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Geburt einleiten: Wie funktioniert das?

Die wenigsten Babys kommen genau am errechneten Termin zur Welt. Manche lassen sich jedoch so lange Zeit, dass der behandelnde Arzt die Geburt einleiten muss, um die Gesundheit von Mutter und Kind nicht zu gefährden. Hier erfährst Du, wann es zur Geburtseinleitung kommt, welche Möglichkeiten es gibt und welche Risiken beim Einleiten der Geburt bestehen.

Wann wird die Geburt eingeleitet?

Wenn Dein Frauenarzt Dir am Anfang Deiner Schwangerschaft den Mutterpass ausstellt, vermerkt er dort den errechnete Geburtstermin — das Datum, an dem Dein Kind rein rechnerisch auf die Welt kommt. Statistisch gesehen kommen aber nur drei Prozent der Kinder wirklich an diesem Tag auf die Welt. Die meisten Babys werden zwei Wochen vor oder nach diesem Termin geboren. Wird der Geburtstermin um ein paar Tage überschritten, besteht kein Anlass zur Sorge. Wenn sich jedoch eine Woche nach dem errechneten Geburtstermin noch nichts tut, steigt das Risiko für Komplikationen und der Arzt muss die Geburt einleiten.

Eine Schwangerschaft dauert im Normalfall 40 Wochen. Ab der 41. Schwangerschaftswoche spricht man von Übertragen und Schwangeren wird häufig empfohlen, die Geburt einleiten zu lassen. Mit jedem Tag der Schwangerschaft steigt das Risiko für eine unzureichende Versorgung des Kindes, ein hohes Geburtsgewicht und somit die Wahrscheinlichkeit eines Kaiserschnitts.

Besonders betroffen sind Frauen, die…

  • schon etwas älter sind
  • Übergewicht haben
  • rauchen

Spätestens ab der 42. Schwangerschaftswoche wird die Geburt eingeleitet.

Warum kommt es zur Geburtseinleitung?

Neben einer Übertragung kann die Einleitung der Geburt auch in anderen Fällen notwendig sein:

  • Ebenfalls kann die Einleitung der Geburt nach einem vorzeitigen Blasensprung notwendig werden, wenn die Wehen innerhalb von 24 Stunden nicht von selbst einsetzen, da dann das Infektionsrisiko für das Baby zu hoch wird.
  • Wenn eine Gefahr für das Baby besteht, beispielsweise bei einer Plazentainsuffizienz, bei der das Baby nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, muss die Geburt ebenso eingeleitet werden.
  • Schwangere, die an Schwangerschaftsdiabetes, einer Schwangerschaftscholestase , Bluthochdruck oder anderen Erkrankungen leiden, wird häufig eine vorzeitige Entbindung empfohlen.
  • Wenn das Baby sehr groß oder sehr schwer ist und der Arzt vermutet, dass es noch weiter an Größe oder Gewicht zunehmen wird, kann eine vorzeitige Geburt sinnvoll sein.
  • Zu wenig Fruchtwasser kann eine Einleitung notwendig machen.
  • Wenn die Kindsbewegungen abnehmen.
  • Eine schwere Form der Schwangerschaftsvergiftung (Hellp-Syndrom) erfordert im Regelfall eine sofortige Einleitung oder einen Kaiserschnitt.

Wie wird die Geburt eingeleitet?

Wird eine Geburt eingeleitet, bedeutet das, dass der Arzt künstliche Wehen im Körper der Mutter auslöst oder die natürliche Wehentätigkeit der Mutter anregt. Die Geburtseinleitung geschieht im Krankenhaus unter ärztlicher Aufsicht und kann mehrere Tage dauern.

Es gibt zwei Methoden, um die Geburt einzuleiten: die medikamentöse und die mechanische. Welche Methode der Arzt wählt, hängt vom Schwangerschaftsverlauf, eventuellen Vorerkrankungen und dem Wunsch der Frau ab.

Geburt einleiten: mechanische Verfahren

Eipol-Ablösung

Wenn der Muttermund schon etwas geöffnet ist, kann der Arzt oder die Hebamme mit den Fingern hindurchfassen und die äußere Hülle der Fruchtblase, die das Baby umgibt, vom Rand der Gebärmutter lösen. Der Vorteil hierbei ist, dass keine Medikamente eingesetzt werden müssen, da der Körper durch den Eingriff selbst Prostaglandine freisetzt, die die Wehentätigkeit anregen. Bei etwa der Hälfte der Schwangeren setzen so innerhalb von zwei Tagen auf natürliche Weise die Wehen ein. Allerdings kann dieser Eingriff auch etwas schmerzhaft für die Schwangere sein.

Ballonkatheter

Ein Katheter wird vaginal eingeführt und anschließend mit Luft gefüllt, um den Gebärmutterhals zu dehnen. Auf diese Weise wird der Muttermund gedehnt und der Körper reagiert mit der Ausschüttung von körpereigenen Prostaglandinen.

Künstlicher Blasensprung

Eine andere Möglichkeit der mechanischen Einleitung ist das Öffnen der Fruchtblase. Die Fruchtblase wird mit Hilfe eines Häkchens vorsichtig geöffnet — sofern der Muttermund weich ist und der Kopf des Kindes gut liegt. So läuft das Fruchtwasser heraus, was die Ausschüttung von Prostaglandinen anregt und damit auch die Wehentätigkeit. Diese Methode wird in der Regel jedoch nur noch vereinzelt angewandt, da die Wahrscheinlichkeit eines Nabelschnurvorfalls und auch das Infektionsrisiko erhöht ist.

Geburt einleiten durch Medikamente

Bei der Geburtseinleitung mit Medikamenten kommen Wirkstoffe zur Wehenförderung zum Einsatz. Meistens sind das die Hormone Oxytocin oder Prostaglandin.

Prostaglandin

Wenn der Muttermund noch nicht weich genug ist, wird ein Zäpfchen oder Gel mit dem Hormon Prostaglandin in die Scheide eingeführt oder auch in Form von Tabletten verabreicht. Das Hormon stimuliert die Muskelfasern am Muttermund und kann so Wehen auslösen. Oft dauert es danach aber noch mehrere Stunden bis die Wehen einsetzen und auf manche Schwangere hat das Hormon gar keine Auswirkungen. Der Vorteil von Prostaglandin ist jedoch, dass es bei dieser Methode kaum Nebenwirkungen gibt.

Syntocinon (synthetisches Oxytocin)

Sicherlich hast Du schon einmal etwas vom Wehentropf gehört, an den Schwangere angeschlossen werden, damit die Wehen einsetzen. Meist enthält die Flüssigkeit Syntocinon, das ist eine synthetische Form des Hormons Oxytocins, das der Körper normalerweise selbst bildet. Dieser Wirkstoff kommt zum Einsatz, wenn der Muttermund bereits weich ist. Durch die Infusion wird der Muttermund geweitet und die Wehen setzen ein. Der Vorteil ist, dass die Dosis der Infusion exakt eingestellt werden kann, damit die Wehen nicht zu stark werden.

Welche Risiken bringt eine Geburtseinleitung mit sich?

Ab der 41. Schwangerschaftswoche überwiegen meist die Vorteile einer Geburtseinleitung. Dennoch gibt es Risiken und mögliche Komplikationen:

  • die durch Medikamente herbeigeführten künstlichen Wehen sind meist länger und schmerzhafter
  • das Risiko für einen Kaiserschnitt steigt, weil man nie weiß, wie der Körper auf die Einleitung reagiert und diese Situation auch Stress für das ungeborene Kind bedeutet
  • häufiger Einsatz von Geburtszange oder Saugglocke
  • erhöhte Herztöne beim Baby
  • größere Anpassungschwierigkeiten des Kindes nach der Geburt

Welche Gründe sprechen gegen eine Einleitung?

Verschiedene Gründe können gegen eine Einleitung der Geburt sprechen:

  • Placenta praevia (Fehllage der Plazenta)
  • Nabelschnurvorfall
  • vorherige Operationen an der Gebärmutter
  • akuter Genitalherpes
  • Missverhältnis zwischen dem Becken der Mutter und dem Kopf des Kindes

Fazit

Auch wenn Dein errechneter Entbindungstermin bereits überschritten sein sollte, bewahre bitte Geduld. Falls sich bei Dir am errechneten Termin noch nichts tut, kannst Du es zunächst auch mit natürlichen Mitteln probieren, um die Geburt anzuregen, etwa Spaziergängen, geburtseinleitender Akupunktur oder Sex. Aber bevor Du selbst irgendetwas unternimmst ist es wichtig, dass Du Dich mit Deinem Arzt oder Deiner Hebamme berätst. Auch der Einsatz natürlicher Methoden setzt voraus, dass es Dir und Deinem Kind gut geht!

Vielleicht machst Du Dir auch Sorgen, weil eine Einleitung immer wahrscheinlicher wird. Aber auch dies ist kein Weltuntergang, die Ärzte und Hebammen werden das Beste für Dich und Dein ungeborenes Kind geben. Und Du solltest auch das Positive an einer Einleitung sehen: so wirst Du Deinen kleinen Schatz schon bald in Deinen Händen halten können.

Wurde bei Dir auch die Geburt eingeleitet? Welche Erfahrungen hast Du gemacht? Wir freuen uns über Deinen Kommentar!

Geburt einleiten: Wie funktioniert das? Bei einer Übertragung des Babys, aber auch in anderen Fällen wird der Arzt die Geburt einleiten. Erfahre hier alles über die Methoden der Geburtseinleitung

2 Kommentare

Antworten

  1. Bei meinem Sohn wurde wegen drohender Schwangerschaftsvergiftung eingeleitet. Da war ich bei 37+0. Zuerst eine Eipollösung die unangenehm aber auszuhalten war, dennoch nichts brachte. Danach bekam ich 2 Tage lang eine Tablette vor den Muttermund gelegt. Hat ganz schön geziept, gibt aber bestimmt schlimmeres. Am 3 Tag war das CTG nicht gut und man entschied sich, mich an den Tropf zu legen. Es ging sehr schnell. Nach 3 Stunden war er schon da. Es wurde eine Traumgeburt. Und da ich 2 Tage lang schon Wehen hatte, spürte ich von den Nachwehen gar nichts. (Die sollen nach der zweiten Geburt schlimm sein) Ich habe also gute Erfahrungen gemacht. 🙂

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