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Babywatching und Fötus-Party: Ein gefährlicher Trend?


Ein ungeborenes Baby im Ultraschall zu sehen – besonders wenn es das eigene ist – ist berührend und faszinierend zugleich. Kein Wunder, dass das Geschäft mit dem „Babywatching“ boomt. Während wir in Deutschland Baby-TV bislang allerdings fast ausschließlich auf dem Monitor der Frauenarztpraxis kennen, schwappt aus den USA ein eher zweifelhafter Trend zu uns: Das Babywatching im Studio oder auch im heimischen Wohnzimmer. Fötusparty nennt sich dieses Schauspiel — und es erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Warum Babywatching und Fötus-Partys in Fachkreisen umstritten sind, erkläre ich Dir hier.

Dreimal Ultraschall in 40 Wochen

Drei Ultraschalluntersuchungen sehen die Mutterschaftsrichtlinien in Deutschland vor. Die erste zum Ende des 1. Trimesters, eine zweite um die 20. Schwangerschaftswoche herum und die letzte einige Wochen vor der Geburt. Weitere Untersuchungen übernimmt die Krankenkasse nicht bzw. nur dann, wenn es gute Gründe für einen weiteren Blick in Mamas Bauch gibt.

Mit dem Ultraschall klingelt die Kasse

Wenn Du schwanger bist oder schon schwanger warst, kennst Du sicherlich auch die Preisliste Deines Frauenarztes für alle Untersuchungen, die Deine Krankenkasse nicht erstattet. Dazu gehören neben diversen Bluttests üblicherweise auch Ultraschalluntersuchungen außer der Reihe.

Für diese nicht regulären Untraschall-Untersuchungen fällt entweder eine Pauschale für mehrere Ultraschallbilder an oder ein Preis pro Ausdruck. Oft bieten Frauenärzte auch längere 4D-Termine an, bei denen ein kleines Video aus dem Bauch aufgezeichnet wird. Auch beim Ersttrimester-Screening im Pränataldiagnostik-Zentrum kommt oft der 4D-Ultraschall zum Einsatz.

 

Viele Eltern nehmen diese Leistungen gerne in Anspruch, denn neben dem Unterhaltungswert, den das Babywatching zweifelsohne bietet, nehmen die zusätzlichen Untersuchungen vielen Schwangeren auch die Unsicherheit. Dem Baby geht es gut, es strampelt und nuckelt am Daumen und Mama und vielleicht auch Papa konnten sich davon auch selbst überzeugen.

Sale

Für den Frauenarzt indes sind die Ultraschalluntersuchungen eine zusätzliche Einnahmequelle.

Babywatching: Vom Behandlungsraum ins Studio oder ins Wohnzimmer

Das eigene Baby schon vor der Geburt anschauen und beobachten zu können, ist wundervoll. Es nimmt viele Sorgen und schafft Nähe und so erstaunt es nicht, dass viele Schwangere ihr Ungeborenes am liebsten täglich sehen würden – das ist im Grunde nur menschlich.

Deutlich weiter als bei uns ist man in den USA. Dort wird Babywatching vielerorts bereits im Rahmen von sogenannten Fötuspartys zelebriert. Diese Partys werden von Unternehmen veranstaltet, die sich auf das Babywatching vor der Geburt spezialisiert haben. Und wer das Brauchtum der Babyshower (oder Baby-Party) kennt, der weiß, dass dabei auch richtig gefeiert wird.

Wie läuft eine Fötus-Party ab?

Die Ultraschalluntersuchung, das sogenannte Baby-TV, findet nicht auf der Liege beim Frauenarzt statt, sondern in einem Studio. Dort vereinbarst Du einen Babywatching-Termin, zu dem Du gemeinsam mit Deinem Partner, der besten Freundin oder gleich mit der kompletten Verwandtschaft gehen kannst. Jeder, den Du gerne Du dabei haben magst, ist mit im Raum, wenn Ihr einen Blick in Deinen Bauch werft. Oma Hilde, die feststellt, dass ihre Enkelin nach ihr kommt, Deine beste Freundin Susanne, die sich auch sofort ein Baby wünschst und Du, die sich vielleicht einfach nur freut, ihr Baby wiederzusehen.

Und wenn Du nicht ins Studio gehen möchtest, besteht außerdem die Möglichkeit, das Unternehmen – inklusive Ultraschallgerät und Monitor – zur Dir nach Hause kommen zu lassen.

Ist Baby-TV gefährlich?

Das klingt zu schön, um wahr zu sein, oder? Tatsächlich gibt es auch bei uns in Deutschland bereits Babywatching-Anbieter.

Zeitgleich allerdings melden sich die Skeptiker. Der Berufsverband der Frauenärzte beispielsweise, der das Angebot für nicht legal hält, weil das Gesetz vorschreibt, dass nicht irgendwer ein Ultraschallgerät bedienen darf, sondern an die gewerbliche Nutzung selbigen eine medizinische Ausbildung und erweiterte Kenntnisse geknüpft sein müssen. Und auch die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe kritisiert das Angebot der Babywatching-Studios.

Darf ein medizinischer Laie einen Ultraschall zum Spaß anbieten? Ist das Angebot vielleicht auch gefährlich, weil sich Schwangere in falscher Sicherheit wiegen, wenn der Babywatchinganbieter keine Auffälligkeiten feststellt? Und auch, wenn wir an der Stelle voraussetzen, dass Ultraschalluntersuchungen ungefährlich sind (was durchaus umstritten ist), ist es das deutlich länger dauernde Babywatching auch?

Fakt ist: Die Untersuchungen im Rahmen des Babywatchings außerhalb der Frauenarztpraxis dienen nicht der Diagnostik. Sie sollen gar nicht medizinischer Natur sein, sondern Spaß, Unterhaltung und Freude bereiten.

Ich sehe die Entwicklung durchaus auch kritisch, kann aber jede Mama verstehen, die sich so ein Event für sich und ihren Partner und vielleicht auch für Oma Hilde wünscht.

Wie gehst Du damit um, wenn Dir bei dieser Untersuchung – im Beisein aller Freunde – etwas seltsam vorkommt?
Ist Baby-TV nach amerikanischem Vorbild ein Gewinn für uns oder kannst Du Dir das überhaupt nicht vorstellen? Schreib gerne Deine Meinung in die Kommentar-Funktion!

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