Die Geburt von Taavi Louk – Geburtsbericht


Unser zweiter kleiner Mann ist nun bereits seit drei Wochen bei uns. Die Zeit vergeht mal wieder wie im Flug und am liebsten würde ich sie gerne ständig anhalten, um diese wundervollen und intensiven Momente der ersten Tage und Wochen mit neugeborenem Baby länger festzuhalten und für die Ewigkeit zu konservieren. Wir genießen jeden Augenblick und können gar nicht genug bekommen von unserem kleinen Taavi. Anders als beim ersten Kind, ist aber alles irgendwie viel routinierter und hat sich quasi schon am ersten Tag eingependelt. Als wenn es nie anders war und der kleine Mann schon immer ein Teil von uns. Es passt einfach alles.
Zwischen unseren aktuellen Lieblingsbeschäftigungen Kuscheln, am Baby schnuppern und die Momente zu viert genießen, habe ich vor ein paar Tagen den Geburtsbericht geschrieben. Er ist wirklich sehr ausführlich geworden, aber ich wollte wirklich alles, was mir wichtig erschien, darin festhalten. Dadurch ist er nun sehr persönlich, sehr detailliert und sehr lang. Ich persönlich lese solche Geburtsberichte bei anderen aber immer sehr gerne, deswegen möchte ich die Geburt von Taavi hier heute ebenfalls mit euch teilen.

In der 38. Schwangerschaftswoche hatte ich bereits immer wieder das Gefühl, dass es bald mit der Geburt losgehen könnte und der kleine Mann sich evtl. nicht bis zum Ende der 40. Woche gedulden möchte. Ja, ich hatte mir erhofft, dass ich noch die letzten restlichen Vorbereitungen treffen könnte und vor Allem wollte ich ja noch Mika-Flynns Geburtstag planen und in Ruhe feiern.
Das Wochenende vor meinem nächsten Termin beim Frauenarzt zum CTG war dann auch wieder relativ ruhig, ich fühlte mich fit und spürte keinerlei Anzeichen mehr, weder wurde der Bauch vom langen Spaziergang hart, noch war ich innerlich unruhig. Ich sprach noch von der Ruhe vor dem Sturm und sollte damit tatsächlich Recht behalten…

Am Dienstagmorgen wachte ich vom Weckerklingeln auf, mein Termin beim Arzt war bereits um 08 Uhr, damit Yannick in der Zeit auf Mika-Flynn aufpassen und danach gleich weiter zur Arbeit fahren konnte. Beim morgendlichen Toilettengang dann die Überraschung bzw. für mich im ersten Moment auch erst einmal ein kleiner Schock: Zwar hatte ich es gelesen und schon davon gehört, kannte es von der Schwangerschaft und Geburt mit Mika-Flynn aber nicht: das Zeichnen. Ich weiß noch, wie ich da saß, mir sofort klar war, was das wohl ist und nur zu mir selbst sagte: „Och nöö…“ Natürlich musste ich danach gleich googlen, was das denn nun heißt und fand dann diverse Aussagen. Bei manchen ging es ab diesem Zeitpunkt ganz schnell, andere mussten trotzdem noch einige Tage auf die Geburt warten. Aber zum Glück hatte ich ja sowieso den Termin beim Frauenarzt. Dort konnte ich ja alles schildern und abwarten, was beim CTG heraus kommt.

Trotzdem war ich plötzlich sehr aufgewühlt und natürlich auch unsicher, was nun wohl als nächstes passiert, deswegen bat ich Yannick, mich zur Praxis zu fahren und dort mit Mika-Flynn (der in dieser Woche Ferien hatte) zu warten, bis ich fertig bin. Er hatte sofort Verständnis und kam gerne mit.
Dort angekommen kam ich dann gleich ans CTG und erzählte vom Abgang des Schleimpfropfs. Allerdings waren die Arzthelferinnen gar nicht so überrascht, sondern meinten nur, dass es dann wohl bald losgeht, ich mir aber keine weiteren Gedanken deswegen machen muss. Das CTG zeichnete unauffällige Herztöne und ganz leichte, aber nicht spürbare Wehen auf. Ich musste auch gar nicht mehr zur Ärztin, sondern wurde nur verabschiedet, indem man mir alles Gute wünschte und am wissenden Lächeln der Arzthelferinnen und meiner Ärztin, der ich kurz auf dem Gang über den Weg lief, erahnte ich schon, dass ich wohl den nächsten Termin in der nächsten Woche dort nicht mehr wahrnehmen würde…

Und dann kam ich aus der Praxis, mit dem Befund der leichten Wehen, der Aussage, dass es nicht mehr so lange dauern kann und den wohl sehr deutlichen anderen Anzeichen. Puh…Ich war aufgeregt und überlegte, wie ich mit dieser Ungewissheit, wie lange es denn nun tatsächlich noch dauern würde, jetzt umgehen sollte.
Da meine Mama und Schwester sowieso abrufbereit waren, falls es losgeht, um sich auf den Weg zu machen, damit sie auf Mika-Flynn aufpassen können, rief ich dort an und erzählte von den „Neuigkeiten“. Meine Mama hatte zum Glück in dieser Woche sowieso Urlaub, deswegen fragte ich sie, ob sie nicht evtl. an diesem Tag schon zu uns kommen könnte. Damit ich nicht alleine mit Mika-Flynn wäre, wenn es dann doch schneller gehen sollte, als gedacht und ich außerdem etwas abgelenkt wäre und mich nicht verrückt machen muss. Sie entschied sich dann schnell dazu, dass das wohl das Beste wäre, denn man wüsste ja auch nicht, wie schnell sie wirklich kommen könnte, da die Verkehrslage je nach Tageszeit nicht immer die Beste ist und sie manchmal gut eine Stunde zu uns braucht.
Um 12 Uhr war sie dann da und ich um einiges beruhigter. Yannick war ganz normal zur Arbeit gefahren, er selbst wäre in einer halben Stunde zu Hause gewesen.

Der Tag verging und es tat sich nichts. Ich ruhte mich aus, während meine Mama mit Mika-Flynn auf den Spielplatz ging und versuchte, mich gedanklich auf das, was bevorstand, vorzubereiten. Insgeheim hoffte ich natürlich immer noch, dass der kleine Mann sich noch ein wenig gedulden würde und ich am nächsten Tag Mika-Flynns Geburtstag vorbereiten könnte und wir am Donnerstag feiern würden. Meinetwegen durfte er sich dann gerne Donnerstagabend auf den Weg machen…
Gegen Abend hatte ich noch öfter „gezeichnet“ und spürte außerdem einen leichten Druck nach unten. Spürbare Wehen waren das noch nicht, aber irgendetwas war anders. Mit meiner Mama drehte ich noch eine kleine Runde um den Block und hatte auch nun das Gefühl, dass sich „da unten“ etwas tut…Ich ging dann relativ spät gegen 24 Uhr schlafen (meine Mama übernachtete bei uns). Yannick hatte sich schon eher hingelegt, er war auch anders als sonst und sicher auch etwas aufgeregt…An Schlaf war allerdings nicht zu denken, denn als ich mich hinlegte, wurde dieses Ziehen mehr. Mit den Atem- und Entspannungsübungen aus dem HypnoBirthing-Buch versuchte ich gegen dieses Ziehen anzugehen und irgendwie in den Schlaf zu finden. Aber ich war so aufgewühlt und von diesem Ziehen so abgelenkt, dass ich nur ständig auf die Uhr schaute, um die Abstände zu kontrollieren. Und das Ziehen kam tatsächlich immer wieder in einem Abstand von zehn Minuten. Es drückte und ich wusste nicht, wie ich liegen soll, die Schlaflosigkeit machte mich verrückt und ich hoffte nur, dass diese Nacht schnell vorüber geht oder ich endlich das eindeutige Anzeichen bekomme, dass es losgeht. Um vier Uhr ging ich dann nochmal zur Toilette, legte mich wieder hin und schlief dann doch tatsächlich nochmal für fast drei Stunden ein.

Am Morgen gab ich dann Yannick und meiner Mama Bescheid, wie der Stand der Dinge ist und dass ich nicht das Gefühl habe, dass es gleich und sofort losgehen würde. Yannick sollte ruhig nochmal zur Firma fahren, er wäre ja schnell genug zu Hause und meine Mama hätte mich notfalls ja auch zur Klinik fahren können.
Ich versuchte, den Vormittag so normal wie möglich zu gestalten, allerdings wurde das Ziehen im Unterleib im Stehen nun mehr und auch der Druck nach unten ziemlich spürbar. Ich kontrollierte wieder die Abstände und konnte mal mehr, mal weniger regelmäßig zehn Minuten feststellen. Es heißt ja, dass man bei Wehen ab einem Abstand von 5-10 Minuten in die Klinik fahren sollte. Und es bei Zweit- bzw. Mehrgebärenden sowieso schneller gehen kann. Allerdings kam ich ja gut damit klar, empfand die Kontraktionen auch noch als gut aushaltbar und nicht wirklich schmerzhaft und beruhigte sowohl mich, als auch meine Mama damit, dass wir ja in fünf Minuten in der Klinik wären, wenn es doch schneller losgehen sollte. Ich wollte einfach nicht zu früh im Krankenhaus sein, falls es dort dann doch noch dauern sollte oder vielleicht doch nur Fehlalarm war, weil ich mich zu Hause wohl fühlte und mich dort besser entspannen konnte. Ich duschte, machte mich in Ruhe fertig, packte dann aber doch irgendwann die letzten Sachen in die Kliniktasche. Und dabei zählte ich weiter die Minutenabstände, die nun ab und zu auch mal weniger als zehn betrugen. Zwischendurch gab ich meiner Mama Anweisungen, wo sie welche Zutaten für den geplanten Kuchen, die Muffins und die Deko für Mika-Flynns Geburtstag am nächsten Tag finden würde, falls nun doch alles anders kommen sollte.
Wir machten noch Späße, als ich dann fertig war, mit gewaschenen Haaren, vom Frühstück gestärkt, dass er nun doch mal langsam kommen darf, damit wir es rechtzeitig zu Mika-Flynns Geburtstag nach Hause schaffen. Ja wirklich, ich zählte richtig die Stunden, wie lange die Geburt wohl dauern könnte, wie lange man dann in der Klinik bleibt und wann man dann bei einer ambulanten Entbindung nach Hause kann. So sehr wünschte ich mir, Mika-Flynns 3. Geburtstag mit ihm verbringen zu können.
Und außerdem scherzten wir darüber, wie lange ich wohl warten wollen würde, bis es in die Klinik geht. Meine Mama fragte noch, ob ich es wohl wirklich darauf anlege, zu Hause zu entbinden…Nein, eigentlich nicht. Aber ich fühlte mich auch noch nicht bereit, loszufahren.
Nachmittags gönnte ich mir dann etwas Ruhe, wippte in unserem Poäng-Sessel vor mich hin und merkte, wie das Ziehen weniger wurde. Das wiederrum machte mich dann wieder verrückt, denn je mehr Stunden verstrichen, umso sicherer war ich, dass ich am 05.11. nicht zu Hause sein würde…Meine Mama ging dann mit Mika-Flynn nochmal raus auf den Spielplatz und ich begann mit den nun durch das Stehen wieder spürbareren Wehen, Kuchen zu backen. Dadurch war ich abgelenkt und kam etwas auf andere Gedanken. Zwischendurch informierte ich natürlich immer wieder Yannick, wie es mir geht und wie der Stand der Dinge ist.

Als er dann um halb sechs abends nach Hause kam, die immer noch gut aushaltbaren, aber nun mehr Druck erzeugenden Wehen, die ich teilweise auf dem Gymnastikball veratmete und wegwippte, in unregelmäßigen Abständen von mal drei, dann mal wieder fünf Minuten kamen, beschlossen wir, nach dem Abendessen zur Kontrolle in die Klinik zu fahren. Mir gingen Mika-Flynns Herztöne bei seiner Geburt nicht aus dem Kopf und ich wollte wissen, dass alles in Ordnung ist, selbst wenn wir wieder nach Hause gedurft hätten. Die Nacht abzuwarten kam für mich nicht mehr in Frage, denn ich hätte vermutlich sowieso kein Auge zu getan und wollte mich auch nicht noch einmal so rumplagen, wie in der zuvor.
Beim Abendessen bekam ich kaum einen Bissen runter, mir war flau und ich extrem nervös. Ich wollte keine Angst haben, sondern mich auf das Bevorstehende einlassen, aber das war leichter gesagt, als getan.

Wir suchten noch die restlichen fehlenden Unterlagen zusammen, packten alles in die Kliniktasche, die vorsichtshalber schon mal mitkam und ich verabschiedete mich von Mika-Flynn und meiner Mama. Ersteren wollte ich gar nicht zurück lassen, auch wenn ich ihn in guten Händen wusste. Aber mir war auch klar, dass ich ihn evtl. nicht wieder sehen sollte, bis sein kleiner Bruder auf der Welt ist.

Um 19 Uhr fuhren wir dann in die Klinik. Irgendwie kam es mir aber viel später vor. Im Krankenhaus angekommen, ließen wir dann die Kliniktasche noch im Auto, in der Hoffnung, doch wieder nach Hause geschickt zu werden. Wir liefen zur Entbindungsstation, klingelten und kurz darauf empfing uns eine Hebamme, der wir die Situation schilderten und die uns ganz freundlich erklärte, dass wir nun erst einmal ein CTG schreiben und dann weitersehen. Die Atmosphäre dort war zwar ruhig und einladend (gedämpftes Licht, warme Farben), dennoch fühlte ich mich noch nicht so ganz wohl.
Während sie mich ans CTG anschloss, merkte ich schon, dass die Wehen nicht mehr so regelmäßig waren, wie zu Hause. Schon oft hatte ich gehört, dass sie unter der Anspannung in der Klinik tatsächlich erstmal nachlassen oder sogar aufhören können. Auch hier meinte die Hebamme nur, dass das ganz normal sei. Als das CTG dann mit der Aufzeichnung begann, konnte man aber trotzdem regelmäßige Kontraktionen erkennen, ich spürte jedoch nur ein oder zwei davon richtig. Was aber am wichtigsten für mich war, waren die Herztöne vom Baby. Und diese waren total unauffällig und normal. Die Hebamme kam nach einer halben Stunde wieder und erklärte uns, dass wir nun noch auf die Ärztin warten müssten, die mit uns das CTG bespricht und noch den Muttermund abtasten möchte.
Eigentlich wollte ich hier keine unnötigen Untersuchungen, da ich im Zuge der Vorbereitung auf die Geburt öfter gelesen hatte, dass dadurch z.B. die Fruchtblase platzen könnte und das Abtasten des Muttermundes sowieso nicht unbedingt notwendig ist, wenn alle Zeichen auf Geburt stehen. Allerdings ließ ich mich dann doch etwas verunsichern und die Ärztin, die erst nach 45 Minuten kam, wollte uns erzählen, dass diese Untersuchung gemacht werden MUSS und mit der Fruchtblase eigentlich nichts passieren kann. Ich stimmte dann etwas widerwillig zu und erfuhr, dass der Muttermund sich bereits 3 cm geöffnet hatte. Die Ärztin, die wohl wieder eine der vorsichtigen Sorte war und weder Yannick, noch mir wirklich sympathisch, meinte dann, dass es besser wäre, bei diesem Befund und im Zusammenhang mit dem CTG in der Klinik zu bleiben. Hätte der Muttermund nun erst bei 2 cm gelegen, hätte ich auch nochmal nach Hause gedurft, aber so wollte sie lieber auf Nummer sicher gehen. Hmm…Wirklich plausibel erschien uns das alles nicht, zumal die Wehen nun wieder weniger wurden und ich kaum glauben konnte, dass es unter diesen Umständen und in der ungewohnten Umgebung wieder mehr werden würde. Außerdem wollte sie mir gleich einen Zugang legen. Ich war bei Mika-Flynn positiv auf Streptokokken getestet worden, hatte aber in dieser Schwangerschaft versäumt, es erneut testen zu lassen und auch wenn die Wahrscheinlichkeit eher niedrig war, dass ich immer noch oder erneut davon betroffen bin, riet uns die Ärztin dazu, prophylaktisch Antibiotika zu verabreichen. Sie hätte mich zu nichts zwingen können und ich hätte, solange ich nicht stationär aufgenommen war, auch jederzeit nach Hause gehen können. Aber in so einer Situation weiß man dann selber irgendwann nicht mehr, was wohl die richtige Entscheidung ist. Nachdem die Ärztin weg war, um uns noch ein wenig Bedenkzeit zu geben (auch wegen dem Zugang und Antibiotika), kam dann nach einer Weile eine weitere Hebamme mit dem Aufnahmebogen.
Diese Hebamme habe ich noch in positiver Erinnerung, denn sie schien definitiv mehr Erfahrung als die Ärztin zu haben, war total locker und entspannt. Sie fragte mich nach der ersten Geburt (verteufelte die Einleitungstabletten, die ich damals bekommen hatte, sofort als „Scheißzeug“) und meinte, dass bei dem Muttermundbefund noch alles möglich wäre und es bis zur Geburt auch noch länger dauern könnte, deswegen bestärkte sie uns auch darin, ruhig wieder nach Hause zu fahren, wenn sich bei den Wehen nun erstmal nichts mehr täte. Denn die waren während des gesamten Gesprächs, das fast eine halbe Stunde dauerte, wie weggeblasen. Ich musste den Aufnahmebogen auch noch nicht unterschreiben. Stattdessen entschieden wir uns dann dazu, dass wir nun erstmal noch eine Weile spazieren gehen und schauen, was passiert, ob die Wehen wieder stärker werden, oder nicht.

Unterwegs war ich wirklich hin und hergerissen. Ich war mir sicher, dass sich vermutlich erstmal gar nichts mehr in der Krankenhausatmosphäre tun wird und ich mich sicher kaum entspannen könnte oder zur Ruhe kommen würde. Wir brauchten nur fünf Minuten zur Klinik, warum dann nicht einfach nochmal nach Hause fahren und wenn es dann tatsächlich stärker werden oder vielleicht sogar die Fruchtblase platzen würde, wären wir sofort wieder dort gewesen. Zu Hause wäre ich wieder in meiner vertrauten Umgebung gewesen und hätte mich sicher wohler gefühlt.
Etwas weinerlich und aufgewühlt hielt ich mehrmals inne. Die Wehen waren immer noch relativ wenig und nicht mehr sehr regelmäßig und auch Yannick war der Meinung, dass es sicher das Beste wäre, nochmal nach Hause zu fahren, um dort zumindest zu versuchen, ein wenig zur Ruhe zu kommen oder vielleicht sogar zu schlafen. Ich rief noch kurz meiner Mama an, um ihr Bescheid zu sagen, dass wir wohl wieder kommen und Yannick und ich gingen zurück zur Entbindungsstation, um den Hebammen von unserem Entschluss zu erzählen. Inzwischen war es bereits nach halb elf, wir waren fast 1 ½ Stunden draußen gewesen. Zurück auf der Station empfing uns dann eine neue Hebamme, da gerade Schichtwechsel gewesen war. Dieser erzählten wir sofort, dass wir doch nochmal gerne nach Hause fahren würden und sie meinte auch gleich, dass sie mit ihren Kolleginnen schon über uns gesprochen hätte und sie alle auch der Meinung wären, dass das vermutlich erstmal die beste Entscheidung wäre. Allerdings wollte sie vorher noch gerne ein zweites CTG schreiben und auch die Ärztin sollte mich nochmal untersuchen, um zu sehen, ob und was sich am Muttermund getan hätte.

Wieder am CTG waren keine Wehen mehr zu sehen. Dafür war der kleine Mann so zappelig und bewegte sich so stark, dass ständig die Herztöne weg waren und das CTG wenig aussagekräftig. Ich war schon etwas genervt und redete dem Baby gut zu, dass wir doch nach Hause wollen und er nun doch mal seine Herztöne abhören lassen soll. Nach einer halben Stunde kam Anouk, die Hebamme, wieder und war über das CTG ziemlich amüsiert. Unser Baby wäre wirklich sehr aktiv und mit dem CTG könnte sie leider noch nichts anfangen, weswegen sie dann noch etwas länger schreiben wollte. Nun denn. Baby zappelte weiter fleißig und ich sah mich noch in einer Stunde am CTG hängen…Inzwischen war es fast halb zwölf. Yannick wurde auch langsam müde und wir wollten einfach nur nach Hause.

Ich lag also auf dem Krankenhausbett und schaute abwechselnd auf das CTG und meinen wackelnden Bauch. Keine zehn Minuten, nachdem Anouk bei uns gewesen war, spürte ich einen Tritt vom kleinen Mann und nahm ein leises Knacken wahr. Ups. Ich musste nicht lange überlegen, was das gewesen war, denn nur ein paar Sekunden später, spürte ich etwas Warmes zwischen meinen Beinen. Leicht panisch und gleichzeitig grinsend schaute ich zu Yannick und sagte nur: „Ich glaube, die Fruchtblase ist gerade geplatzt.“ Wir drückten die Klingel und nur wenig später kam die Ärztin zu uns, der wir erzählten, was passiert war. Ich war noch leicht geschockt, dass es nun doch so schnell gegangen war und während sie mich von meiner nassen Hose befreite, fingen meine Beine extrem an, zu zittern. Da hatte uns der kleine Mann nun doch tatsächlich die Entscheidung, ob wir in der Klinik bleiben oder doch nochmal nach Hause fahren sollten, abgenommen…Puh, das musste ich nun erstmal kurz sacken lassen. Ich weiß noch, wie die Ärztin zu uns sagte, dass wir einen guten Zeitpunkt erwischt hätten, da wir wohl gerade die Einzigen auf der Entbindungsstation waren und es somit sehr ruhig war und alle Räume zur Verfügung standen.
Es war nun etwa viertel vor zwölf. Nachdem Yannick die Kliniktasche aus dem Auto geholt und die Ärztin mir beim Umziehen geholfen hatte, ging ich zur Toilette, atmete tief durch und ging in mich. Es war nun nicht mehr aufzuhalten, mir wurde immer mehr bewusst, dass ich in wenigen Stunden mein zweites Baby im Arm halten würde.

Zurück auf dem Zimmer kam Anouk zu uns und legte mir den Zugang für die Antibiotika-Infusion, zu der ich mich dann letztendlich doch entschieden habe, da auch Yannick sie für sinnvoll hielt und wir kein Risiko eingehen wollten, selbst wenn es noch so gering war. Im Zimmer selbst gab es keine Dinge, wie Bälle oder Seile, aber Anouk meinte, dass sie uns das alles bringen könnte und da mir der Gymnastikball zu Hause schon so gut getan hatte, entschied ich mich nun auch hier wieder dafür. Während also die Infusion durchlief, wippte ich auf dem Ball auf und ab und stellte fest, dass die Wehen nun langsam wieder kamen. Wobei langsam untertrieben ist, da sie nun definitiv deutlicher zu spüren waren, als zuletzt am CTG. Die Abstände wurden auch immer kürzer und ich zählte bald weniger als fünf Minuten. Jedes Mal, wenn nun eine Wehe im Anmarsch war, fing ich leicht an, zu fluchen. Sie waren zwar auszuhalten, aber dennoch bekam ich langsam Angst.
Anouk kam wieder zu uns, befreite mich von der Infusion und setze sich mit in den Raum. Ich war nun sehr emotional, konnte meine Gefühle aber nicht wirklich mit Worten beschreiben. Die so schnell stärker werdenden Wehen machten mir Angst, da ich nicht wusste, wie viel stärker sie noch werden würden und ich mich auch ein wenig an die Geburt von Mika-Flynn erinnert fühlte, bei der es nach Blasensprung auch ziemlich schnell sehr schmerzhaft wurde. Anouk beruhigte mich, meinte noch, es wäre gut, wenn ich weine, ich soll meine Gefühle rauslassen, das wirke befreiend und täte gut. Ich war auch traurig, weil ich an Mika-Flynns Geburtstag dachte und erzählte ihr davon, wie gerne ich doch am nächsten Tag bei ihm wäre. Und dann weiß ich noch, wie ich sagte, dass ich mir das nun einfach ganz fest wünsche. Wie es werden soll. Die Geburt und alles Drumherum. Und dass ich am nächsten Tag ganz bestimmt wieder zu Hause sein könnte.

Auch Yannick bestärkte mich darin, während die Wehen nun immer stärker wurden. Wir hörten Entspannungsmusik (zur Regenbogenentspannung aus dem HypnoBirthing-Buch) und er massierte mir dabei den Rücken, während ich mich versuchte, weiter auf meine Atmung zu konzentrieren und dabei auf dem Ball wippte. Mit jeder kommenden Wehe schloss ich die Augen und versuchte sie so gut es ging mit tiefem Ausatmen in den Bauch zu kontrollieren. Irgendwann konnte ich dann aber nicht mehr auf dem Ball sitzen, stellte mich gebeugt hin und hielt mich, oder besser, krallte mich an dem Fußende des Bettes fest, während ich weiter veratmete.
Anouk hatte mich, bevor die Wehen stärker wurden, schon gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, in die Gebärwanne zu gehen und ich hatte, anfangs noch nicht sicher, ob ich es möchte, nun das starke Bedürfnis nach der Wärme des Wassers, da ich mich nun auch im Stehen nicht mehr sehr wohl fühlte. An Liegen war gar nicht mehr zu denken. Wir klingelten nach ihr und ich äußerte den Wunsch nach der Wanne, sie wollte aber vorher noch bei einer Wehe dabei sein, um zu sehen, wie stark sie nun waren. Und was sie sah, überzeugte sie wohl. Allerdings wollte sie vorher noch einmal nach dem Muttermund sehen, wofür ich mich dann leider doch nochmal hinlegen sollte. Ich wartete hierfür eine Wehenpause ab und Anouk begann, zu tasten. Wieder zitterten meine Beine unkontrolliert. Der Muttermund war nun wohl 5-6 cm geöffnet, also hatte sich nochmal gut etwas getan. Leider fand der kleine Mann das Abtasten überhaupt nicht gut und ich spürte, wie er sich auf einmal ziemlich ruckartig bewegte und Anouk etwas erschrocken meinte, dass er sich gerade etwas ungünstig gedreht hat. Okay…was sollte das nun heißen? In dem Moment wusste ich sofort wieder, warum ich mich nicht ständig abtasten lassen wollte…Ich fragte Anouk, was das nun bedeuten würde und sie erklärte mir, dass seine jetzige Position zwar einer normalen Entbindung nicht im Weg stehen, sie aber erschweren würde, denn er lag nun mit dem Gesicht nach oben, als sogenannter Sternengucker. Nun stieg sofort wieder Panik in mir hoch. Wir hatten es nun schon so weit geschafft, alles sah gut aus und nun so ein Befund. Die Schmerzen waren inzwischen wirklich heftig und ich wollte mir nicht vorstellen, wie es wäre, ein Baby zu gebären, das nicht die optimale Lage hat.

Ich sollte nun durch eine andere Haltung versuchen, dass sich das Baby wieder dreht und ging dafür auf dem Bett in den Vierfüßlerstand. Angenehm war anders, aber was blieb mir anderes übrig. Anouk verließ uns wieder und sagte, dass sie nun die Gebärwanne vorbereitet.

Zeitgefühl hatte ich in diesem Moment sowieso keines mehr. Die Wehen kamen nun in Abständen von einer Minute, es ging wirklich alles so schnell. Ich versuchte, so gut es nun noch ging, mit dem Popo in der Höhe, sie zu veratmen, dabei fing ich an zu tönen und summen. Ich fragte mich nur, warum es so lange dauert, bis sie das Wasser eingelassen hat und wurde nun immer panischer, denn auf einmal konnte ich die Wehen kaum noch veratmen, da sie nun immer schneller kamen und so gut wie keine Pausen mehr dazwischen lagen, in denen ich Luft holen konnte. Ich schrie und weinte, dass ich nicht mehr kann, hatte furchtbare Angst und Yannick, der so wunderbar mit mir mit geatmet hatte, reagierte sofort, indem er nach Hilfe klingelte. Der Drang zu pressen wurde immer stärker und ich konnte nicht mehr dagegen halten. Zum Glück kam Anouk dann sofort, auch wenn es mir wie eine Ewigkeit vorkam. Sie wies mich an, aufzustehen und nun ganz schnell mit ihr in den Entbindungssaal zu gehen. Unterwegs jammerte ich nur, wie weh es doch tut. „Ja, das tut jetzt weh. Aber Sie machen das toll.“, entgegnete Anouk. Im Entbindungssaal registrierte ich zwar die Wanne und das einlaufende Wasser, wurde aber nicht sofort dorthin geführt, sondern an ein Krankenhausbett, vor das ich mich hinknien sollte. Yannick sollte auf die andere Seite und sich ebenfalls so hinknien, dass ich mich an seinen Armen, die er über das Bett legte, festhalten konnte. Mir wurde noch eine Matte unter die Knie geschoben und Anouk schaute ein letztes Mal nach dem Muttermund, um festzustellen, dass er nun, innerhalb kürzester Zeit, komplett geöffnet war. Und was noch viel besser war und mir nun den letzten Energieschub gab: das Baby hatte sich wieder in die richtige Position gedreht und lag nun mit dem Gesicht nach unten. Ich atmete, so gut es noch ging und bin so dankbar und froh, dass Yannick mitmachte und mir den Rhythmus vorgab. Auch wenn er nach der Geburt meinte, dass er durch das schnelle Ein- und laaange Ausatmen fast selbst ohnmächtig geworden wäre, weil es zu viel Sauerstoff für ihn war. Ich schrie die Luft mit jeder Wehe heraus und vertönte die Schmerzen mit lang gezogenen As. Es war mir völlig egal, wie laut ich dabei wurde, denn wichtig war nur, dass es mir half, mit den Schmerzen besser umzugehen. Das alles ging nur wenige Minuten. Die Wanne kam nochmal zur Sprache, aber ich fragte nur noch, wie lange es noch dauern würde und als Anouk entgegnete: „Nicht mehr sehr lange“, war das für mich Antwort genug, mich nicht wegen fünf Minuten oder weniger diesen endlos scheinenden Weg zur Wanne plagen zu müssen, deswegen entschied ich mich, im Knien unser Baby auf die Welt zu bringen. Als ich es schier nicht mehr aushielt, fragte ich Anouk, ob ich nun mitschieben darf und das Ja von ihr war einfach nur erlösend. Nun ging alles so schnell. Ich drückte und schob, allerdings so sehr, dass Anouk mich anfuhr, ich solle bitte langsamer machen und nur während der Wehe mitschieben, nicht wenn es gar nicht drückte. Haha. Dieses Gefühl, dass es einen zerreist, war enorm, aber ich wusste, dass ich es fast geschafft hatte und das gab mir nun nochmal unheimlich Kraft. Ich klammerte mich an Yannicks Arme, gab nochmal alles und spürte, wie sich das Köpfchen seinen Weg bahnte. Im Nachhinein waren es keine Schmerzen, sondern nur ein extremer und unfassbar intensiver, brennender Druck. Nur noch einmal Mitschieben und der Kopf war draußen. Ein letztes Mal warten auf die nächste Wehe, mit der ich den restlichen Körper nach draußen schieben durfte. Es war überwältigend. Sie rollte an, ich drückte und schrie mit aller Kraft ein letztes Mal und dann lag er da, zwischen meinen Beinen, unser wunderbarer Sohn, Taavi Louk, und schrie. Ich konnte es nicht fassen, alle Emotionen strömten nur so aus mir hinaus und ich begann, zu schluchzen und zu weinen, vor Freude, Glück und Erleichterung. Bevor ich mein Baby in den Arm nehmen konnte, musste ich zuerst ein paarmal tief ein- und ausatmen, es war nicht lange, kam uns aber ewig vor, wie er da so zwischen meinen Beinen lag. In dem Moment hätte ich auch nicht gewusst, wie ich ihn hochnehmen soll, deswegen bat mich Anouk, vorsichtig mit ihr aufzustehen und mich ins Bett zu legen, wo mir Taavi sofort auf die Brust gelegt wurde. Mein wunderhübsches Baby, so klein und zart. Da lag er nun und schaute mich mit großen und wachen Augen an. Nach nur 2 ½ wirklich intensiven und überwältigenden Stunden hatten wir es geschafft und Taavi um 02:14 Uhr das Licht der Welt erblickt. Ohne Schmerzmittel und ganz bewusst hatte ich unseren zweiten Sohn geboren. So, wie ich es mir gewünscht hatte, im Großen und Ganzen selbstbestimmt und ohne weitere Einflüsse. Ohne größere Verletzungen, lediglich mit ein paar Abschürfungen. Die meiste Zeit nur mit meinem wundervollen und einfühlsamen Partner an meiner Seite, der mich so toll unterstützt hat und bei mir war und zwischendurch und zum Schluss mit einer tollen Hebamme, die uns von Anfang bis Ende begleitet hat. Ich hätte mir die Geburt kaum schöner vorstellen können und bin auch jetzt noch sehr überwältigt, dass ich nach der doch eher komplikationsreichen Geburt von Mika-Flynn nun die Erfahrung einer völlig natürlichen Geburt machen durfte.

Ich bin mir sicher, dass die Vorbereitung darauf auch einen großen Teil dazu beigetragen und mir geholfen hat. Dass ich so lange zu Hause geblieben bin, bis ich intuitiv spürte, nun in die Klinik zu fahren und dort dann doch alles ganz schnell ging. Ich bin einfach nur dankbar für diese wundervolle Erfahrung und diese traumhafte Geburt, deren Schmerzen ich schon längst wieder vergessen habe.

Taavi wurde abgenabelt, indem Yannick die Nabelschnur durchtrennte und nach intensivem Bonding, zuerst mit mir, dann als ich kurz duschen und zur Toilette gehen durfte, mit seinem Papa, verbrachten wir noch fast vier Stunden im Entbindungssaal, zwischendurch wurde Taavi gewogen, gemessen und untersucht. Für Yannick wurde ein Bett gebracht und an meines geschoben, sodass wir sogar noch ein paar Stunden schlafen konnten. Sechs Stunden sollten Taavi und ich nach der Geburt noch mindestens zur Beobachtung in der Klinik bleiben. Um halb sieben musste Yannick dann nach Hause, weil der Entbindungssaal gebraucht wurde und Taavi und ich kamen auf die Wöchnerinnen-Station. Schöner wäre es natürlich gewesen, bis zur Entlassung zusammen zu bleiben, aber die Zeit war zum Glück absehbar. Außerdem war Yannick so zu Hause, wenn Mika-Flynn aufwachen würde und konnte ihm als Erster zum Geburtstag gratulieren und mit ihm Geschenke auspacken.

Auf dem Zimmer war ich nur damit beschäftigt, meinem Baby beim Schlafen zuzusehen, an ihm zu schnuppern und seinen wunderbaren Duft einzuatmen und zu hoffen, dass bald die Ärzte und Hebammen kommen würden, um die Abschlussuntersuchungen durchzuführen und ihr OK zu geben, dass wir nach Hause dürfen. Um 8 Uhr hätten wir theoretisch gehen können, allerdings zog sich natürlich alles etwas. Um 9 Uhr zur Besuchszeit kam dann Yannick wieder und letztendlich konnten wir dann um halb zwölf, nach nicht einmal 18 Stunden in der Klinik, zu Dritt nach Hause. Wir waren beide wohl auf und es ging uns gut.

Wie ich es mir gewünscht hatte, konnten wir unseren großen Schatz zu seinem Geburtstag mit einem ganz besonderen Geschenk überraschen und einen wohl unvergesslichen dritten Geburtstag und gleichzeitig den Tag der Geburt seines kleinen Bruders zusammen feiern. Ich bin mir nun im Nachhinein ganz sicher, dass das alles seinen Grund hatte und so sein sollte. Die Beiden, am gleichen Tag Geburtstag. Eine ganz besondere Verbindung zwischen meinen zwei Jungs, unseren wundervollen Söhnen.

Weitere Artikel von uns:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.