dickes kind

Dickes Kind – Ursachen, Folgen, Behandlung


9,5 % der Kinder in Deutschland sind zu dick. Das ist bereits eine alarmierende Zahl. Aber bei 5,9 % der Kids ist das Übergewicht sogar so gravierend, dass sie als adipös gelten. Die gesundheitlichen und psychischen Folgen können erheblich sein, deshalb machen sich viele Eltern Sorgen. In verschiedenen Foren wird sogar diskutiert, Babys auf Diät zu setzen. Diäten sind bei Säuglingen und Kleinkindern keinesfalls die Lösung. Zuerst sollte auch herausgefunden werden, ob man überhaupt ein dickes Kind hat.  

Wann ist ein Kind übergewichtig? 

Vielleicht plagt Dich die Sorge, dass Dein Kind zu dick sein könnte? Dann machen wir erst einmal den Realitätscheck. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Du herausfindest, ob Dein Kleinkind normalgewichtig ist oder nicht.  

Dafür brauchst Du zunächst diese zwei Angaben: 

  • Gewicht in Kilogramm 
  • Größe in Zentimeter 

Wer nicht gerne herumrechnet, der wirft einen Blick in das U-Untersuchungsheft des Kindes. Dort findest Du auf den letzten Seiten verschiedene Kurvendiagramme. Diese bezeichnet der Fachmann als sogenannte Perzentilenkurven. 

Perzentilenkurven: Ablesen des Normgewichts

Suche Dir dort einfach die Perzentilenkurve für den Body-Mass-Index heraus. Es gibt sowohl für Jungen als auch für Mädchen eine eigene Kurve, weil sich die körperliche Entwicklung der beiden Geschlechter unterscheidet.  

Wenn Du einen Blick auf die Diagramme wirfst, siehst Du, dass die einzelnen Kurven unterschiedliche Bezeichnungen tragen. P50 bildet den Normwert ab. 50 Prozent der Kinder eines bestimmten Alters besitzen also dieses Gewicht. Zudem siehst Du noch fünf weitere Kurven 

  • P3: Nur 3 % der Gleichaltrigen sind so leicht. Der Wert spricht für starkes Untergewicht. 
  • P10: 90 % der Altersgenossen sind schwerer als der Wert auf der P10-Kurve. Auch hier ist von Untergewicht auszugehen.  
  • P25: Ist das Kind leichter als 75 % seiner Altersgenossen, besteht kein Grund zur Sorge. Es ist zwar leichter, fällt aber nicht in den Bereich des Untergewichts. Das Kind ist einfach zierlicher als seine Altersgenossen. 
  • P90: Ein Gewicht auf der Kurve P90 bedeutet, dass das Kind schwerer ist als 90 Prozent der Gleichaltrigen. Damit liegt Übergewicht vor.  
  • P97: Fällt das Gewicht des Kindes auf P97, dann sind dringend Maßnahmen einzuleiten. Das Kind gilt als schwerer als 97 Prozent seiner Altersgenossen. Es ist adipös.  

BMI-Rechner für Kinder

Hast Du das U-Heft nicht zur Hand, geht die BMI-Bestimmung auch via Internet. Denke daran, dass es einen Berechnungsunterschied zwischen dem Body-Mass-Index für Erwachsene und dem BMI für Kinder gibt.  

Die einfachste Lösung ist es, die Werte Deines Nachwuchses in den BMI-Rechner für Kinder und Jugendliche des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V. einzutragen.  

Der Rechner präsentiert Dir nicht nur das Ergebnis, er interpretiert es auch. Zusätzlich gibt er Tipps, wie bei bestimmten Gewichtsklassen vorzugehen ist. Liegt der Wert Deines Kindes im oberen Bereich des Normalgewichts, wird empfohlen, die Kilozahl und Größe regelmäßig zu kontrollieren.  

Bei Übergewicht rät das System zu einem Arztbesuch. Der Fachmann kann den tatsächlichen Zustand des Kindes beurteilen. Außerdem werden verschiedene Risikofaktoren abgeklopft und mögliche Maßnahmen mit den Eltern besprochen.  

Dickes Kind oder normalgewichtiges Kind: Wenn die eigene Wahrnehmung trübt

Übrigens ist es nicht empfehlenswert, dass Eltern das Gewicht ihres Kindes optisch kontrollieren. Darauf deuten zumindest die Resultate einer Untersuchung von Professor Dr. Petra Warschburger hin. Die Diplom-Psychologin und Leiterin der Abteilung für Beratungspsychologie am Psychologischen Institut der Universität Potsdam arbeitete mit einer Gruppe von 200 Müttern. Dabei sollten die Teilnehmerinnen Umrisse auswählen, die dem Körperbau des eigenen Kindes entsprächen.  

Tatsächlich entschieden sich nur 40 % für die passende Silhouette. Diese Differenz nahm zu, wenn die eigenen Kinder übergewichtig waren. Mütter von übergewichtigen Kindern schätzten die Körperform ihres Nachwuchses in 80 % der Fälle falsch ein. Bei fremden Kindern dagegen, täuschte die Wahrnehmung kaum. Nur bei unseren eigenen Sprösslingen, scheinen wir uns mit einer realistischen Einschätzung schwer zu tun.  

Realistischere Einschätzungen des Gewichts der eigenen Kinder schützen allerdings auch nicht. Eine australische Studie aus dem Jahr 2016 zumindes zu diesem Schluss.

Worin liegen die Ursachen für Übergewicht bei Kleinkindern? 

Die Ursachen, warum gesunde Menschen dick werden, sind immer die gleichen. Sie nehmen mehr Kalorien zu sich, als sie verbrennen. Das gilt für Kinder genauso wie für Erwachsene.  Somit können die Auslöser an zwei Fronten oder einer Kombination von beiden liegen. Übergewichtige Kinder essen entweder zu fett- und kalorienreich oder sie bewegen sich zu wenig.  

Das falsche Essverhalten wird in der Regel von den Eltern an die Kinder weitergegeben. Fehlt es an festen Essenszeiten, gibt es häufige Zwischenmahlzeiten und wird mit Süßigkeiten belohnt, fällt die Kalorienbilanz hoch aus.

Außerdem haben Kinder aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen ein erhöhtes Risiko für Übergewicht

  • Kinder aus Raucherhaushalten sind statistisch häufiger dick als der Nachwuchs von Nichtrauchern.   
  • Kleinkinder, die nicht gestillt wurden, neigen eher zu überflüssigen Pfunden.  
  • Lag eine Schwangerschaftsdiabetes der Mutter vor, tendiert der Nachwuchs ebenfalls zu mehr Gewicht.  
  • Auch die Gene beeinflussen unsere Kilozahl. Bei 80 Prozent der übergewichtigen Kleinkinder ist ein Elternteil ebenfalls zu dick.  
  • Kinder aus benachteiligten sozialen Schichten sind eher übergewichtig.  

Zudem können auch psychische Probleme, körperliche Erkrankungen und verschiedene Medikamente zu einem hohen Gewicht führen. Ist ein Kind zu dick, sollte deshalb unbedingt der Arzt aufgesucht werden. Es ist genau abzuklären, woher die überschüssigen Pfunde kommen. Nur so kann dieser Risikofaktor langfristig erfolgreich behandelt werden.  

Welche Folgen haben die Extrapfunde bei den Kids? 

Leiden kleine Kinder bereits unter Übergewicht, kann das schwere psychische als auch physische Folgen haben. Je stärker das Übergewicht ist, desto höher das Risiko daran zu erkranken. Mögliche Auswirkungen sind:  

  • Insulinresistenz und Diabetes mellitus Typ 2 (Zuckerkrankheit) 
  • Schnelleres Wachstum 
  • Risse im Bindegewebe 
  • Höhere Produktion an Sexualhormonen 
  • Früher einsetzende Pubertät 
  • Herzkreislauferkrankungen 
  • Erhöhter Blutdruck 
  • Gesteigerte Blutfettwerte 
  • Rückenschmerzen 
  • Fußfehlstellungen wie Senk- und Spreizfüße 
  • X- oder O-Beine 
  • Arterienverkalkung 
  • Depression 
  • Ängste 

Durch die Folgen insbesondere bei massivem Übergewicht, kann es zu einer niedrigeren Lebenserwartung kommen.  

Wie verlieren Kinder die überflüssigen Kilos? 

Du hast herausgefunden, dass Dein Kind Übergewicht hat. Diese Annahme hast Du Dir auch vom Arzt noch einmal bestätigen lassen? Gut. Versuche Dir zunächst einmal keine Vorwürfe und Sorgen zu machen. Und am wichtigsten: setze Dein Kind nicht auf eine Diät. Die einzige langfristige Lösung ist normalerweise, eine ganzheitliche Lebensumstellung.  

Gesunde Ernährung

Sorge dafür, dass Dein Kind möglichst viele gesunde Lebensmittel zu sich nimmt. Dafür kochst Du am besten frisch. Haltet Euch an drei feste Mahlzeiten zu fixen Essenszeiten.  

Zwischendurch kannst Du Rohkost anbieten. Mein Kind war lange ein absoluter Gemüse-Verweigerer. Aber wir haben nach und nach immer mehr Sorten gefunden, die meine Tochter mag. Ich schnipple tagsüber Obstteller. Gen Abend steige ich eher auf Gemüse um, falls sie noch etwas snacken will. Schau Dich einfach mal im Internet nach Inspiration um. Es gibt unzählige Blogs und Webseiten für gesunde (Kinder-)Ernährung. Probiert neue Rezepte und Lebensmittel aus. Habt Freude dabei, mehr Vielfalt und Geschmack auf Euren Speiseplan zu bringen.

Wenn Dein Kind ein echter Süßigkeiten-Fan ist, versuche den Konsum langsam herunterzufahren. Mach dem Nachwuchs dabei keine Vorwürfe. Am besten thematisierst Du die Ernährung überhaupt nicht großartig. Kleinkindern fällt die Umstellung meistens gar nicht so arg auf. Sei nicht zu streng, sondern führe schrittweise neue Verhaltensweisen ein.  

Viel Bewegung

Denke auch an ausreichend Bewegung. Die WHO hat eine Richtlinie herausgegeben, wie viel sich Kinder täglich auspowern sollten. Versucht jeden Tag an die frische Luft zu gehen. Die richtige Kleidung macht das auch bei Regen und Schnee möglich.

Meine Tochter kann man mit Pfützenspringen auch bei starkem Regen vor die Türe locken. Überlege Dir Abenteuer für die Kleinen. Geht im Frühling Insekten beobachten oder Blumen pflücken. Im Sommer locken Badeseen oder Freibäder. Kastanien- und Blättersammeln sind die Highlights im Herbst und eine aufregende Schneeballschlacht darf im Herbst nicht fehlen.  

Gerade in der Corona-Zeit ist Bewegung ein noch größeres Problem. Die Sportvereine sind geschlossen, Treffen mit Freunden kaum möglich. Versuche trotzdem jeden Tag eine Aktivität zu finden, bei der Dein Kind ins Schwitzen kommt. Meine Kollegin Sandra teilt dafür zum Beispiel 11 Bewegungsspiele für drinnen mit uns.  

Medienkonsum in Maßen

In diesem Zusammenhang muss ich auch den Medienkonsum ansprechen. Kleine Kinder sollten nicht vor Handy oder Tablets geparkt werden. Lässt es sich nicht vermeiden, dann sorge für Ausgleich. Beschränkt die Bildschirmzeit auf ein Minimum. Davor oder im Anschluss sind wieder Spiel, Spaß und Sport angesagt.  

In Familien von übergewichtigen Kindern sind meistens auch übergewichtige Erwachsene zu finden sind. Die Lebensumstellung wird allen helfen und Spaß machen. Gemeinsam fällt der Kampf gegen die überschüssigen Pfunde umso leichter.  

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