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Nabelschnur auspulsieren lassen: Vor- und Nachteile


Du bereitest Dich gerade auf die Geburt vor und machst Dir Gedanken darüber, wie Dein Baby abgenabelt wird? Vielleicht fragst Du Dich, warum man über das Thema spätes Abnabeln und Nabelschnur auspulsieren lassen im Moment so viel hört und liest. Und was es für einen Sinn hat, mit dem Abnabeln des Babys so lange zu warten, bis durch die Nabelschnur kein Blut mehr fließt.

Vielleicht überlegst Du auch, Nabelschnurblut zu spenden oder für Dein Kind einzulagern. Warum ist das mit dem Auspulsieren lassen der Nabelschnur nicht vereinbar? Oder möchtest Du einfach nur wissen, aus welchen Gründen spät oder früh abgenabelt wird?

Alle Fragen zum Thema Nabelschnur auspulsieren lassen möchte ich heute klären.

Was bedeutet Nabelschnur auspulsieren lassen?

Beim Auspulsieren der Nabelschnur wartet das geburtshilfliche Team mit dem Durchtrennen der Nabelschnur so lange, bis die Nabelschnur nicht mehr pulsiert und die Gefäße in sich zusammenfallen.

Wenn das Baby ganz frisch geboren ist, kannst Du Dir die Nabelschnur wie ein pralles, etwa daumendickes Kabel vorstellen. Ähnlich wie früher die geringelten Kabel an alten Telefonen aussahen. Durch dieses Kabel wird immer noch Blut zum Baby gepumpt. Das erkennst Du daran, dass die Nabelschnur pulsiert — das heißt, im Herzschlagrhythmus des Babys “klopft”. Bestimmte Vorgänge im Körper von Mutter und Kind sorgen aber dafür, dass das Blut lediglich in eine Richtung fließen kann, nämlich zum Baby hin. Es kann kein kindliches Blut in die Plazenta zurückfließen und das Baby verliert auch kein Blut.

Nabelschnur auspulsiert lassen: Dauer

Das späte Abnabeln findet für gewöhnlich innerhalb der ersten halben Lebensstunde statt. In vielen Kreißsälen wird aber bereits ab der zweiten Lebensminute vom späten Abnabeln gesprochen.

Welche Vorteile hat das Auspulsieren der Nabelschnur?

Neben dem ganzheitlichen Ansatz, bei dem man dem Kind die “Entscheidung” überlässt, wann es alleine und ohne Mamas Unterstützung durch die Nabelschnur seinen Körper versorgt, gibt es weitere praktische und gesundheitlich relevante Aspekte, die FÜR das späte Abnabeln sprechen.

  • Das Blutvolumen und die Zahl der roten Blutkörperchen beim Baby steigen an, da sich bei der Geburt noch eine beachtliche Menge an Blut in der Plazenta befinden kann.
  • Gerade Frühgeborene oder Kinder nach anstrengenden Geburten profitieren von der zusätzlichen Blutmenge, da der Eisenwert und auch das Geburtsgewicht sich dadurch erhöhen.
  • Das Baby bekommt wertvolle Stammzellen mit, die Immunabwehr wird verbessert.
  • Die Lösung des Mutterkuchens ist mit deutlich weniger Komplikationen verbunden.

Diese Vorteile des späten Abnabelns lassen sich durch unterschiedliche Studien belegen und sind seit langer Zeit bekannt. In der außerklinischen Geburtshilfe werden die Babys nahezu immer spät abgenabelt, manchmal sogar erst, wenn die Nabelschnur schon komplett eingetrocknet ist.

Hat das Nabelschnur auspulsieren lassen Nachteile?

Diese Frage stellt sich unweigerlich. Denn sonst würde das späte Abnabeln ja überall praktiziert, oder? Ehrlich gesagt denke ich, dass die Gründe, aus denen in den meisten Kliniken standardmäßig rasch abgenabelt wird — also bereits wenige Sekunden, nachdem das Baby geboren ist– größtenteils organisatorischer Natur sind.

Und obwohl Studien diese Behauptungen teilweise widerlegen, hatte ich in meinem Arbeitsumfeld häufig auch mit nicht korrekt erfassten Nachteilen, Vorurteilen oder Ängsten zu tun.

So hat zu mir beispielsweise einmal ein Kinderarzt gesagt, die Kinder seien nach dem Nabelschnur auspulsieren lassen deutlich häufiger polyglobul. Das heißt, sie hätten einen viel zu hohen Eisen- und Hämatokrit-Wert, also platt formuliert zu dickes Blut. Gerade in den ersten Tagen, wenn die Kinder wenig Flüssigkeit aufnehmen, könne dieses zu dicke Blut zu einer erhöhten Belastung für Herz und Nieren führen. Und tatsächlich habe ich bei meiner Recherche für diesen Artikel in einer Fachzeitschrift etwas darüber gefunden. Dort wird aber eindeutig darauf verwiesen, dass lediglich reife Neugeborene mit einem ausdrücklichen Risiko für diese Polyglobulie, wie es z.B. bei einem schlecht eingestellten Gestationsdiabetes der Fall sein kann, nicht zu spät abgenabelt werden sollten. Frühchen oder Kinder, die in Ländern mit vielen Eisenmangelanämien geboren werden, profitieren aber immer und ein gesundes, reifes Neugeborenes entwickelt in der Regel gar keine Polyglobulie.

Ebenso enkräftet ist die Behauptung, dass es beim späten Abnabeln zu einem höheren Blutverlust der Mutter kommt. Wie oben erwähnt, belegen Studien sogar, dass Komplikationen bei der Plazentageburt und damit einhergehende Blutungen oder Folgeeingriffe nach dem Auspulsieren der Nabelschnur seltener auftreten.

Keine Nabelschnurblut-Spende nach spätem Abnabeln möglich

Es gibt nur drei Gründe, die gegen das das späte Abnabeln sprechen:

  • Die Nabelschnurblutspende ist nicht möglich, da das Blut, das eigentlich gesammelt und eingelagert wird, eben ins Baby fließt und nicht abgenommen werden kann.
  • Nach einem Kaiserschnitt ist das Auspulsieren nicht möglich, da die große Wundfläche am Bauch der Mutter schnellstmöglich wieder verschlossen werden muss.
  • Die Gefahr für einen erhöhten Bilirubin-Wert und eine damit einhergehende Neugeborerengelbsucht ist leicht erhöht

Entsprechend der Zahlen, auf die ich im Rahmen meiner Recherche gestoßen bin, ist Letzteres eher zu vernachlässigen, da die positiven Aspekte des Nabelschnur auspulsieren lassens deutlich überwiegen.

Außerdem ist eine gute Prophylaxe gegen kindliche Gelbsucht beispielsweise frühes Anlegen und ein früher Milcheinschuss. Ich kann mir vorstellen, dass das ungestörte Bonding von Mutter und Kind durch ein spätes Abnabeln durchaus einen guten Puffer bietet. Dafür sprechen ebenfalls wieder die Zahlen und Erfahrungen aus der außerklinischen Geburtshilfe. Dort kommt es trotz des späten Abnabelns nicht häufiger zu einer Neugeborenengelbsucht als bei früh abgenabelten in der Klinik geborenen Babys.

Warum ist frühes Abnabeln in vielen Kreißsäalen trotzdem normal?

In Notsituationen, wenn Mutter oder Kind schnell einzeln versorgt werden müssen, ist ein zügiges oder sofortiges Abnabeln natürlich unumgänglich. Ich denke aber auch, dass damit die wenigsten Eltern ein Problem haben. Denn oberste Priorität haben natürlich immer die Gesundheit von Mama und Kind.

Die Frage ist eher, warum in den allermeisten Kliniken standardmäßig früh abgenabelt wird. Ich habe selbst viele Geburten in unterschiedlichen Kreißsälen betreut und deshalb auch Erfahrung aus der alltäglichen Praxis. Ganz sicher sind oftmals eingefahrene Muster ein Grund dafür, an bestehenden Abläufen nichts zu verändern. Im Stil von “das machen wir schon immer so und den Kindern geht’s nach der Geburt ja gut” hält man an alten Zöpfen fest. Teilweise vielleicht aus Bequemlichkeit. Oder, weil man die Vorteile gar nicht so sehr vor Augen hat oder als nicht so bedeutend erachtet.

Nabelschnur auspulsieren lassen verzögert die Nachgeburt

Aber es gibt auch einen anderen, nicht zu unterschätzenden Aspekt, den Du Dir klar machen musst. Und zwar die Hebammen und Geburtshelfer, die im Kreißsaal nicht selten vier Füße und acht Hände brauchen könnten.

Frühes Abnabeln geht einfach schneller und ist für das Personal, gerade in stressigen Zeiten mit vielen Geburten parallel, viel leichter zu bewerkstelligen. Bis zur Geburt der Plazenta muss eine Hebamme die Mutter intensiv betreuen. Erst, wenn auch der Mutterkuchen geboren ist, gilt die Geburt als beendet. Dann kann die Hebamme sich mit voller Aufmerksamkeit der nächsten Frau und dem nächsten Baby zuwenden. Wenn ich nach 5 Sekunden die Nabelschnur abklemme und das Baby abnable, dann sofort ein Wehenmittel zur Plazentageburt gebe, ist der Mutterkuchen innerhalb von 5-15 Minuten in der Regel geboren.

Beim späten Abnabeln kann es locker 20-30 Minuten dauern, bis die Nabelschnur auspulsiert hat und die Plazenta geboren wird. Manchmal sogar über eine Stunde. Für eine Hebamme, die mehrere Frauen gleichzeitig betreuen muss, ist dieser höhere Zeitaufwand ein echter Spagat. Somit sehen viele Kliniken standardmäßig ein frühes Abnabeln vor.

Das soll keinesfalls eine Rechtfertigung sein, Deinem Wunsch nach einem Auspulsieren lassen der Nabelschnur nicht nachzukommen. Sondern lediglich eine Erklärung, dass es in Zeiten von Hebammenmangel und schließenden Kreißsälen auch praktische Gründe für bestimmte Abläufe gibt.

Was kannst Du tun, wenn Dir das späte Abnabeln wichtig ist?

Ganz kurz und klar: Kommuniziere das so! Nutze zunächst den Infoabend Deiner Wunschklinik, um einen ersten Eindruck zu bekommen, wie generell das Vorgehen beim Abnabeln ist. Trau Dich ruhig auch, entsprechende Fragen zu stellen.

Ansonsten gibt es einen Termin zur Vorstellung zur Geburt oder ein Geburtsplanungsgespräch, bei dem Du die Möglichkeit hast, diesen Wunsch in Deiner Akte festhalten zu lassen. So weiß die Hebamme, die Dich unter der Geburt betreut, dass es Dir wichtig ist. Dann wird man natürlich immer versuchen, das Nabelschnur auspulsieren möglich zu machen.

Allerspätestens bei der Geburt darfst Du oder auch Dein Partner darauf hinweisen, dass Ihr Euch das Nabelschnur auspulsieren wünscht. Damit Euer Wunsch nicht in Vergessenheit gerät und Dein Baby den besten Start in Euer “getrenntes” gemeinsames Leben hat.

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