Nix mit Durschlafen


Da meine Tochter über 3 Jahre brauchte, bis sie begann durchzuschlafen und ja immer behauptet wird, dass jedes Kind anders sei, hoffte ich in der Schwangerschaft inständig, bald eines dieser seltenen, durchschlafenden Exemplare mein Baby nennen zu dürfen.

Meine Kinder sind sich jedoch entgegen dieser Behauptung in vielen Belangen recht ähnlich und so weckt mich der Bub – genau wie seine Schwester damals ­– in regelmäßigen, teils sehr kurzen Abständen. Jede Nacht. Ausnahmslos.

Die wenigen Babys, die nachts tief und fest durchschlafen, wurden offensichtlich im Bekanntenkreis verteilt, ich erhielt wieder eins, das ständig aufwacht. Aber das ist ok, denn ich hatte trotz meiner Hoffnung auf das Gegenteil damit gerechnet.

Was ist normal?

In den ersten schlaflosen Wochen mit unserem Mädchen hatte ich oft an meiner Tochter, an mir und an meinen Fähigkeiten als Mutter gezweifelt. Ich glaubte ihr Schlafverhalten sei unnormal und mit ihr stimme etwas nicht. Oder mit mir.

Dann beschäftigte ich mich etwas ausführlicher mit dem kindlichen Schlaf und las viele gute Bücher zu dem Thema, als ich schließlich feststellte, dass meine Tochter keine Ausnahme darstellt und genau so schläft, wie es die meisten gesunden, gestillten Babys tun. Nämlich am liebsten in meiner Nähe und mit regelmäßigen Trinkpausen.

Das war 2012 und ich war damals erleichtert und empört zugleich. Erleichtert, weil ich offensichtlich gar nichts falsch gemacht hatte. Babys schlafen nun mal nicht durch – zumindest nicht 12 Stunden am Stück. Nun und meine Empörung wuchs, weil das Bild von einem schlafenden Baby in unserer Gesellschaft mächtig verzerrt ist.

„Während wir in Deutschland spätestens mit dem 6. Monat von unseren Kindern erwarten (im eigenen Bett) durchzuschlafen, geben indische Eltern beispielsweise ihrem Nachwuchs bis zum 5. Lebensjahr Zeit. Diese unterschiedlichen Sichtweisen haben einen erheblichen Einfluss auf den Umgang mit der Schlafsituation. Stufen Eltern die nächtlichen Unruhen ihres Kindes als normal und altersgerecht ein, werden sie liebevoll auf ihr Kind eingehen können und sanfte Wege finden, die schlaflose Zeit zu meistern. Sind sie dagegen überzeugt, ihr Kind hat ein ernsthaftes Schlafproblem oder schlimmer noch, es will sie nur ärgern mit seinem nächtlichen Aufwachen, werden sie mit aller Wahrscheinlichkeit versuchen sein Verhalten zu ändern“ (siehe „Warum Babys nicht durchschlafen“).

Schlafen, aufwachen, schlafen, aufwachen…

Obwohl ich mir natürlich ein durchschlafendes Baby gewünscht hatte – Wer wünscht sich das nicht? – rechnete ich fest mit einem „normal“ aufwachenden Menschlein und wurde nicht enttäuscht ;) Der Bub meldet sich zuverlässig alle zwei Stunden, oft sogar stündlich.

Das ist furchtbar anstrengend, aber da ich ja mit dem zweiten positiven Schwangerschaftstest genau wusste, was auf mich zukommt und auch, dass es sich nur um eine verhältnismäßig kurze Zeitspanne handelt (unsere Dreijährige schläft mittlerweile viele Stunden am Stück), kann ich gelassener damit umgehen.

Und diese Gelassenheit und innere Ruhe (ich kann ja eh nichts daran ändern), hilft mir ungemein. Sie ändert zwar nichts daran, dass das ständiges Geweckt-werden kräftezehrend ist. Aber den Buben nun ohne Schuldgefühle (Was mache ich falsch?) und schlechtes Gewissen (Verwöhne ich ihn, wenn ich ihn so viel stille und bekuschle?) nachts zu umsorgen, fühlt sich sehr viel besser an.

Familienbett und nächtliches Stillen

Er durfte von der ersten Nacht an bei mir schlafen, was ihm die Nähe gibt, die er braucht und was zudem das nächtliche Stillen ungemein erleichtert. Ich stille ihn nämlich direkt im Liegen und wir schlafen meist beide dabei wieder ein. Irgendwann in der Nacht rolle ich mich auf die andere Seite, damit er nicht nur an einer Brust trinkt. Aber all das passiert ohne Zeitplan und großes Nachdenken, sondern willkürlich im Halbschlaf.

So auf der Seite dem Kind zugewandt ist nicht immer die bequemste Liegeposition für mich und ich freue mich über jeden Moment, in dem er sich satt und zufrieden weg dreht und ich voll ausgestreckt auf dem Rücken (meine Lieblingsposition) schlafen darf. Doch wenigstens kann ich im Gegensatz zu vielen Frauen problemlos im Liegen stillen und auch dabei einschlafen. Das allein ist Gold wert.

Schlimmer geht immer

Schrecklich sind nur die Nächte, in denen ich aufstehen muss, weil er nicht im Liegen zur Ruhe kommt. So wie gestern Nacht. Gegen Mitternacht zappelte er plötzlich nervös neben mir und stieß schrille Laute dabei aus. Seltsame Laute, die ich so nicht von ihm kannte. Ich versuchte ihn zu stillen, aber er dockte sich nach wenigen Sekunden ab und quiekte wieder. Nach mehreren erfolglosen Versuchen hatte er die Nase voll und weinte. Als ich ihn auf den Arm nahm und durch die Wohnung lief, beruhigte er sich.

Weil ich selbst hundemüde war, legte ich mich immer wieder mit ihm hin. Ich platzierte ihn mal neben mir. Mal auf mir. Doch er protestierte jedes Mal mit lauten Gejaule. Erst nach circa 2 Stunden schlief er erschöpft auf meinen Armen ein – während ich lief und lief… :(

Wie geht’s weiter?

Unser Mädchen benötigte etwas mehr als drei Jahre bis bei ihr von Durchschlafen (zumindest Nächteweise) die Rede sein konnte. Wie lange ihr Brüderchen von uns in den Schlaf bzw. beim Schlafen begleitet werden möchte, wird sich zeigen. Ich werde ihm jedenfalls, genau wie seiner Schwester, die Zeit und Nähe geben, die er benötigt, denn ich habe immer diese wunderbaren Worte im Kopf:

Die Zeit, die unsere Kinder in unseren Armen, an Mamas Brust und in unserem Bett verbringen, ist ein vergleichsweise kurzer Teil ihres Lebens, doch die Erinnerung an unsere Liebe und Verfügbarkeit auch in der Nacht, werden sie ein Leben lang begleiten.
(William Sears, Schlafen und Wachen)

 

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