Alles über vorzeitige Wehen

Alles über vorzeitige Wehen


In den letzten Wochen vor der Geburt kommt es immer häufiger zu leichten Kontraktionen der Gebärmutter. Das ist normal! Die Gebärmutter übt für die Geburtswehen. Treten die Kontraktionen aber über einen längeren Zeitraum auf und werden als schmerzhaft und unangenehm empfunden, kann es sich um vorzeitige Wehen handeln. Diese können unter Umständen den Gebärmutterhals verkürzen und den Muttermund eröffnen.

Wann spricht man von vorzeitigen Wehen?

Wenn Dein Baby vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen möchte, spricht man von einer drohenden Frühgeburt bzw. vorzeitigen Wehen. Wenn Du keinen Blasensprung hast und es Dir und dem Kind gut geht, werden die Ärzte meistens versuchen, die Geburt so lange wie möglich hinauszuzögern. Manchmal kann aber auch die Beendigung der Schwangerschaft, durch einen Kaiserschnitt oder eine Spontangeburt, das Beste für das Baby sein. Jeder Fall muss von den Ärzten individuell entschieden werden.

Gerade vor der 34. Schwangerschaftswoche ist jeder Tag für Dein Baby entscheidend für die weitere Prognose, da in dieser Zeit die Entwicklung der Lungen noch nicht abgeschlossen ist. Aus diesem Grund wird meines Wissens der Mutter bei einer drohenden Frühgeburt zwei Gaben Kortison verabreicht. Das soll die Lungenreifung des Kindes beschleunigen.

Woran erkenne ich vorzeitige Wehen?

Vorzeitige Wehen können sich bei jedem etwas unterschiedlich bemerkbar machen. Wenn Du über einen längeren Zeitraum – öfter als dreimal stündlich – Gebärmutterkontraktionen spürst, musst Du an vorzeitige Wehentätigkeit denken. Manche Frauen spüren vorzeitige Wehen vor allem im Unterbauch oder Leistenbereich, andere im unteren Rücken. Vielleicht spürst Du auch, dass Dein Kind nach unten drückt. Wenn Du diese Anzeichen vor der 37. Schwangerschaftswoche spürst, solltest Du einen Arzt aufsuchen. Treten zusätzlich Blutungen auf oder platzt die Fruchtblase, musst Du umgehend in die Klinik!

Warum kommt es zu vorzeitigen Wehen?

Es gibt viele verschiedene Gründe für vorzeitige Wehentätigkeit. Körperliche, aber auch seelische Ursachen können diese Wehen auslösen. Besonders häufig betroffen sind allerdings Frauen, die…

  • in der Vorgeschichte schon einmal eine Frühgeburt hatten
  • mit mehreren Kindern schwanger sind
  • zu viel Fruchtwasser haben
  • an einer Scheideninfektion, Bluthochdruck, Diabetes leiden
  • jünger als 18 Jahre oder älter als 35 Jahre sind
  • rauchen, Alkohol trinken, sich unzureichend ernähren, alleinstehend sind oder ungewollt schwanger geworden sind.

Wie kann der Arzt vorzeitige Wehen diagnostizieren?

Ob in der Praxis oder in der Klinik: Als erstes wird immer nach Deinem Muttermund getastet und der Gebärmutterhals per Ultraschall gemessen. Außerdem werden mit dem Herzton- und Wehenschreiber die Herztöne Deines Babys auch nach vorzeitigen Wehen untersucht.

Wie werden vorzeitige Wehen behandelt?

Generell kann ich Dir keine einheitliche Behandlung von vorzeitigen Wehen beschreiben. Je nachdem wie stark und wirksam die Wehen sind und zu welchen Zeitpunkt der Schwangerschaft sie auftreten, sind unterschiedliche Behandlungen denkbar:

  • Ruhe und Entspannung: Häufig genügt es, wenn Du Dir einige Tage Ruhe gönnst und körperliche Belastung vermeidest. Vor allem wenn Du weißt, das Du in den letzten Tagen viel körperlichen oder seelischen Stress hattest. Außerdem solltest Du erstmal auf Geschlechtsverkehr verzichten, da dadurch Wehen ausgelöst werden können.
  • Magnesium: Meistens wird Dir bei vorzeitiger Wehentätigkeit ein Magnesiumpräparat empfohlen. Diese sollen die Muskulatur und somit auch die Gebärmuttermuskulatur entspannen. Da eine Nebenwirkung von Magnesium Durchfall sein kann, ist Bryophyllum eine Alternative. Sprich mit Deiner Hebamme oder Arzt darüber.
  • Wehenhemmer: Wenn Dein Baby zwischen der 24. und 34. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen möchte, wird manchmal auch die Gabe einer Tokolyse (medikamentöser Wehenhemmer) notwendig. Nach aktuellen Empfehlungen sollten Wehenhemmer nicht länger als zwei Tage eingesetzt werden. Dies liegt einmal an den nicht zu unterschätzenden Nebenwirkungen auf Herz und Kreislauf. Abgesehen davon haben Studien gezeigt, dass deren langfristige Anwendungen die Frühgeburtenrate nicht senken können.
  • Antibiotika: Eine häufige Ursache von vorzeitigen Wehen ist eine Scheideninfektion. Vermutet man diese als Auslöser, wird sie mit Antibiotika behandelt.
  • Cerclage oder Muttermundverschluss: Eine Cerclage wird aufgrund einer Vielzahl von wissenschaftlichen Studien, die keinen eindeutigen Nutzen zur Verhinderung von Frühgeburten ergeben haben, nur noch sehr selten angewendet. Bei einer Cerclage wird der Gebärmutterhals unter einer Periduralanästhesie mit einem Kunststoffbändchen umschlungen und zusammengezogen oder bei einem totalen Muttermundverschluss vollständig zugenäht. Der Eingriff kann etwa ab der 15. Schwangerschaftswoche vorgenommen werden. Die Umschlingung wird etwa zwei bis drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin durchtrennt oder wenn die Wehen nicht mehr aufzuhalten sind.

Welche Klinik sollte ich bei vorzeitigen Wehen aufsuchen?

Wenn Du den Verdacht hast, unter vorzeitigen Wehen zu leiden, solltest Du gleich eine Geburtsklinik mit einer angeschlossenen Kinderklinik aufsuchen. Die Kinderklinik sollte eine gut ausgestattete Neonatalstation haben. Krankenhäuser ohne entsprechende Ausstattung, dürfen Schwangere nur ab der 37. Schwangerschaftswoche zur Geburt aufnehmen. In Kliniken mit großen, gut ausgestatteten Neonatalstationen haben Frühgeborene bessere Chancen als in kleinen, weniger spezialisierten Geburtskliniken.

2 Kommentare zu “Alles über vorzeitige Wehen

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