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Die Ramzi-Methode zur Geschlechtsbestimmung: Was ist dran?


Als ich schwanger war, wollte ich am liebsten sofort das Geschlecht meines Babys erfahren. Leider musste ich mich gedulden bis mir der Arzt schließlich mitteilte, dass ich eine Tochter erwartete. Damals wusste ich nichts von der Ramzi-Methode, einer der vielen Arten, die versprechen, das Geschlecht Deines ungeborenen Babys vorherzusagen. Klingt spannend, oder? Aber wie genau funktioniert die Ramzi-Methode? Ist sie wissenschaftlich fundiert oder eher ein moderner Aberglaube? Und was sagt die deutsche Gesetzgebung dazu? 

In diesem Beitrag nehme ich Dich mit auf eine spannende Reise durch die Welt der pränatalen Geschlechtsbestimmung. Wir werden die Ramzi-Methode unter die Lupe nehmen, ihre wissenschaftliche Glaubwürdigkeit prüfen und sogar ethische Fragen beleuchten, die sie aufwirft. 

Was ist die Ramzi-Methode? 

Bevor wir tief in die Details eintauchen, lass uns einen Blick auf die Wurzeln der Ramzi-Methode werfen. Die Methode scheint ihren Ursprung in einem Forschungspapier zu haben, das 2011 auf der Website ObGyn.net veröffentlicht wurde. Darin publizierte Dr. Saad Ramzi Ismail seine Ergebnisse zur Geschlechterbestimmung während der Schwangerschaft. Achtung, Dr. Ismail ist kein Mediziner, allerdings besitzt er einen Master in Sonografie. Das bedeutet, dass er ein Ultraschall-Experte ist.   

Die Ramzi-Methode basiert auf der Feststellung der Plazentaposition im Ultraschallbild. Ja, Du hast richtig gehört! Es geht um die Position der Plazenta im Mutterleib. Laut Dr. Ismail kann die Seite, an der die Plazenta an der Gebärmutterwand anhaftet, das Geschlecht des Babys vorhersagen. Ist die Plazenta auf der rechten Seite, soll es ein Junge werden; ist sie auf der linken Seite, ein Mädchen. 

Zu seiner Erkenntnis gelang Ismail durch die Untersuchung von rund 5.400 Schwangeren zwischen den Jahren 1997 und 2007. Dabei gewann er folgende Resultate:  

  • 97,2 % der Föten waren männlich, wenn der Nabelschnuransatz auf der rechten Seite im Uterus lag.  
  • 97,5 % der Föten waren weiblich, wenn der Nabelschnuransatz links war.  

Vorgehensweise bei der Ramzi-Methode 

Die Ramzi-Methode kommt meistens ab der 5. Schwangerschaftswoche und bis zur 8. SSW zum Einsatz.

Mit dieser Methode ging Ramzi vor

Ramzi selbst führte dazu eine ganz bestimmte Art der Ultraschalluntersuchung durch, nämlich eine vaginale Dopplersonografie. Mit dieser Untersuchungsmethode kann man den Blutfluss und seine Geschwindigkeit durch die Nabelschnur farbig darstellen und anhand der Farben bestimmen, auf welcher Seite sich Plazenta und Nabelschnur befinden.

Achtung: Normalerweise wird in diesem frühen Stadium der Schwangerschaft beim Frauenarzt keine Dopplersonografie gemacht. Dr. med. Sarah Plack sagt dazu in ihrem Video zur Ramzi-Methode, das ich Dir weiter unten verlinkt habe: „Das macht es (…) schwieriger, die Ramzi-Methode mit einem normalen konventionellen Ultraschallbild überhaupt anzuwenden und sie sollte so auch nicht verwendet werden.“

Wenn Du die Geschlechterbestimmung nach Dr. Ismail nicht zu ernst nimmst, kannst Du es natürlich trotzdem mal mit Deinem Ultraschallbild von der 6. bis 8. WWS ausprobieren. Sei Dir aber bitte im Klaren, dass das Ergebnis nicht stimmen muss. Triff keine wichtigen Entscheidungen aufgrund Deiner Auswertungen! 

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Anwendung beim normalen Ultraschallbild: So gehst Du vor

Dabei ist es für einen Laien nicht einfach, ein Ultraschallbild auszuwerten. Wenn Du Dein Foto betrachtest, dann achte darauf, dass der kleine Halbkreis oben ist (Bauchseite) und der große Halbkreis unten (Rückenseite) (siehe Foto). Wenn Du Dein Foto so positioniert hast, dann liegt es für eine Interpretation nach der Ramzi-Methode richtig vor Dir.

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So hältst Du Dein Foto richtig herum: kleiner Halbkreis oben, großer Halbkreis unten (Beispiel Ultraschallbild aus SSW 7)

Schau Dir den Rand der Fruchthöhle genau an. Vielleicht siehst Du einen helleren Fleck am Rand der Fruchthöhle. Das ist der Anfang von dem, was später die Plazenta wird. Nach der Ramzi-Methode interpretierst Du Dein Ultraschallbild so:

Vaginaler Ultraschall: Ist der helle Fleck rechts, wird es wohl ein Junge. Befindet sich der Fleck links, dann wird es wahrscheinlich ein Mädchen. Manchmal liegt der helle Bereich auch mittig oder umlaufend. Dann kann keine Aussage getroffen werden.  

Sonografie durch die Bauchdecke: Das Ultraschallbild wird gespiegelt dargestellt. Entdeckst Du die Plazenta auf dem Foto rechts (also eigentlich linke Seite), wird es vermutlich ein Mädchen an. Liegt die Plazenta auf dem Foto links (eigentlich rechte Seite), weist das auf einen Jungen hin.

Die wichtigsten Fakten zur Ramzi-Methode

  • Angeblich sehr frühe Geschlechtsbestimmung in der 5.-8. SSW möglich.
  • Nicht-invasive Methode per Ultraschall.
  • Plazenta und Nabelschnuransatz links spricht für Mädchen, rechts für Jungen (vaginaler Ultraschall).
  • Methode umstritten und nicht wissenschaftlich bewiesen.
  • Für Laien in der Anwendung schwierig.
    Grund 1) In Frühschwangerschaft normal keine Dopplersonografie.
    Grund 2) Spezialwissen nötig. Viele mögliche Fehlerquellen bei Interpretation des Bildes.

Schau Dir gerne auch dieses informative Video von Dr. med. Sarah Plack an:

Wissenschaftliche Glaubwürdigkeit

Es ist wichtig zu beachten, dass ObGyn.net, die Seite, auf der die Ramzi-Theorie ursprünglich veröffentlicht wurde, im Besitz eines Medienunternehmens ist und sich selbst als Online-Community für medizinische Fachleute bezeichnet. Es handelt sich also nicht um eine von Experten begutachtete medizinische Zeitschrift. Das bedeutet, dass die Forschungsergebnisse nicht den strengen Prozess der Überprüfung durch andere Wissenschaftler oder medizinische Experten durchlaufen haben.  

Doch das stimmt nicht ganz. Es existieren mittlerweile 2 Forschungsarbeiten, die zum gleichen Ergebnis wie die Ramzi-Studie kommen.  

Studien, die die Ramzi-Theorie stützen 

Die Studien folgender Wissenschaftler sprechen für die Ramzi-Methode: 

  • Eine Studie aus der Republik Moldau hat die Ramzi-Methode unter die Lupe genommen. Dabei wurden 41 schwangere Frauen in der 6. SSW mittels vaginaler Sonografie untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass 83,3 % der männlichen Föten eine Plazenta-Position auf der rechten Seite des Uterus hatten, während 91,3 % der weiblichen Föten eine Plazenta-Position auf der linken Seite hatten. Die Methode konnte das Geschlecht des Fötus im Durchschnitt zu 90 % korrekt vorhersagen. 
  • Eine iranische Studie untersuchte 751 schwangere Frauen und fand eine signifikante Beziehung zwischen der Lage des Gestationssacks (GS) und dem Geschlecht des Fötus. Die Studie kam jedoch zu dem Schluss, die GS-Position könne als Methode für die frühe Geschlechtsbestimmung in Betracht gezogen werden, aber weitere Forschung sei erforderlich. Veröffentlicht wurde diese Forschungsarbeit im Journal of Pharmaceutical Research International.  

Studie, die gegen die Methode spricht

Aber es existieren nicht nur Studien, die die Ramzi-Theorie stützen. Eine australische Forschungsgruppe widerlegte die Ramzi-Theorie durch ihre Untersuchung von 277 Schwangeren. Dabei wurde kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Plazentaposition und dem Geschlecht des Fötus festgestellt. 

Fazit der Wissenschaft

Am 23. Oktober 2020 gab es auf der Seite Contemporaryobgyn.net ein Update zu Ramzis Untersuchung. Darin heißt es, die Ramzi-Methode hätte durch weitere Studien bisher nicht bestätigt werden können und werde deshalb von den meisten Wissenschaftlern und Frauenärzten abgelehnt.

Als sehr zuverlässige Alternative zur frühen Geschlechtsbestimmung wird eine Blutuntersuchung (Harmony-Test) empfohlen.

Kritik an der Ramzi-Methode 

Die Ramzi-Methode ist in der wissenschaftlichen Gemeinschaft umstritten, da sie nicht durch Peer-Review-Verfahren validiert wurde. Dies wirft Fragen nach ihrer wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit auf. 

Ein weiterer Kritikpunkt ist die ethische Dimension der Methode, denn sie würde eine sehr frühe Geschlechtsbestimmung des Fötus ermöglichen. In einigen Kulturen gibt es eine Präferenz für ein bestimmtes Geschlecht (oft für männliche Nachkommen). Ungeborene mit dem weniger beliebten Geschlecht könnten bewusst abgetrieben werden und so zu einem unausgewogenen Geschlechterverhältnis in der Bevölkerung führen. Das kann langfristige soziale und wirtschaftliche Auswirkungen haben.  

In Deutschland ist die Rechtslage zum Schwangerschaftsabbruch recht klar. Ein Abbruch ist nur bis zur 12. Woche nach der Befruchtung erlaubt und auch nur nach einer Pflichtberatung. Danach ist es möglich, den Abbruch ohne Angabe weiterer Gründe vorzunehmen. Ein Schwangerschaftsabbruch aufgrund des Geschlechts des Fötus ist in Deutschland jedoch nicht zulässig und wird als ethisch problematisch angesehen. Dennoch könnte es vorkommen, dass sich manche Eltern nach der Geschlechtsbestimmung gegen ein Baby entscheiden, aber andere Gründe vorschieben.  

Deshalb ist es Ärzten in Deutschland grundsätzlich nicht erlaubt, das Geschlecht des Babys vor der 14. SSW mitzuteilen. Auch wenn der Gynäkologe schon früher erkennen könnte, ob es Mädchen oder Junge wird, darf er nichts verraten. 

Die Ramzi-Methode birgt außerdem das Risiko der Verbreitung von Fehlinformationen. Da sie nicht eindeutig wissenschaftlich überprüft ist, könnten werdende Eltern irreführende oder falsche Informationen erhalten. 

Mädchen oder Junge? Alternativen zur Geschlechtsbestimmung

Wie Du nun weißt, ist die Ramzi-Methode umstritten. Daneben gibt es noch weitere Methoden zur Geschlechtsbestimmung:

Allerdings würde ich mich eher auf wissenschaftlich fundierte Methoden wie den Harmony-Test oder die Aussage meines Gynäkologen verlassen. Dann kannst Du Dir nämlich relativ sicher sein, dass die Geschlechts vernünftig durchgeführt wird. Allerdings passieren auch dabei Fehler. Eine 100%ige Sicherheit gibt es erst dann, wenn Du Dein Baby entbunden hast.


Quellen:

Unsere Texte zu Gesundheitsthemen ersetzen keinesfalls den Arztbesuch.
Mehr Infos dazu findest Du hier.

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