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Der Moro-Reflex: Alles, was Du wissen musst


Gerade erst hast Du Dein Baby neben Dir abgelegt und beobachtest, wie es entspannt schläft. Im nächsten Moment reißt es plötzlich seine Arme hoch und sein kleiner Körper zuckt fest zusammen. Manchmal sogar so stark, dass es wieder aufwacht und weint. Was Du beobachten konntest, war der frühkindliche Moro-Reflex, der sich in den ersten Lebensmonaten Deines Babys zeigt. Hier erfährst Du alles Wichtige rund um den Moro-Reflex bei Babys und warum es ratsam ist, als Eltern einige grundlegende Infos zu dem Thema im Kopf zu behalten.

Moro-Reflex – was ist das eigentlich genau?

Der Moro-Reflex ist ein frühkindlicher Überlebensreflex. Sein Name wurde durch den Kinderarzt Ernst Moro geprägt, der ihn 1918 erstmals dokumentierte.

Bereits in der 9. Schwangerschaftswoche bildet Dein Baby den Reflex aus und entwickelt ihn schrittweise weiter. Zum Zeitpunkt der Geburt ist er vollkommen ausgereift. Ähnlich wie der Greif- oder Suchreflex ist er angeboren und wird bei der 2. Untersuchung (U2) zwischen den 3. und 10. Lebenstag Deines Babys vom Kinderarzt getestet.

Wie genau zeigt sich der Moro-Reflex?

Was Du äußerlich sehen kannst (teilweise zeitgleich):

  1. Dein Baby spannt seinen Körper ganz plötzlich an.
  2. Es atmet schnell ein. Eventuell reißt es seinen Mund dabei auf und schreit auf.
  3. Es zieht seine Arme nach vorne-oben hoch und spreizt seine kleinen Finger.
  4. Es atmet wieder aus und schließt den Mund.
  5. Seine Händchen ballen sich zu Fäusten.
  6. Seine Arme ziehen sich über der Brust zusammen als wurde es etwas umklammern.

Der gesamte Bewegungsablauf geschieht innerhalb von Sekunden.

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Die Ärmchen hochgerissen, die Finger gespreizt: Ein Baby zeigt den Moro-Reflex

Was körperlich passiert:

  • die Stresshormone Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet
  • die Atemfrequenz steigt an
  • der Blutdruck steigt an
  • die Haut kann sich röten

Wie wird der Moro-Reflex ausgelöst?

Was manche Eltern zunächst verunsichern kann, ist eine völlig normale und gesunde Reaktion Deines Babys. Ausgelöst werden kann der Moro-Reflex durch plötzliche unerwartete Reize wie:

  • Geräusche wie z.B. auch im Schlaf
  • plötzliche Lichtwechsel, vor allem im Gesichtsfeld des Babys
  • Temperaturveränderungen wie z.B. beim Baden oder Wickeln
  • Schmerz
  • Stimulation des Gleichgewichtsorgans im Innenohr durch Änderung der Kopfposition
  • plötzliche Bewegung oder Erschütterung

Warum ist der Moro-Reflex bei Neugeborenen und Babys so wichtig?

In ihrem Buch „Greifen und Begreifen“ beschreibt Sally Gooddard Blythe:

„Der Moro-Reflex ist eine unwillkürliche Reaktion auf eine Bedrohung. Ein Baby ist noch nicht in der Lage von außen kommende Sinneseindrücke zu analysieren, um dann feststellen zu können, ob sie wirklich eine Bedrohung darstellen oder nicht.“

Da Babys unreif zur Welt kommen, sind sie hochgradig von ihren Bezugspersonen abhängig. Verlässt Dein kleiner Schatz Deinen Bauch, wird er mit einer Flut an unbekannten Reizen und Eindrücken konfrontiert, die er noch nicht einordnen kann:

  • Gerüche
  • Temperaturunterschiede
  • Geräusche
  • Licht
  • Plötzliche Erschütterungen

All’ das ist ungewohnt für Dein Neugeborenes! Seinem Entwicklungsstand entsprechend kann es diesen Reizen noch nicht angemessen begegnen. Genau hier kommt der Moro-Reflex ins Spiel! Er wirkt bei vermeintlicher Gefahr wie ein Alarmsignal, mit dem Dein Baby Hilfe herbeiholen kann.

Durch das Nachgreifen und Klammern dient er ursprünglich dazu, dass das Neugeborene sich in Notsituationen im Fell seiner Mutter festhalten kann. Aber wozu? So wird es nicht zurückgelassen, fällt nicht herunter und sichert schlicht sein Überleben. Moro selbst bezeichnete den Reflex daher auch als „Umklammerungsreflex“.

Doch das ist nicht alles!

„Es wird auch angenommen, dass er einen beträchtlichen Anteil an der Entwicklung des kindlichen Atemmechanismus im Mutterleib hat“,

so Goodard Blythe.

Nach der Geburt löst der Moro-Reflex zum Beispiel den ersten Atemzug aus und weitet die Luftröhre bei Erstickungsgefahr. Kurz gesagt: Er ist überlebensnotwendig!

Der Moro-Reflex beeinträchtigt Dein Baby? Diese Tipps können helfen

Manche Babys werden durch den Moro-Reflex im Schlaf beeinträchtigt oder befinden sich zu einem großen Teil des Tages „an der Schwelle der Kampf- und Fluchtbereitschaft“. Hast Du das Gefühl, Dein Baby kann durch den Moro-Reflex oft nicht entspannen und zur Ruhe kommen? Diese Tipps können Euch helfen:

  1. Tragen im Tragetuch oder in einer Babytrage
  2. Schlafen auf dem Arm oder Bauch von Mama oder Papa
  3. eine Federwiege
  4. Pucken

Die leichten Bewegungen durch den Körperkontakt oder die Bewegungen der Federwiege helfen vielen Babys ruhiger zu schlafen und verhindern das ständige Aufschrecken. Das Pucken erinnert Dein Baby zudem an die Zeit im Bauch, in der es eng von Deiner Gebärmutter umschlossen war. Durch festes Einwickeln in eine Decke oder einem speziellen Pucksack kann so ein tieferer Schlaf unterstützt werden, weil die beruhigende Wirkung den Moro-Reflex lindert. Aber mit Bedacht! Das Pucken ist nicht gänzlich unumstritten: Lies in unserem Magazin über die Für- und Gegenstimmen des Puckens.

Wie lange hält die Moro-Reaktion an?

In der Regel wird der Moro-Reflex in den ersten vier Monaten ganz naturgegeben durch das Heranreifen des Nervensystems von der „erwachsenen Schreckreaktion“ abgelöst. Was heißt das genau? Tritt ein unerwarteter Reiz auf, passiert nun Folgendes anstelle der Moro-Reaktion:

  1. Dein Baby zieht seine Schultern schnell hoch.
  2. Es dreht seinen Kopf, um die Störquelle zu finden.
  3. Weiß es, woher der Reiz kam, fährt es mit dem fort, was es vorher getan hat.

Bei Situationen extremer Gefahr ist es gelegentlich möglich, dass der Moro-Reflex auch noch im weiteren Verlauf des Lebens auftritt. Grundsätzlich sollte er in seiner Grobform aber nach den ersten vier Lebensmonaten Deines Babys verschwunden sein.

Was kann passieren, wenn der Moro-Reflex nicht verschwindet?

Bei manchen Kindern wird der Moro-Reflex nicht im Babyalter abgelöst, sondern bleibt bestehen. In seltenen Fällen nehmen sie ihn sogar bis ins Erwachsenenalter mit. Hier spricht man von einem persistierenden bzw. anhaltenden Moro-Reflex. Häufig deutet das auf das auf eine Entwicklungsstörung oder Erbkrankheit hin. Sally Gooddard Blythe stellt dazu fest:

„Der Moro-Reflex ist unbedingt notwendig für das Überleben des Neugeborenen, aber es wird tiefgreifende Folgen haben, wenn er nicht zur richtigen Zeit gehemmt und in eine erwachsene Schreckreaktion umgewandelt wird.“

Mögliche allgemeine Auswirkungen einer anhaltenden Moro-Reaktion

Ein bestehender Moro-Reflex ist prinzipiell mit einem Zustand akuter Reizüberflutung und Hypersensibilität zu vergleichen. Wie kann sich das unter anderem äußern?

  1. Schreckhaftigkeit und erhöhte Ängstlichkeit
  2. Beeinträchtigung des Schlafrhythmus
  3. Probleme abzuschalten und zur Ruhe zu finden
  4. Sehr plötzliche Müdigkeit
  5. Koordinationsschwierigkeiten
  6. Schnelle Ermüdung der Augen und Lichtempfindlichkeit
  7. Gleichgewichtsprobleme
  8. Wiederholte Hals-Nasen-Ohren-Infekte
  9. Bei älteren Kindern: leichte Ablenkbarkeit durch Schwierigkeiten mit visueller Aufmerksamkeit auf ein Zentrum
  10. Zusammenhang zu Entwicklungsstörungen wie ADS, ADHS, KISS und KID

Persönlichkeitsbezogene Auswirkungen der anhaltenden Moro-Reaktion

Kinder mit anhaltendem Moro-Reflex erscheinen häufig einerseits sehr sensibel, sind fantasievoll und saugen Eindrücke aus ihrer Umwelt auf wie Schwämme. Anderseits sind sie emotional eher unreif, tendieren zu Überreaktionen und ihnen fehlt es an Ausdauer und Kritikfähigkeit.

Das kann sich folgendermaßen in der Persönlichkeit zeigen:

Ängstlicher Typ

  • Selbstzweifel
  • Rückzug
  • Schwierigkeiten mit sozialen Kontakten und Emotionen

oder

Hochaktiver Typ

  • Selbstüberschätzung
  • leicht aufzuregen
  • Schwierigkeiten Körpersprache zu verstehen
  • Risikobereitschaft
  • Tendenz Situationen dominieren zu wollen

Eine perstistierenden Moro-Reaktion zeigt sich also vermehrt innerlich anstatt rein äußerlich an der erkennbaren Bewegungsreaktion.

Anhaltender Moro-Reflex: Die Behandlung

Wichtig zu wissen: Ein anhaltender Moro-Reflex lässt sich behandeln. Wurde bei Deinem Kind eine entsprechende Diagnose vom Facharzt gestellt, ist es ratsam so schnell wie möglich mit der Behandlung zu beginnen. Eine Therapie gestaltet sich dann ganz individuell orientiert am Bewegungs- und Reflexprofil des Kindes. Grundsätzlich verläuft sie auf neurophysiologischer Grundlage und ist stets an den Fortschritten des Kindes orientiert. Nach einer Grunduntersuchung, die die frühkindlichen Reflexe und Bewegungsmuster abdeckt, wird eine für Euch individuelle Therapieentscheidung getroffen. Eine oft genutzte Methode ist die Neuro-Reflextherapie. Hier führen gezielte Übungen in den Bereichen

  • Wahrnehmung
  • Grob- und Feinmotorik
  • Gleichgewichtssinn

zu einer Hemmung des Moro-Reflexes.

Fazit

Der Moro-Reflex stellt grundsätzlich keinen Grund zur Sorge dar. Leidet Dein Schatz unter dem häufigen Aufschrecken, können unsere Tipps Euch mehr ruhige Momente verschaffen. Ansonsten hilft das Mantra: Es geht ganz bald vorbei und ist einfach Teil der gesunden Entwicklung.

Solltest Du nach dem vierten Lebensmonat feststellen, dass der Reflex nicht verschwindet, ist es ratsam, das ganze ärztlich abklären zu lassen. Grundsätzlich gilt aber: Jedes Kind entwickelt sich in seinem ganz individuellen Tempo und es besteht nicht gleich Grund zur Sorge. Sollte in Eurem Fall wirklich ein anhaltender Moro-Reflex vorliegen, gibt es ausreichende Behandlungsmöglichkeiten.

Quellen:

Goddard Blythe, S.: Greifen und Begreifen. Wie Lernen und Verhalten mit frühkindlichen Reflexen zusammenhängen (2016).

Unsere Texte zu Gesundheitsthemen ersetzen keinesfalls den Arztbesuch.
Mehr Infos dazu findest Du hier.

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