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Schwangerschaftsgelüste: Was sie bedeuten und was nicht


Essiggurke mit Nutella, saurer Hering mit Marmelade – Lieblingsgerichte einer Schwangeren nehmen manchmal seltsame Ausmaße an. Laut einer US-Studie aus dem Jahr 2014 sind 50 bis 90 % aller werdenden Mütter von Gelüsten in der Schwangerschaft betroffen. Woher kommen diese Anwandlungen und was sagen sie aus? 

Gründe für Schwangerschaftsgelüste 

Insbesondere im ersten Trimester der Schwangerschaft hatte ich ständig Appetit auf gegrillten Fisch – obwohl ich Vegetarierin bin. Später entwickelte sich daraus ein beinahe unstillbares Verlangen auf Naturjoghurt mit satten 10 % Fett. Natürlich habe ich mich gefragt, was hinter den Gelüsten steckt. Schließlich bin ich nicht die einzige Schwangere, die ein seltsames Verlangen nach bestimmten Nahrungsmitteln verspürt.  

Tatsächlich ist es so, dass es bisher nur Vermutungen bezüglich der Ursachen gibt. Einen eindeutigen Beweis für die Entstehung von Schwangerschaftsgelüsten liefert die Wissenschaft nicht. Eine These lautet, dass die außergewöhnlichen Gelüste durch den veränderten Hormonhaushalt ausgelöst werden. Schwankende Beta-hcG-, Östrogen- und Progesteronspiegel haben sowohl auf den Geruchs- als auch den Geschmackssinn Einfluss. Darin könnte eine mögliche Ursache der veränderten Ernährungsweise liegen. Plötzlich schmecken Gerichte wie Hühnchen mit Schokolade unwiderstehlich, wo sie noch vor wenigen Wochen als völlig abstrus galten.

Ein zweiter Ansatz liegt im erhöhten Nährstoffbedarf der Schwangeren. Schließlich muss nicht nur der eigene Körper, sondern auch der des heranwachsenden Babys versorgt werden.   

In welchem Zeitraum kommen Schwangerschaftsgelüste vor? 

In der gesamten Schwangerschaft kannst Du von merkwürdigen Heißhungerattacken geplagt werden. Der Auslöser ist möglicherweise ein massiver Anstieg des Schwangerschaftshormons Beta-hcG sein. Dieser startet zu dem Zeitpunkt, zu dem sich die Eizelle einnistet. Bis Ende des zweiten Trimesters erhöht sich der Hormonwert um ein Tausendfaches. Dadurch spielt das Essverhalten verrückt. Nachdem sich die Werte im letzten Drittel der Schwangerschaft wieder normalisieren, lassen oft auch die Gelüste nach. Bei mir wurde der Wahn nach Vollfett-Joghurt kurz vor Entbindung tatsächlich weniger, weg war er allerdings erst nach der Geburt. Spätestens, wenn das Baby da ist, hören die komischen Essanfälle in der Regel wieder auf.  

Was bedeuten Deine Gelüste? 

Nachdem die Wissenschaft bisher nur schwammige Antworten auf die Ursachen von Schwangerschaftsgelüsten liefert, werfen wir doch selbst einen Blick auf unsere Geschmacksverirrungen. Was könnten sie uns mitteilen? Nun, vermutlich sagen Sie uns nur etwas darüber aus, welche Nährstoffe unser Körper gerade am notwendigsten und schnellsten braucht. Nachfolgend einige Annahmen, wofür welche Gelüste ein Ausdruck sein könnten.  

Süßigkeiten 

Pralinenschachteln, Cupcakes und Gummibärchenpackungen sind, seit einem positiven Schwangerschaftstest, nicht mehr sicher vor Dir? Nun, diese Anwandlung ist normal. Die meisten Frauen gelüstet es nach kalorienreichen und zuckerhaltigen Lebensmitteln. Erstens werden durch Muffins, Kuchen und Co. die Energiereserven fix wieder gefüllt, zweitens liefert beispielsweise Schokolade wertvolles Magnesium. Frauen sollten rund 310 Milligramm Magnesium täglich aufnehmen, wenn sie ein Baby erwarten. Der Mineralstoff hilft nachweislich dabei, frühzeitigen Wehen vorzubeugen. Manchmal neigen Frauen dazu, große Mengen an Süßigkeiten zu essen, die es sich normalerweise verwehren. In der Schwangerschaft gönnen sie sich etwas. Bei Niedergeschlagenheit hilft Schokolade ebenfalls. Wer allerdings aus einer depressiven Verstimmung heraus vermehrt zu Naschwerk greift, sollte besser den Arzt konsultieren. Liegt eine Schwangerschaftsdepression vor, dann gibt es professionelle Hilfe für die Betroffenen.  

Eis 

Wir sprechen hier von gefrorenem Wasser, nicht von Speiseeis. Gelüste nach cremigem Milcheis fallen unter den oben genannten Punkt. Wen dagegen permanent die Sehnsucht nach Eiswürfeln plagt, der sollte auf weitere Symptome achten. Es könnte nämlich ein Eisenmangel vorliegen. Dieser kann in der Schwangerschaft zu schweren Komplikationen führen. Frühgeburten und ein zu geringes Geburtsgewicht können die Folge von zu geringer Eisenversorgung sein. Neben dem Appetit auf Eiswürfel deuten folgende Anzeichen auf eine Unterversorgung hin: 

  • Blasse, fahle Hautfarbe 
  • Geringere Leistungsfähigkeit 
  • Konzentrationsschwäche 
  • Kopfschmerzen 
  • Permanente Müdigkeit 
  • Vermehrte Infekte 
  • Brüchige Fingernägel 
  • Starker Haarausfall 

Normalerweise wird im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen der Eisenwert regelmäßig gemessen. Solltest Du zwischendurch das Gefühl haben, unter einem Mangel zu leiden, dann lass Dich testen.  

Rotes Fleisch 

Ein saftiges Steak schwebt Dir bereits am Frühstückstisch vor? Solltest Du keine Vegetarierin oder Veganerin sein, dann gibt diesen Gelüsten gerne nach. Fleisch von Rind und Schwein ist eine hochwertige Eiweiß- und Eisenquelle. Achte dabei allerdings darauf, dass die Produkte aus Biolandwirtschaft stammen. Verzichtest Du bewusst auf Fleisch, kannst Du alternativ zu Tofu, Tempeh, Quinoa, Haferflocken, Linsen oder Kürbiskerne greifen. Auch diese Nahrungsmittel versorgen Dich gut mit Proteinen und Eisen.  

Obst und Gemüse 

Herzlichen Glückwunsch, wenn Obst und Gemüse zu Deinen Schwangerschaftsgelüsten zählen. Du darfst davon essen, so viel Du möchtest. Vitamine und Ballaststoffe sind wichtig. Außerdem enthalten viele Sorten große Mengen an Wasser. Während der Schwangerschaft brauchst Du mehr Flüssigkeit. Diese solltest Du zum Großteil aus Wasser und ungesüßten Tees beziehen. Zusätzlich eignen sich aber auch Gurken, Wassermelonen, Tomaten und Äpfel perfekt, um gut hydriert durch diesen Lebensabschnitt zu kommen.  

Saures 

Einige saure Lebensmittel wie Zitronen füllen Deinen Vitamin-C-Haushalt. Andere säurehaltigen Speisen wie eingelegte Gurken, können die Magensäure bei ihrer Verdauungstätigkeit unterstützen. Möglicherweise ist die Konzentration Deiner Bauchsäfte zu dünn, weshalb Dich Saures reizt.  

Salziges 

Wenn Du gerne Gesalzenes isst, dann kann ein Natriummangel dahinterstecken. Dieser kommt nicht selten vor. Das ist auch logisch, produziert eine Schwangere enorme Mengen an Blut. In der 32. Schwangerschaftswoche besitzt sie rund 40 bis 50 Prozent mehr als vor der Empfängnis. Der größte Anteil des Natriums kommt dem Blut sowie der Zellumgebung zugute. Wird mehr Blut produziert, wird im Umkehrschluss auch mehr Natrium benötigt. Der Elektrolyt unterstützt die Nerven und Muskeln.  

Fettiges 

Fett ist nicht gleich Fett. Wenn es Dich permanent zu großen Fast-Food-Ketten treibt und Du dort Pommes, Burger und frittierte Apfeltaschen isst, dann aufgepasst. Es ist nicht leicht, die angefutterten Kilos nach der Schwangerschaft wieder zu verlieren. Möglicherweise braucht Dein Körper einen guten Energielieferanten beziehungsweise gesunde Fette. Suche Dir gut aus, welche fetthaltigen Speisen Du zu Dir nimmst und versuche der Fast-Food-Lust nur gelegentlich nachzugeben. 

  • Gesättigte Fettsäuren: Stammen aus tierischen Produkten wie Butter, Fleisch und Wurst. 
  • Ungesättigte Fettsäuren: Stammen oft aus Pflanzenölen oder fettem Fisch wie Lachs, Hering und Makrele. Sie sind notwendig zur Bildung von lebenswichtigen Stoffen im Körper, wirken sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus und werden dienen unter anderem dem Aufbau des Gehirns. Bekannte ungesättigte Fettsäuren sind die Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren.  
  • Transfettsäuren: Diese entstehen bei der chemischen Härtung von Fetten. Klassische Beispiele zum Vorkommen sind Margarine und Chips. Transfettsäuren stehen im Verdacht ungesund für den Organismus zu sein.  

Neben Fisch enthalten beispielsweise auch Nüsse und Avocados gesunde Fette.  

Milchprodukte 

Milch, Käse und Joghurt sind reich an Eiweißen. Es wird den Milchprodukten seit vielen Jahrzehnten nachgesagt, dass sie gute Kalzium-Lieferanten seien. Das stimmt im Grund auch, allerdings gibt es mittlerweile mehrere Studien, die darauf hindeuten, dass Kalzium aus Kuhmilch kein Garant für stabile Knochen ist. Milchprodukte in Maßen sind nicht schädlich. Wenn Dein Körper sie verlangt, dann gib ihm nach. Versuche allerdings Joghurts ohne zugesetzten Zucker zu essen. Zu viel Süßes kann das Risiko von Schwangerschaftsdiabetes erhöhen.  

Pica-Syndrom: Die Lust nach Ungenießbarem 

Während die normalen Heißhungeranfälle in der Regel problemlos für Mutter und das Ungeborene sind, sieht dies beim Pica-Syndrom häufig anders aus. Wer unter dieser Essstörung leidet, sehnt sich nach Dingen, die dem Körper nicht nützen, teilweise sogar gefährlich für ihn sind. Schwangere und Kleinkinder sind besonders häufig dadurch belastet. Zu beliebten Speisen der Pica-Betroffenen zählen: 

  • Lehm, Erde, Steinchen 
  • Holz, Papier 
  • Farben, beispielsweise von Wänden 
  • Stärke 
  • Seife 
  • Kreide 
  • Kleidung 
  • Fäkalien 

Solltest Du in der Schwangerschaft Gelüste auf völlig abwegige oder gar gesundheitsschädliche Dinge haben, dann besorge Dir Rat und Unterstützung. Sicherlich ist es unangenehm über die Problematik zu sprechen, aber Du bist nicht allein. Vereinbare möglichst schnell einen Termin beim Frauenarzt oder mit Deiner Hebamme und lass Dir helfen.  

Fazit: Schwangerschaftsgelüste sind meist harmlos und weit verbreitet 

Wenn Du Dir morgens bereits gegrillten Fisch mit Marmelade wünschst, dann leidest Du vermutlich unter Schwangerschaftsgelüsten. Das braucht Dich normalerweise nicht weiter zu beunruhigen. Versuche insgesamt möglichst ausgewogen zu essen, Dir aber Deine Genüsse zu gönnen. Achte auf eine hohe Qualität der Lebensmittel und vermeide Produkte, die Listeriose und Toxoplasmose auslösen können.  

Wie geht oder ging es Dir mit Schwangerschaftsgelüsten? Warst Du davon betroffen und was waren Deine absurdesten Leibgerichte? Wir freuen uns über Deine Geschichte in den Kommentaren.

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