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Brust ausstreichen: Anleitung (mit Video) zum Abstillen, bei Milchstau oder zu viel Milch


Bei den wenigsten Müttern klappt das Stillen von Anfang bis Ende ohne jegliche Schwierigkeiten oder Komplikationen. Vielleicht hat Deine Hebamme oder eine Freundin Dir schon mal den Tipp gegeben, die Brust auszustreichen – und Du fragst Dich jetzt, wie genau das funktioniert und wann es sinnvoll ist? Als Mama von zwei Stillkindern will ich Dir darum hier zuerst in einer ganz praktischen Anleitung erklären, wie Du Deine Brust ausstreichen kannst.

Im Anschluss gebe ich Dir wichtige Tipps und Infos zu den Hintergründen – d.h., in welchen Fällen das Brust ausstreichen sinnvoll sein kann – und warum Muttermilch ausstreichen manchmal effektiver ist als das Abpumpen.

Brust richtig ausstreichen: Anleitung in 2 Schritten

1. Brust auf das Ausstreichen vorbereiten

Bevor Du Deine Brust ausstreichst, also Milch mit der Hand gewinnst, solltest Du Deine Brüste darauf vorbereiten. Alles, was die Durchblutung fördert und den Milchfluss anregt, ist dabei förderlich:

  • Warme Auflagen bzw. Kompressen
  • Eine warme Dusche oder ein entspannendes Bad
  • Vorsichtiges Massieren der Brust mit den Händen
  • Sanftes Schütteln der Brüste
  • Ruhige, entspannte Umgebung und bequeme Körperhaltung
  • Baby anlegen (kurz oder an der anderen Brust) oder enger Körperkontakt zum Baby
  • Bilder von Deinem Baby ansehen, liebevoll ans Baby denken

All das bereitet Deinen Körper darauf vor, Milch zu spenden. Wie einfach sich der Milchfluss anregen lässt, ist von Frau zu Frau völlig unterschiedlich. Vor allem in den ersten Wochen der Stillzeit setzt bei manchen Frauen der Milchspendereflex schon allein beim Gedanken an das Baby ein. Andere wiederum brauchen etwas mehr Anregung und Vorbereitung.

 

Tipp: Wenn Du nur eine Seite ausstreichen willst, lege Dein Baby an der anderen Seite an. Dann fließt die Milch meist automatisch auf beiden Seiten.

2. Milch ausstreichen per Hand

Und so kannst Du nun mit der Hand Muttermilch ausstreichen:

  • Wasche Deine Hände gründlich mit Seife und lege ein Gefäß oder ein Tuch bereit, um die Milch aufzufangen. Kurze Fingernägel erleichtern den Prozess des Brust ausstreichens.
  • Umfasse mit einer Hand die Brustwarze oberhalb und unterhalb des Warzenvorhofs mit einem C-Griff (Daumen oberhalb, die restlichen Finger unterhalb). Der Abstand zur Brustwarze sollte dabei jeweils ca. 3 cm betragen.
  • Wenn Du die Milch in einem Gefäß auffangen möchtest, beuge Deinen Oberkörper nach vorne und halte mit der zweiten Hand den Becher unter die Brustwarze.
  • Drücke nun mit der Hand sanft die Brust zusammen und ziehe leicht nach vorne, sodass etwas Milch aus der Brust austritt. Stell Dir dabei vor, wie Du einen Milchgang innerhalb der Brust erfasst und die Milch darin mit Deiner Bewegung nach vorne drückst.
  • Manchmal braucht es ein wenig Vorlauf, bis die Milch kommt.
  • Die Finger rutschen dabei nicht über die Haut, sie bleiben äußerlich an derselben Stelle. Wenn das Ausstreichen der Brust weh tut, versuche die Bewegung etwas zu variieren.
    Abgesehen von einem bereits bestehenden Milchstau bzw. einer Brustentzündung sollte das Milch ausstreichen nicht weh tun.
  • Wenn in der bisherigen Position weniger Milch kommt, wiederhole das Verfahren etwas versetzt rund um die Brustwarze. Wenn es Dir leichter fällt, kannst Du auch die Hand wechseln.

Erwarte dabei nicht, dass die Milch in Strömen fließt. Bis Du eine Brust einigermaßen entleert hast, dauert es ca. 20-30 Minuten. Wenn Du nur eine kleine Menge Milch ausstreichen möchtest, geht es natürlich schneller.

Brust ausstreichen: Video

In diesem kurzen Video von “Hallohebamme” kannst Du Dir die Technik noch einmal genau anschauen:

Übe das Brust ausstreichen mit Deiner Hebamme

Wenn Du noch im Wochenbett bist und Deine Hebamme regelmäßig kommt, lass Dir das Milch ausstreichen unbedingt von ihr zeigen. Auch nach dem Wochenbett hast Du bis zum Ende der Stillzeit weiterhin Anspruch auf die Beratung durch eine Hebamme.

Wenn Du Probleme hast, kannst Du auch eine Stillberaterin kontaktieren. Das Brust ausstreichen funktioniert nicht? Lass Dir Zeit. Wenn es bei den ersten Malen nicht so gut klappt, gib nicht auf. Das ist, wie so vieles, einfach Übungssache.

Stresshormone sind “stärker” als Stillhormone. Deshalb ist Entspannung beim Brust ausstreichen das A&O. Egal, ob ein warmes Bad oder relaxte Musik: Alles was Dir guttut, kann helfen.

Wann Brust ausstreichen sinnvoll ist

Ich kann mich noch gut an meine erste Brustentzündung in der Stillzeit erinnern. Das ist wahnsinnig schmerzhaft und ich wusste damals nicht, dass das Ausstreichen der Milch per Hand bei einem Milchstau Schlimmeres verhindern kann.

Der erste Versuch, die Brust mit der Hand auszustreichen, war wenig erfolgreich und auch eher unangenehm. Zwei Kinder und viele Stillmonate später kann ich problemlos ein kleines Glas Milch durch Brust ausstreichen mit der Hand füllen – auch ohne viel Vorbereitung. Brustentzündungen waren in der zweiten Stillzeit kein Thema mehr.

1. Mastitis bzw. Milchstau ausstreichen

Ein schmerzhafter Milchstau oder eine Verhärtung in der Stillbrust sind wahrscheinlich einer der häufigsten Gründe, warum Mütter Milch ausstreichen wollen. Denn wenn sich die Milch zu lange staut, kann daraus eine Brustentzündung (Mastitis) entstehen, die vielleicht sogar mit Antibiotika behandelt werden muss.

Auch, wenn das Stillen mit Milchstau bzw. Brustentzündung sehr weh tut, solltest Du unbedingt trotzdem weiter stillen. Je besser die Milch entleert ist, umso schneller kann sich die Brust erholen. Wenn Du stillst, lege Dein Baby immer so an, dass das Kinn in Richtung der entzündeten Stelle zeigt.

Auch beim Milch ausstreichen solltest Du die meist heiße, gerötete Region der Brust bevorzugt ausstreichen. Denn hier sitzt die bakterielle Entzündung und mit dem Ausstreichen werden immer auch Bakterien entfernt. Dein Baby darf die ausgestrichene Muttermilch übrigens ohne Bedenken trinken.

Lies hier, was Du bei den 7 häufigsten Stillproblemen noch tun kannst.

2. Brust ausstreichen: Abstillen

Wenn Du Dein Baby gezielt abstillen willst, verwährst Du ihm Milchmahlzeiten, auf die die Brust eigentlich vorbereitet wäre. Das heißt, Deine Brust produziert Muttermilch, die dann nicht getrunken wird. In manchen Fällen und je nach Alter des Babys kann das völlig problemlos sein. Denn die Milchmenge passt sich innerhalb von 48 Stunden der Nachfrage an, d.h. es wird künftig einfach weniger produziert.

Aber nicht immer geht das Abstillen so problemlos. In den erwähnten 48 Stunden kann sich die Brust voll und gespannt anfühlen, ja sogar schmerzen. Dann solltest Du etwas Milch ausstreichen – aber nur so viel, bis du Dich besser fühlst. Denn trotz allem wird durch das Ausstreichen der Brust doch die Milchproduktion angeregt – wenn auch natürlich nicht im gleichen Maß wie beim Stillen selbst.

Wie oft Du beim Abstillen die Brust manuell ausstreichen musst, hängt also davon ab, wie gut Dein Körper mit dem Prozess zurecht kommt.

3. Brust ausstreichen bei zu viel Milch

Nun ist Abstillen in einer Stillzeit bei weitem nicht die einzige Situation, in der Du vielleicht zu viel Milch hast. Bei vielen Frauen kommt das während und in den Wochen nach dem Milcheinschuss vor. Vor allem in den ersten drei Stillmonaten ist die Brust oft prall gefüllt, spannt und schmerzt.

Auch für Dein Baby kann eine zu prall gefüllte Brust Probleme bereiten. Denn je nach Stärke des Milchspendereflexes kommt dann anfangs sehr viel Milch aus der Brust – mehr, als Dein Kind auf einmal schlucken kann. Es verschluckt sich oder ist frustriert und lässt die Brustwarze wieder los, um die Milch auszuspucken. Diese Situation lässt sich ganz einfach lösen, indem Du etwas Milch ausstreichst, bevor Du Dein Kind anlegst.

Auch, wenn Dein Kind sehr unregelmäßig trinkt oder nach Phasen des Cluster-Feeding kann es passieren, dass zu viel Milch in der Brust ist. Vielleicht bist Du auch in einer Situation, in der Du vorübergehend von Deinem Baby getrennt bist und es nicht stillen kannst. In all diesen Fällen schafft es Erleichterung, etwas Milch per Hand auszustreichen.

Bei zu viel Muttermilch kann auch Blockstillen helfen – schau Dir hier Hebamme Christinas Anleitung an.

4. Vormilch ausstreichen

Aber nicht nur die “richtige” Muttermilch lässt sich von Hand gewinnen, auch die wertvolle Vormilch (Kolostrum) kannst Du ausstreichen und auffangen. Das macht dann Sinn, wenn Dein Baby in den ersten 1-2 Tagen nicht selbst an die Brust darf oder kann, zum Beispiel weil es ein Frühchen ist und zu schwach zum Saugen ist.

Auch, wenn Du Dich entscheidest, Dein Kind nicht zu stillen, macht es absolut Sinn, das Kolostrum auszustreichen und mit einer Spritze oder Pipette Deinem Neugeborenen zu füttern. Denn selbst eine einmalige Portion dieser wertvollen Flüssigkeit hilft einem Baby, sich gesund zu entwickeln!

Die Säuglingsschwester in der Klinik kann Dir helfen, das Kolostrum mit der Hand aus Deiner Brust auszustreichen, mit einer Pipette aufzunehmen und Deinem Baby zu geben.

Und keine Sorge: Wenn Du nur das Kolostrum ausstreichst, führt das nicht zu einem Milcheinschuss. Du könntest Dein Baby in den ersten Tagen sogar hin und wieder selbst von der Vormilch trinken lassen, für den Milcheinschuss braucht es regelmäßiges Saugen über einige Tage.

Milchpumpe als Alternative zum Milch ausstreichen?

Wenn Du eine elektrische oder manuelle Milchpumpe zuhause hast, kannst Du auch damit die Brust etwas entleeren (leicht “anpumpen”). Allerdings sind Milchpumpen vorrangig zur Gewinnung von Muttermilch gedacht und weniger zur gezielten Entleerung einzelner Milchgänge.

Das heißt, dass eine Milchpumpe gut geeignet ist, wenn Du akut zu viel Milch hast bzw. der Druck beim Abstillen zu groß wird. In diesem Fall solltest Du aber wirklich nur gerade so viel Pumpen, bis das Spannungsgefühl nachlässt. Wenn Du zu lange pumpst “denkt” Deine Brust, dass nun doch wieder mehr Milch benötigt wird und geht erneut in Produktion.

Für das gezielte Entleeren einzelner Stellen – z.B. bei einem Milchstau – ist das Brust ausstreichen per Hand dagegen die bessere Option.

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