WG mit Kind

Leben in einer WG mit Kind


Mein 4 jähriger Sohn und ich leben in einer WG mit einem Pärchen in Goa, Indien. Bis Juli 2019 haben wir alleine in einer Wohnung gelebt, und hatten aber sehr oft Besuch. Jetzt wohnen wir zu viert in einem Haus und es ist das Beste, was uns passieren konnte. Doch unsere Wohngemeinschaft mit Kind ist noch mehr, wir sind eine Familie und unser Haus steht allen unseren Freunden zu jeder Tages- und Nachtzeit offen. Wir organisieren Yoga- und Zumbastunden, Koch- und Kinoabende und noch einiges mehr. Hier erzähle ich Euch, wie das Leben in einer WG mit Kind so ist.

Das Herz unseres Hauses: Innenhof und Gemeinschaftsbereich

WG mit Kind – Das sind wir und unsere Mitbewohner

Wir leben zu viert:

  • Theo. Theo ist 4 Jahre alt, wild, emphatisch, frech, laut, hilfbereit, lustig, Wasserratte, Künstler und Tänzer aus Leidenschaft.
  • Emma. Emma ist der eigentliche “Mann im Haus”. Sie hat unser Dach neu gedeckt, hat einen grünen Daumen, ist umweltbewusst, sensibel, abenteuerlustig, ehrlich, wissbegierig, Zumbaqueen und denkt immer zuerst an Andere.
  • Clinton. Clinton ist mit Emma verheiratet, er arbeitet viel, liebt Tiere und die Natur, weiß alles über Recycling, ist abenteuerlustig, erlebt immer verrückte Sachen und erzählt gerne Geschichten. Außerdem tanzt er gerne.
  • Sophie. Ich bin die Mutti im Haus, koche gerne für alle und mache es gemütlich für uns. Ich bin freundlich, ehrlich, lustig, dekoriere gern und kann sehr gut zuhören. 

Außerdem haben wir 2 Gästezimmer, die öfters von temporären Mitbewohnern besetzt sind. Wir genießen den neuen Input und haben alle lieber noch eine Person mehr im Haus, als eine weniger. Es ist toll, so viele interessante Menschen zu treffen und Zeit mit ihnen zu verbringen. Unser Haus ist in der Regel nicht abgeschlossen und so können Freunde jederzeit zu uns kommen. Das mag vielleicht für Dich ein bisschen befremdlich wirken, aber für uns ist es genau das Richtige. 

Warum eine Wohngemeinschaft?

Wir lieben das Leben in einer Gemeinschaft. Ich hatte natürlich auch meine Bedenken, wie es ist, “nie alleine” zu sein. Aber tatsächlich geht das ja in einer WG mit Kind auch. Nämlich wenn ich einfach meine Zimmertür schließe. Und das Beste daran ist, dass mein Sohn in der Zwischenzeit mit meinen Mitbewohnern spielen kann. Da ich seit Theos Geburt alleinerziehend bin, hat die Wohngemeinschaft für mich auch einige praktische Gründe. Ich kann, wenn mein Sohn schläft (aber auch wenn er wach ist) mal schnell Einkaufen gehen oder zur Post gehen, oder andere Erledigungen machen. Denn es ist ja jemand zu Hause, der aufpassen kann.

Zudem haben meine Freunde ein sehr gutes Gespür dafür, wenn ich eine kurze Auszeit brauche, weil ich vielleicht gerade überfordert oder gereizt bin. Dann passiert es oft, dass sie Theo mit in ihre Aktivitäten einbeziehen. Das kann Kochen, Putzen oder einfach nur Chillen sein. Und meistens muss ich sie noch nicht einmal darum bitten. Obwohl unsere Mitbewohner keine eigenen Kinder haben, stehen sie mir auch zur Seite, wenn ich in meiner Erziehung mal nicht weiter weiß, an mir zweifele oder überfordert bin. Dann setzen wir uns auch schon mal als Familienrat zusammen. Wir alle vier überlegen dann, wie wir etwas ändern und besser machen können.

Außerdem können wir in der WG mit Kind alle viel voneinander lernen. Da ist bei uns zum einen die Sprache. Bei uns zu Hause werden 3 Sprachen gesprochen: Englisch, Deutsch und Konkani (die goanische Sprache). Auch wenn nicht jeder alle Sprachen versteht und spricht, freuen wir uns immer wieder, wenn wir ein neues Wort lernen. Aber auch durch unsere beruflichen Hintergründe bzw. unsere verschiedenen Interessen lernen wir fast täglich Neues von einander. Ich habe oft das Gefühl, dass wir gemeinsam immer eine Lösung finden und uns einfach perfekt ergänzen. 

Warum mein Sohn unsere kleine “Familie” so liebt

Unsere Mitbewohner sind für jeden Spaß zu haben. Sie erklären und bringen Theo Dinge bei, die ich nicht weiß oder kann. Theo lernt außerdem Grenzen von Anderen zu respektieren und zu erkennen. Wenn Emma und Clinton im oberen Stockwerk sind, möchten sie ihre Ruhe und die bekommen sie auch. Er lernt von Emma alles über Pflanzen und wie man für sie sorgt.

Theo und Clinton bei der “Arbeit”

Von Clinton weiß Theo, was Umweltschutz bedeutet und wie cool es ist mit einem Müllauto in den Kindergarten gefahren zu werden. Theo lernt, was Gemeinschaft bedeutet, also aufeinander Rücksicht zu nehmen, für einander einzustehen und zusammen zu halten. Egal ob beim Tanzen oder beim Aufräumen der Küche. 

Durch Clinton hat Theo eine männliche Bezugsperson, die er täglich sieht und mit der er sich verbunden fühlt. Allerdings führt er die “typischen Jungsgespräche” eher mit Emma. 

Und nicht zuletzt bekommt mein Sohn auch mal eine Auszeit von mir. Vor allem in den letzten Monaten, also während der Corona Pandemie und dem mehrwöchigen kompletten Lockdown in Goa, war das besonders wichtig. Ich weiß nicht wie ich die Zeit ohne die Beiden überstanden hätte.

Warum unsere Mitbewohner unsere Familie lieben

  • Sie können sich nicht hängen lassen. Natürlich können die Beiden Ruhe einfordern. Aber wenn sie zum Beispiel niedergeschlagen im Gemeinschaftsraum sitzen, ist Theo sofort zur Stelle um sie aufzumuntern. Theo ist sehr sensibel und spürt schnell, wenn es jemandem nicht gut geht und nimmt seinen Job als “Gute-Laune-Meister” sehr ernst.
  • Mama kocht. Als Mama kümmere ich mich um ausgewogene und regelmäßige Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten. Und da koche ich natürlich gleich für die ganze Bande. Selbstverständlich bekommt nicht nur Theo seine täglichen Obstteller, sondern auch Emma und Clinton.
  • Immer Gesellschaft. Niemand muss bei uns im Haus alleine sein oder Dinge alleine machen. Wenn man Lust zum Tanzen hat, ist Theo immer dabei, genau so beim Gärtnern und auch zum Putzen kann man ihn immer motivieren. 
  • Liebe. Wir sind alle von Menschen umgeben, die uns lieben. Und gerade die Liebe eines Kindes ist doch mit nichts zu vergleichen.
  • Blödsinn. Vor allem Clinton “nutzt” Theo gern, um seinen eigenen Blödsinn zu rechtfertigen. 

Leben in der WG mit Kind: Mein Fazit

Für uns ist das Leben in einer Wohngemeinschaft definitiv das Richtige, aber mir ist natürlich klar, dass es Dir da ganz anders gehen kann. Und sicherlich ist bei uns auch nicht immer nur Sonnenschein angesagt, aber auch daraus lernen wir alle. Zum Beispiel, wie man mit Konflikten oder Problemen umgeht oder wie man ehrlich und respektvoll miteinander spricht. Ich sehe deshalb das Leben in einer Wohngemeinschaft als einen Lernprozess. Und die Möglichkeiten “auf engem Raum” voneinander zu lernen sind unerschöpflich. 


Könntest Du Dir ein Leben in einer Wohngemeinschaft mit Kind vorstellen? Oder lebt Ihr vielleicht sogar in einer Wohngemeinschaft? Erzählt es uns gern in den Kommentaren.

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