muttermilch spenden?

Und genau wie beim Blut spenden dürfen auch Muttermilch nur gesunde, untersuchte Mütter spenden. Das heißt, wenn Du Dich zum Muttermilch spenden anmeldest, werden Dir zunächst einige Fragen zu Erkrankungen und Lebensstil gestellt. So stellen die Mediziner sicher, dass sich z.B. kein Alkohol, Medikamente oder übermäßig Koffein in der gespendeten Milch befindet.

Wann kann ich Muttermilch spenden?

Weil die gespendete Milch fast ausschließlich für Frühchen verwendet wird, sollte die Spende außerdem möglichst früh stattfinden, am besten kurz nach der Entbindung. Durch ausführliche Dokumentation und Etikettieren der Spendermilch wird sicher gestellt, dass ein Baby Milch von immer derselben Spendermutter erhält. Idealerweise entspricht das Alter des eigenen Babys in etwa dem des Babys, das die gespendete Muttermilch erhält. Denn die Zusammensetzung der Muttermilch verändert sich mit der Entwicklung und dem Bedarf Deines Babys.

Die genauen Vorgaben zum Spenden der Muttermilch sind von Klinik zu Klinik unterschiedlich. Manchmal kannst Du zu Hause abpumpen, häufig findet das aber direkt vor Ort statt.

Was passiert mit der gespendeten Milch?

Von der abgepumpten Milch wird dann immer ein kleiner Teil zur Untersuchung entnommen, der Rest wird schockgefroren.

In immer mehr Muttermilchbanken verzichtet man nach Möglichkeit auf das Pasteurisieren der Muttermilch. Beim Pasteurisieren wird die Milch über einen längeren Zeitraum auf über 60°C erhitzt. Dabei werden zwar alle möglicherweise schädlichen Bakerien und Pilze abgetötet, aber es gehen auch wertvolle Nährstoffe und wichtige Bakterienkulturen verloren. Wenn Du schon einmal für Dein eigenes Baby Milch abgepumpt und später wieder erwärmt hast, weißt Du wahrscheinlich, dass das möglichst schonend stattfinden soll, also ohne Mikrowelle und Kochtopf.

Was spricht gegen das Spenden von Muttermilch?

Gründe, die gegen das Spenden von Muttermilch sprechen, sind mir nicht bekannt. Natürlich solltest Du nur spenden, wenn Du genug überschüssige Milch hast. Dein eigenes Baby geht immer vor.

Es gibt natürlich medizinische Gründe, die gegen das Muttermilch spenden sprechen. Frauen, die unter Infektionskrankheiten leiden, dürfen natürlich keine Muttermilch spenden. Doch das überprüfen die Kliniken sowieso vorab und auch noch einmal nach Erhalt der Milch.

Wo kann ich Muttermilch spenden?

Bis vor einigen Jahrzehnten waren Muttermilchbanken in Deutschland sehr verbreitet. Doch vor allem die Verbreitung des HI-Erregers (AIDS) und die hohen Kostenstrukturen haben dafür gesorgt, dass mehr und mehr Krankenhäuser auf das Anlegen von Muttermilchbanken verzichteten. Denn die Krankenkassen zahlen dafür nicht für die Versorgung mit Muttermilch. Durch die nötigen Tests und die Lagerung ist eine Muttermilchbank eine sehr teure Angelegenheit für die Kliniken.

In der DDR waren sie trotzdem noch etwas weiter verbreitet, als im Westen. Doch auch die alten Bundesländer erleben seit 2012 ein Comeback der Muttermilchbanken. Eine Vorreiterrolle hat hier das Bundesland Niedersachsen: 2016 wurde im Landtag parteiübergreifend die Einrichtung einer Muttermilchbank beschlossen, drei Standorte werden vom Land gefördert.

Die Nachfrage ist deutschlandweit groß, das Angebot im Vergleich sehr klein. Eine Liste der Muttermilchbanken in Deutschland findest Du hier: Frauenmilchbank.de

Muttermilchspende erhalten: Das solltest Du wissen

Gibt es gespendete Muttermilch für mein Baby?

Wenn Dein Baby zu früh zur Welt kommt und es die Möglichkeit gibt, dass es gespendete Muttermilch erhält, werden die Ärzte Dich das sicherlich wissen lassen. Du musst vorher zustimmen, ohne Dein Einverständnis passiert das nicht. Die Alternative, wenn Du keine eigene Muttermilch abpumpen kannst, wäre künstliches Milchpulver. Dieses ist qualitativ nicht annähernd so wertvoll für die Gesundheit Deines Babys. Nur mit Muttermilch hat es die idealen Überlebensbedingungen.

Neugeborene, die nach er 32. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, erhalten in aller Regel keine gespendete Muttermilch, denn dafür reichen die Kapazitäten und finanziellen Mittel der Krankenhäuser nicht aus.

Wie bekommt mein Baby die Spendermilch?

Die meisten Babys sind anfangs zu schwach, um die Muttermilch selbst über den Saugprozess aufzunehmen. Vor allem die Koordination der Abläufe – Saugen, Schlucken, Atmen – läuft nicht so intuitiv ab, wie bei termingerecht geborenen Babys. Deshalb bekommen die meisten Frühchen ihre Nahrung über eine Magensonde. Das ist völlig normal und kein Grund zur Sorge.

Außerdem bekommt Dein Baby nach Möglichkeit Milch von einer Mutter, deren Baby bei der Abgabe nicht viel älter war, als Dein eigenes. So entspricht die Zusammensetzung möglichst dem, was Dein Baby braucht.

Wie wird die Qualität überprüft?

Die Milch kommt, wie oben beschrieben, nur von gesunden Frauen mit sehr jungen Babys. Diese Frauen waren häufig in einer ähnlichen Situation und möchten anderen Müttern mit Frühchen helfen. Weil die Aufwandsentschädigung für die spendenden Mütter minimal ist (ca. 6€ / Liter Muttermilch), kannst Du davon ausgehen, dass diese Frauen ihre Muttermilch senden, um zu helfen – nicht, um zu schaden oder um Geld zu verdienen.

Trotzdem unterliegt die Muttermilch strengen Kontrollen und Du kannst relativ sicher sein, dass sich Dein Baby nicht mit einer schlimmen Krankheit infiziert.

Muttermilch im Internet (ver)kaufen?

Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland online eine private Muttermilchbörse nach amerikanischem Vorbild sowie Tauschgruppen in sozialen Medien. Ich möchte keine dieser Plattformen namentlich nennen, denn ich würde niemandem empfehlen, diese aufzusuchen.

Das Problem dieser als “ethisch und medizinisch unkontrolliert” bezeichneten Milchabgabe ist folgendes: Muttermilch ist eine Körperflüssigkeit, durch die Krankheiten wie HIV, Hepatitis oder Syphilis übertragen werden können. Das ist nicht nur für das Baby ein Risiko, auch als Milch abgebende Mutter kannst Du für eine Infektion, die Du nachweislich verursacht hast, verantwortlich gemacht werden. Das heißt konkret: Rechtlich gesehen darfst Du Deine Milch dort verkaufen, aber Du bist eben unter Umständen haftbar, wenn ein Baby nachweislich durch sie zu Schaden kommt.

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