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Schnuller: Ab wann Du ihn Deinem Baby (frühestens) geben darfst


Eine wichtige Frage, die Dich möglicherweise schon in den ersten Tagen nach der Geburt beschäftigt: Der Schnuller – ab wann darf ich den meinem Baby eigentlich schon geben? Ist es ok, wenn mein Baby schon früh einen Schnuller bekommt, oder sollte ich damit noch eine gewisse Zeit warten?

In diesem Beitrag soll es heute nicht um die grundsätzliche Frage: “Schnuller ja oder nein” oder um generelle Tipps rund ums (Nicht-)Schnullern gehen. Sondern einzig und alleine um die Frage: Gibt es einen richtigen Zeitpunkt, ab dem ein Baby frühestens schnullern darf? Und wenn ja, wann ist der?

Ich bin Hebamme – und ein Schnullerfreund

Heute möchte ich mich einmal mehr outen und etwas sagen, was manche meiner Hebammen-Kolleginnen vermutlich auf das Übelste verurteilen: Ich bin ein Schnullerfreund. “Meine” Babys dürfen schnullern, meine eigenen Kinder durften schnullern – und ich sehe grundsätzlich im Schnuller ab einem gewissen Punkt mehr Vor- als Nachteile.

Allerdings gibt es – gerade bei ganz kleinen, neugeborenen Babys – einige Punkte, die Du beachten solltest, wenn Du Deinem Baby einen Schnuller geben möchtest.

 

Warum in Stillbroschüren vom Schnuller in den ersten Lebenswochen abgeraten wird

In nahezu allen Büchern, Ratgebern und Broschüren, die es zum Thema Stillen gibt, wird vom Schnuller in den ersten Tagen oder gar Wochen grundsätzlich abgeraten. Aber warum eigentlich?

➔ Schnullern macht Dein Baby müde

Frisch geborene Babys in den ersten Lebenswochen befriedigen durch das Saugen beim Stillen nicht nur ihr Bedürfnis nach Nahrung. Vielmehr sorgt das Saugen und Nuckeln auch dafür, dass sich das Baby entspannt und müde wird.

In den ersten Lebenstagen ist es aber für Babys wichtig, regelmäßig Nahrung angeboten zu bekommen und auch zu trinken, damit sie in nach der Geburt nicht zu viel Gewicht verlieren. Auch eine Neugeborenengelbsucht tritt häufiger bei Kindern auf, die ein geringeres Ausgangsgewicht haben oder in den ersten Lebenstagen relativ viel abnehmen. Um diese Gefahr zu minimieren ist es wichtig, dass Dein Baby regelmäßig trinken darf.

Bekommt Dein Baby frühzeitig einen Schnuller, kann es passieren, dass es deutlich seltener an die Brust oder Flasche kommt, weil es den Hunger einfach “wegschnullert”. Eventuell verschläft es eine komplette Mahlzeit einfach oder es schläft schneller nach Brust oder Flasche wieder richtig tief ein, anstatt nach einer kurzen Pause einfach nochmals weiter zu trinken.

➔ Schnuller führt zu Saugverwirrung

Was auch immer wie ein Damoklesschwert über dem Köpfchen des schnullernden Babys schwebt, ist die sogenannte “Saugverwirrung”. Hier im Magazin findest Du bereits einige Informationen zum Thema Saugverwirrung, deshalb möchte ich darauf wirklich nur ganz kurz eingehen:

Bei der Saugverwirrung geht es um die Problematik, dass das Baby beim Anlegen an die Brust zunehmend Schwierigkeiten entwickeln könnte, weil es durch Schnuller oder Flasche ans Nuckeln gewöhnt ist. Das heißt, gerade beim Anlegen kann es zu vermehrten Problemen kommen, weil das Baby den Mund nicht mehr weit genug öffnet und Schwierigkeiten beim korrekten Greifen der Brustwarze hat.

Tatsächlich beobachte ich dieses Phänomen lange nicht so oft wie in der gängigen Stillliteratur beschrieben. Auch hatte ich noch NIE (!) in über 15 Jahren Nachsorgetätigkeit ein Baby, das nach der Gabe eines Schnullers die Brust verweigert hat.

Beim Füttern mit der Flasche mag das ein bisschen anders sein. Da aus dem Schnuller aber keinerlei Nahrung kommt und das Baby mit dem Schnuller auch kein Sättigungsgefühl verknüpft, schätze ich die Gefahr einer Saugverwirrung bei einem reifen, gesunden Neugeborenen auch eher als gering ein.

➔ Gewöhnungseffekt beim Schnuller

Bereits bei einem Baby, das wenige Tage alt ist, erlebe ich häufig die Sorge, dass man den Schnuller nicht mehr abgewöhnt bekommt.

Tatsächlich denke ich, dass das Abgewöhnen des Schnullers mit der Wahl des richtigen Zeitpunktes und dem Umgang von Euch als Eltern mit dem Schnullern relativ gut geregelt werden kann. So ist es in meinen Augen z.B. gar kein Problem, einem Kleinkind mit einem oder eineinhalb Jahren klar zu machen, dass der Schnuller mit dem (Ein-)schlafen verbunden ist und beim Spielen, Toben oder draußen nicht gebraucht wird. Oder eben bestimmte “Regeln” im Umgang mit dem Schnuller auszumachen.

Ganz sicher liegt sehr langes Schnullern oder ein schwieriges Abgewöhnen des Schnullers aber meiner Ansicht nach nicht daran, zu welchem Zeitpunkt das Baby zum ersten Mal geschnullert hat.

Warum sollte ich meinem Baby überhaupt einen Schnuller geben?

Der Hauptgrund, warum man überhaupt bei ganz kleinen Babys zum Schnuller greift, ist tatsächlich meistens ein ausgeprägtes Saugbedürfnis beim Baby. Es gibt immer wieder Frauen, die das Gefühl haben, ihr Baby beruhige sich einzig und ausschließlich an der Brust. Docken sie das Baby an, schläft es nach ein oder zwei Zügen ein, will aber die Brustwarze im Mund behalten oder nuckelt auch weiter daran, ohne aber effektiv zu saugen.

Dieses Dauernuckeln birgt das Problem, dass die Brustwarze durch das ständige Einspeicheln und darauf Herumnuckeln wund wird oder schmerzt. Auch entwickeln manche Frauen eine gewisse Abneigung gegen das Stillen, weil sie das Gefühl haben, nur sie alleine könnten den Säugling beruhigen.

Dass dieses Verhalten aber nicht mit dem Stillen als Nahrungsquelle, sondern “nur” mit dem Saugreflex zusammenhängt, ist für manches Elternpaar eine ganz neue Information. Durch die Einführung oder das “Erlauben” eines Schnullers habe ich schon so mancher Neu-Mama eine große Last von den Schultern und den Gedanken ans Abstillen aus dem Kopf nehmen können.

Schnuller: Ab wann ist denn nun der richtige Zeitpunkt?

Auch wenn ich ein Schnullerfreund bin und auch mit frühem Schnullern bei Säuglingen grundsätzlich kein Problem habe – einige Dinge solltest Du beim Thema “Schnuller – ab wann?” innerhalb der ersten 6-8 Lebenswochen beachten:

1. Du entscheidest, ab wann Dein Baby den Schnuller bekommt!

Wenn Du nach der Geburt auf der Wochenstation bist, würde ich Dir auf jeden Fall dazu raten, die Schwestern und Pfleger auf Station darum zu bitten, keinen Schnuller zu geben. Gerade in den ersten Lebensstunden sollte Dein Baby so häufig wie möglich an die Brust und “braucht” keinen Schnuller. Außerdem bin ich der Meinung, dass Ihr als Eltern diese Entscheidung treffen solltet und nicht das Klinikpersonal.

2. Dein Baby ist reif und normalgewichtig

Frühgeborene oder sehr zarte Kinder haben häufiger oben erwähntes Problem des “Hunger wegschnullerns”. Bevor Du einen Schnuller anbietest, solltest Du sicher sein, dass Dein Baby wach und agil genug ist, trotz Schnullern keine Mahlzeit auszulassen.

3. Dein Baby hat nicht zu stark abgenommen

Hat Dein Baby innerhalb der ersten Lebenstage mehr als 7% seines Geburtsgewichts verloren, sollte der Schnuller vorerst nicht gegeben werden. So stellst Du sicher, dass es ausreichend an die Brust kommt.

4. Das Anlegen gestaltet sich nicht allzu schwierig

Dass es zum Anfang manchmal noch ein paar Probleme beim korrekten Anlegen gibt, ist völlig normal. Du hast allerdings das Gefühl, dass Du und Dein Baby beim Andocken schon noch ziemlich zu kämpfen habt? Dann würde ich mit dem Schnuller auf jeden Fall noch warten, bis sich das Stillen gut eingespielt hat.

Fazit zum Thema Schnuller – ab wann?

Wie so oft gibt es auch bei der Beantwortung dieser Frage keine Pauschallösung, sondern nur eine individuelle Entscheidung für Euch als Eltern.

Solange Dein Baby gesund zunimmt und das Stillen bzw. Flasche geben sich gut eingespielt hat, spricht meines Erachtens nichts dagegen, in den ersten Wochen nach der Geburt einen Schnuller zu geben.

Ich möchte Dir mit diesem Artikel lediglich die Angst nehmen, den Schnuller als Option zu ins Auge zu fassen. Denn ich sehe ihn durchaus nicht so kritisch wie viele Kolleginnen.

Ab wann hast Du Deinem Baby einen Schnuller gegeben – und wie siehst Du das ganze Thema? Wir sind gespannt auf Deine Erfahrungen.

Unsere Texte zu Gesundheitsthemen ersetzen keinesfalls den Arztbesuch.
Mehr Infos dazu findest Du hier.

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