Presswehen

Die Presswehen – Dein Baby kommt auf die Welt


Du hast gekämpft, geschwitzt und geatmet und plötzlich sind sie da, die ersten Presswehen. Du spürst, dass es nun nicht mehr lange dauern kann, bis Du Dein Baby im Arm hältst. Wie sich Presswehen von Eröffnungswehen unterscheiden, was während dieser letzten Phase der Geburt passiert und wie man Dich vielleicht noch ein wenig unterstützen kann, darüber möchte ich heute berichten.

Wann beginnen die Presswehen?

Eine Tatsache, die gerade beim ersten Kind immer wieder für Verwunderung sorgt, ist der Umstand, dass ein vollständig eröffneter Muttermund nicht heißt, dass jetzt sofort das Kind heraus purzelt. Anders als in diversen Filmen dargestellt kann das nämlich durchaus auch noch etwas dauern. Zwischen Eröffnungswehen und Presswehen liegt eine Phase der Geburt, die in den Erzählungen manchmal etwas kurz kommt, da sie den Übergang zwischen Eröffnung und Austreibung (also der Geburt des Kindes ) darstellt, heißt sie auch Übergangsphase. Im Geburtsvorbereitungskurs wirst Du ausführlich über die Phasen der Geburt informiert, das würde an dieser Stelle wirklich den Rahmen sprengen. Deshalb sei nur ganz kurz erwähnt, dass sich in dieser Phase das Köpfchen des Kindes durch das Becken dreht und schließlich in der letzten Beckenebene, am Beckenausgang steht. Und erst dann beginnen die Presswehen, die ich persönlich lieber Austreibungswehen nenne.

Warum mir der Begriff Austreibungswehen lieber ist

Hast Du auch dieses Bild im Kopf, wenn Du an eine Geburt denkst? Eine Frau liegt auf einer Pritsche oder gar einem gynäkologischen Stuhl,  zieht die Beine an, der Kopf ist krebsrot und sie wird von allen Seiten angebrüllt: “Pressen!” Dann ist es höchste Zeit, sich einmal ausführlich mit einer Hebamme zu unterhalten ? In den meisten Kreißsälen hat inzwischen nämlich glücklicherweise eine andere Geburtshilfe Einzug gehalten, bei der ganz viel auf die Physiologie und auch die Wünsche und Bedürfnisse von Dir als werdende Mama Rücksicht genommen wird. Man weiß heute, dass ungünstiger als die Rückenlage zum Gebären eigentlich nur der Kopfstand ist und das Empfinden der Mutter einen riesengroßen Einfluss auf die Geburt hat. Eine Frau, die weniger Angst hat, ihre Position frei wählen darf und unter der Geburt die Möglichkeit hat, sich zu bewegen braucht weniger Schmerzmittel, kommt besser mit den Wehen zurecht und gebärt schneller. Aus diesem Grunde bieten Kliniken heute deutlich mehr Möglichkeiten und man kann im Stehen, Knien, auf dem Hocker oder im Vierfüsslerstand gebären. Viel wichtiger aber finde ich, dass man die Frauen auf ihren Körper hören lässt und das tun, was der ihnen sagt. Wenn alles gut ist, es Mama und Kind den Umständen entsprechend gut geht und die Geburt gut voran schreitet, gibt es keinen Grund zum “Powerpressen”. Du schiebst einfach so mit,  wie Du musst und dann ist es gut.

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 Wie fühlen sich Presswehen an?

Sehr unromantisch: Presswehen fühlen sich so an, als müsstest Du aufs Klo. Ebenfalls anders als im Kino, sagen die meisten Frauen bei der ersten Presswehe nämlich nicht “Das Kind kommt “, sondern “Ich glaub, ich muss nochmal auf Toilette “. Das Baby muss auf seinem Weg nach draußen am Darm vorbei und drückt diesen zusammen. Dadurch entsteht das Gefühl, als käme Stuhlgang.

Zusätzlich hast Du bei den Presswehen das Gefühl, dass Dein Körper ganz alleine drückt, eben so, wie beim Stuhlgang auf Toilette. Die Atmung verändert sich,  auch wenn Du die ganze Zeit gut mit der Wehenatmung zurecht gekommen bist, merkst Du jetzt, dass Du die Wehen nicht mehr veratmen kannst. Und das ist wichtig und gut, denn das Baby möchte raus.

Kurz vor dem Beginn der Austreibung sagen die meisten Frauen “Ich kann nicht mehr ” und meinen das auch. Aber glaub’ mir, wenn die ersten Presswehen kommen, hast Du die Kraft und Dein Baby hilft auch mit so gut es kann.

Ganz viele Frauen empfinden die Presswehen als deutlich besser zu verarbeiten als die Wehen der (späten) Eröffnungsphase. Manche beschrieben das Gefühl des “Mitdrücken-Dürfens” sogar als erleichternd.

Definitiv leichter ist es in diesen letzten anstrengenden Minuten der Geburt,  Dich zu motivieren, alle Kräfte noch einmal mobil zu machen, da Du das erste Mal wirklich einen unmittelbaren Erfolg merkst und spüren kannst, dass Du Dich nicht umsonst mühst.

Was Dir in der letzten Phase der Geburt helfen kann

An alle Begleitpersonen: am Ende ist weniger wirklich mehr. Die Geburt geht vielleicht schon lange und in dieser letzten anstrengenden Phase muss die werdende Mama sich ganz auf sich und das Baby konzentrieren. Also ist das Wichtigste, einfach da zu sein, leise zu ermutigen oder einfach mal zu sagen : “Ich bin stolz auf Dich “. Berührungen außer dem obligatorischen Händchen halten mögen die meisten in der Austreibung nicht mehr, da es zu sehr ablenkt. Aber ein Schluck Wasser nach der Wehe oder auch ein kühler Waschlappen auf die Stirn wird oft gerne angenommen.

Schmerzmittel werden in dieser Phase der Geburt nicht mehr gegeben, da viele Medikamente die Atmung des Babys beeinträchtigen können. Auch eine PDA wird gegen Ende der Geburt normalerweise nicht mehr nachgespritzt. Manchmal wird dadurch nämlich der Pressdrang vermindert und Du hast nicht mehr so stark das Gefühl, mitdrücken zu müssen. Gerade dieses Gefühl ist aber wahnsinnig wichtig, damit das Baby gut auf die Welt kommen kann.

Wie lange dauern die Presswehen?

Das ist sehr unterschiedlich und hängt auch wieder von unterschiedlichen Faktoren ab. Beim ersten Kind – und jetzt bitte nicht erschrecken – kann die Austreibungsphase bis zu zwei Stunden dauern. Das heißt aber nicht, dass Du zwei Stunden lang aktiv mitdrücken musst. Vielleicht gibt es zwischendurch immer mal wieder eine nicht so kräftige Presswehen oder die Wehen kommen in etwas zu großen Abständen. Wenn sich die Endphase zu lange hinzieht und die Gefahr besteht, dass es für Dich oder Dein Baby zu anstrengend wird, wird am Ende vielleicht noch ein Wehenmittel verabreicht, um die Geburt ein wenig zu beschleunigen.

In jedem Fall kann ich Dir sagen, dass in den Kreißsälen die Zeit still zu stehen scheint und jedes Zeitgefühl verloren geht.

Deshalb versuch Dir im Vorfeld nicht zu viele Gedanken zu machen, im entscheidenden Moment denkst Du eh nur noch von einer Wehe bis zur nächsten und das ist auch gut so.

Aus meiner Erfahrung als Hebamme und Mama kann ich Dir sagen: eine Geburt ist anstrengend, teilweise beängstigend und bringt einen körperlich und emotional an seine Grenzen. Genau so wie das Leben mit Kindern. Vielleicht bist Du enttäuscht, weil alles ganz anders war, als du es Dir vorgestellt hast, vielleicht bist Du aber auch überrascht davon, was Du leisten kannst.

Aber wie auch immer der Start ins Leben für Dein Baby gelaufen ist,  Ihr beide habt die erste große Hürde gemeinsam gemeistert und nur das zählt!

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