Die Dammnaht: Wie Du sie pflegen und die Heilung beschleunigen kannst

Die Dammnaht: Wie Du sie pflegen und die Heilung beschleunigen kannst


Bei neun von zehn Müttern in Deutschland muss nach der Geburt der Damm versorgt werden. Auch, wenn nicht jede Frau genäht werden muss — bei der ersten Geburt kommt es häufig vor, dass die Hebamme oder der Arzt eine Dammnaht vornehmen müssen. Über alles Wissenswerte zum Thema Dammnaht und Dammriss informiert Dich unsere Autorin Kerstin.

Die Dammschnittrate liegt im Bundesschnitt bei ca. 60% und ist damit ziemlich hoch. Ein Dammschnitt muss im Anschluss immer genäht werden. Und auch tiefere Risse im Scheidengewebe und am Damm werden in der Regel mit einer Naht versorgt.

Wenn Du das erste Mal schwanger bist, erschreckt Dich die hohe Anzahl an Geburtsverletzungen sicherlich. In diesem Artikel möchte ich Dich deshalb nicht nur darüber informieren, wie die Dammnaht gut heilen kann, sondern Dir auch ein wenig die Angst nehmen. Denn die meisten Dammverletzungen heilen schnell und unkompliziert.

Wann der Damm genäht werden muss

Der Bereich zwischen dem unteren Schamspaltenwinkel und dem After wird als Damm oder Perineum bezeichnet. Die Haut dort ist sehr elastisch und wird bei der Geburt stark gedehnt. Dabei kann es passieren, dass die Haut durch den hohen Druck des Köpfchens reißt.

Manchmal nimmt die Hebamme auch vorsorglich einen Dammschnitt vor, um die Geburt zu erleichtern. Dies passiert häufig bei Zangengeburten. Bei Spontangeburten ohne Hilfsmittel werden Dammschnitte in den letzten Jahren seltener vorgenommen, da die Wissenschaft zu der Erkenntnis gekommen ist, dass Risse oft schneller verheilen als glatte Schnitte.

Oberflächliche Risse am Damm (Dammriss 1. Grades) und kleine Abschürfungen müssen nicht genäht werden und verheilen innerhalb recht kurzer Zeit von alleine. Geburtsverletzungen zweiten, dritten und vierten Grades werden in der Regel genäht.

Wie eine Dammnaht vonstatten geht

Nach der Geburt untersucht die Hebamme nicht nur die Plazenta, sondern auch Deine Scheide und den Damm. In der Zeit lernst Du Dein Baby kennen, kuschelst mit Deinen kleinen Schatz und bekommst – so zumindest meine Erfahrung – kaum noch etwas von dem mit, was zwischen Deinen Beinen passiert.

Stellen der Arzt oder die Hebamme schwerere Verletzungen fest, werden sie Dich darauf hinweisen, dass der Riss bzw. die Risse genäht werden müssen. Dazu wird der Bereich, der genäht werden muss, betäubt. Dies kann durch eine lokale Betäubung geschehen oder es kann zum Beispiel auch die PDA wieder aufgespritzt werden, sofern Dir während der Geburt eine PDA gelegt wurde. Bei größeren und tieferen Rissen kann eine OP unter Vollnarkose nötig sein.

Normalerweise bekommst Du von der Dammnaht kaum etwas mit, es ziept und drückt lediglich ein wenig. Meist wird mit Fadenmaterial genäht, das sich in den kommenden Tagen von selbst auflöst bzw. auflösen sollte.

Die Pflege der Dammnaht

Im Krankenhaus und auch später zuhause wird eine Hebamme Deine Dammnaht regelmäßig kontrollieren.

So kannst Du die Heilung der Naht unterstützen

  • Eisgekühlt erträgt sich vieles besser: Viele Hebammen empfehlen, die Scheide und den Damm zu kühlen. Und ich schwöre: Dieser Tipp ist Gold wert! Zum Kühlen kannst Du entweder klassische Kühlpads benutzen oder zum Beispiel einen Waschlappen mit Eiswürfeln füllen und diesen in einen Gefrierbeutel packen.
  • Halte die Naht sauber: In den ersten Tagen nach der Geburt solltest Du alle 2-4 Stunden Deine Binden wechseln, damit sich keine Infektion ausbreiten kann. Außerdem solltest Du Dich regelmäßig waschen oder duschen, damit sich Bakterien nicht vermehren können. Nutze dafür klares, fließendes Wasser oder eine milde Seife.
  • Luft an die Naht: Die Verletzungen heilen schneller an der Luft. Du solltest deshalb möglichst viel „unten ohne“ laufen oder liegen.
  • Sitzbäder: Etwas aus der Mode gekommen, aber durchaus wirkungsvoll sind Sitzbäder. In der Apotheke gibt es diverse Sitzbadmischungen, die sich super eignen, um die Heilung der Dammnaht zu unterstützen.
  • Die Gießkanne auf der Toilette: Unterstützt zwar nicht unbedingt die Heilung, lindert aber die Schmerzen. Wenn Du beim Pinkeln warmes Wasser über den Intimbereich laufen lässt, brennt der Urin am Damm deutlich weniger. Und auch wenn es Dir seltsam vorkommen mag: Die klassische Gießkanne ist wirklich praktisch!

Probleme mit der Dammnaht

Geburtsverletzungen können sehr schmerzhaft sein. Gönn Dir deshalb viel Ruhe und stille Dein Baby möglichst im Liegen, um den Damm nicht unnötig zu belasten. Und fühle Dich auch nicht dazu verpflichtet, beim Familienbesuch am Kaffeetisch zu sitzen, sondern bleib entspannt auf der Couch liegen. Dein Arzt oder Deine Hebamme können Dir Auskunft darüber geben, welche Schmerzmittel in welcher Dosierung Du auch in der Stillzeit einnehmen kannst. Wenn Du der Homöopathie gegenüber aufgeschlossen bist, kannst Du alternativ auf homöopathische Mittel zurückgreifen.

Hebamme und Frauenarzt solltest Du ansprechen, wenn Deine Naht stark spannt, sich die Fäden nicht auflösen oder sich die Nähte entzündet haben. Und halte durch: Meist werden die Schmerzen deutlich besser, wenn sich die Fäden aufgelöst haben.

Übrigens: Die Damm-Massage während der Schwangerschaft kann Dammverletzungen zwar nicht verhindern, senkt aber das Risiko von Geburtsverletzungen.

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