Sturz aus der Babywippe


Es gibt Momente mit meinen Kindern, in denen mir das Herz stehen bleibt. So wie heute Morgen, als ich mich nur kurz umdrehe, um nach meinem Kaffee zu greifen und in just diesem Augenblick ein dumpfes Patschen höre. Ich dachte zuerst, es sei irgendetwas mit meiner Tochter, als ich den Buben (19 Wochen) auf dem Bauch liegend auf dem Boden sehe, obwohl er doch gerade eben noch in seiner Babywippe saß! Oh Gott!

Ich nahm ihn natürlich sofort auf den Arm, aber er weinte bitterlich und untröstlich. Das schlechte Gewissen plagte mich; ich drückte ihn ganz fest an mich und murmelte unentwegt Entschuldigungen in sein Ohr. Es tat mir so leid, dass ich ihn nicht wie sonst angeschnallt hatte. Ich wollte doch „nur eben“ meinen Kaffee auf den Frühstückstisch stellen – ließ ihn dafür ein paar Sekunden aus den Augen – und zack, war es geschehen.

Glücklicherweise landete er sanft auf seiner Krabbeldecke und auf allen Vieren – wie ein kleines Kätzchen. Ich konnte keinen einzigen Hinweis auf diesen Sturz an seinem kleinen Körper entdecken und atmete erleichtert auf, als er mich ein paar Minuten später wieder breit angrinste. Trotzdem musste ich schlucken und ich erinnerte mich unweigerliche an ähnliche Szenen mit unserem Mädchen.

Sie war beispielsweise noch nicht mal ein Jahr, als sie die sehr glatte Holztreppe in unserer Galeriewohnung hinabstürzte. Sie fiel alle 10 Stufen hinab, als ich meinen Blick kurz abwendete und den Arm austreckte, um das Rollo des Dachfensters zu schließen. Ich erinnere mich noch heute sehr genau an dieses hässliche Poltern. Ein kleiner unachtsamer Augenblick, in dem sie abrutschte und kopfüber –  auf jede einzelne Stufe knallend – hinab stürzte.

Damals war ich allein mit ihr zu Hause und wurde fast ohnmächtig vor Angst. Nur ihr lautes Weinen (ich wusste, dass das ein gutes Zeichen war), beruhigte mich. Ich lief mehrere Minuten mit ihr durch die Wohnung, während mein ganzer Körper zitterte und war dann so geistesgegenwärtig direkt mit ihr in die Klinik zu fahren. Bis auf eine kleine Eindellung am Kopf war alles bestens mit ihr. Glück gehabt!

Richtig übel wurde mir, als sie mit etwa 18 Monaten bei Omi im Wohnzimmer umherrannte, mit dem Fuß an der Teppichkannte hängen blieb und mit der Stirn auf die harte Ecke eines Massivholztisches stürzte. Ich hörte nur Thomas’ „Es ist alles in Ordnung“, als sie sich zu mir umdrehte – mit dieser klaffenden Wunde am Kopf, aus der dickes, dunkelrotes Blut floss.

Die Kleine schrie wie am Spieß und noch viel wilder, als sich die ganze Familie um sie herum versammelte und uns mit helfenden Tipps (kühlen, verbinden usw.) bombardierte. Ich hielt sie ganz fest und versuchte irgendwie dem laut plappernden und sie enorm beunruhigenden Mobb zu entkommen. Das gelang leider erst als ich meine Familie lautstark darum bat uns in Ruhe zu lassen und ich wieder mit ihr in die Klinik fuhr. Die Wunde war tief und musste geklebt werden, doch auch wie beim Treppensturz, gab es glücklicherweise keine „bleibenden Schäden“.

Unfälle sind unvermeidbar

Ich versuche natürlich auf meine Kinder aufzupassen und unsere Wohnung so zu „preparieren“, dass sie sich frei und sicher darin bewegen können – wir haben z.B. sobald unsere Tochter mobiler wurde ein Treppengitter angebracht und sie nie alleine die Stufen hinauf krabbeln lassen. Aber Gefahren lauern nun mal nahezu überall, denn es gibt ihn einfach nicht, den absolut Kinder-sicheren Haushalt. Und davon abgesehen, kann ich meine Racker nicht bei jedem Schritt im Auge behalten.

Ich will meine Kinder außerdem nicht aus Angst in Watte packen. Sie sollen die Welt erkunden und dazu gehört, dass sie ab und zu auf die Nase (oder eben auf die Stirn) fallen. Und die Unfälle, die wir bislang hatten, zeigten, dass sie verdammt hart im Nehmen sind und Verletzungen tapfer wegstecken.

Trotzdem achte ich jetzt genau darauf, dass der Kleine auch wirklich angeschnallt in seiner Wippe sitzt. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass noch spannende Zeiten auf uns zu kommen, wenn er beweglicher wird und kleine Erkundungstouren durch unsere Wohnung startet. Da will ich zumindest die Zeit bis dahin gerne in Ruhe und ohne Unfälle genießen :)

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