Präeklampsie

Präeklampsie – Habe ich eine Schwangerschaftsvergiftung?


In vielen Köpfen ist die Angst vor einer Präeklampsie – auch Schwangerschaftsvergiftung genannt – präsent. Aber was genau ist denn das eigentlich? Woher kommt sie und wie äußert sie sich? Diese und andere Fragen möchte ich heute beantworten und vielleicht auch ein wenig Angst nehmen, denn eine wirkliche Präeklampsie, wie es in der Fachsprache heißt, ist selten.

Was ist eine Präeklampsie?

Bei der Präeklampsie kommt es während der Schwangerschaft zu einer Blutdruckerhöhung bei der Mama. Gleichzeitig wird (häufig extrem schnell und extrem viel) Wasser im Gewebe eingelagert und es kommt zu einer Proteinurie. Das heißt, die Schwangere scheidet vermehrt Eiweiß aus. Diese drei Parameter findest Du auch bei der Vorsorgeuntersuchung berücksichtigt.

Bei der Schwangerschaftsvorsorge wird jedes Mal der Blutdruck gemessen und im Urin wird immer nach Eiweiß geschaut. Die Gewichtszunahme gibt Aufschluss darüber, ob eine vermehrte Wassereinlagerung vorliegt. Meist entsteht eine Präeklampsie in der zweiten Schwangerschaftshälfte, also nach der 20.SSW.

Es kann vorkommen, dass Du viel Wasser eingelagert hast. Oft ist der Blutdruck mal ein wenig erhöht war es wurde Eiweiß im Urin gefunden. All’ das ist kein Grund zur Besorgnis. Das kennen auch viele Schwangere, die keine Präeklampsie haben, denn diese Veränderungen oftmals völlig normal.

Eine Präeklampsie unterscheidet sich von den normalen Veränderungen während einer Schwangerschaft. Meistens treten alle Symptome gleichzeitig auf und die Beschwerden werden nicht besser. Das heißt, ohne Therapie steigt der Blutdruck weiter, der Körper lagert noch mehr Wasser ein und der Eiweißgehalt im Urin nimmt zu.

Risikofaktoren für eine Präeklampsie

Studien zeigen, dass Präeklampsien etwas häufiger bei Frauen über 35 Jahren, Mehrlingsschwangerschaften und Erstgebärenden auftreten. Ein weiterer Risikofaktor ist wie so oft Übergewicht und damit häufig verbundene Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus und Bluthochdruck. Auch bestimmte Autoimmunerkrankungen können das Risiko für eine Präeklampsie erhöhen.

Ebenfalls geht man davon aus, dass eine Mama, die bereits in einer vorausgegangenen Schwangerschaft eine Präeklampsie hatte, ein deutlich höheres Risiko für eine erneute Präeklampsie hat.

Präeklampsie = Schwangerschaftsvergiftung?

Nein, der Begriff ist irreführend und auch nicht wirklich korrekt. Bis heute gibt es viele unterschiedliche Ansätze für Erklärungen. Allerdings weiß man immer noch nicht sicher, warum manche Frauen in der Schwangerschaft eine Präeklampsie entwickeln. Früher verfolgte man den Ansatz, dass der Körper sich gegen die Schwangerschaft und das entstehende Baby wehrt. Das führt zu einer Vergiftung der Mutter. In der Umgangssprache hat sich der Begriff gehalten, vielleicht, weil er die Brisanz der Situation und die Gefährlichkeit der Lage unterstreicht.

Heute geht man eher davon aus, dass verschiedene Faktoren (wie z.B. eine schlechte Durchblutung der Plazenta oder ein zu geringes mütterliches Blutvolumen ) dazu führen, dass der Blutdruck ansteigt. Der Körper der Mutter versucht so die Durchblutung zu verbessern.

Im Rahmen der Recherche für diesen Artikel bin ich auf einige unterschiedliche Theorien gestoßen, da ich auf dem Gebiet kein Fachmann bin, muss ich an dieser Stelle für genauere Informationen dazu leider an Deinen Frauenarzt verweisen, der kann sicher neuere Studien oder auch konkretere Informationen bieten ;-)

Symptome einer Präeklampsie

Du wirst vermutlich zuallererst die Ödeme, also die Wassereinlagerungen bemerken. Bei der Präeklampsie gehen diese oft weit über das Maß, das man so kennt (die Socken schneiden ein, der Ehering passt nicht mehr) hinaus. In der Klinik habe ich einmal eine Frau mit betreut, die im Laufe einer Woche über 10 kg zugenommen hat! Das merkt man also auf jeden Fall relativ deutlich. Der erhöhte Blutdruck wird vielleicht zunächst einmal beim Frauenarzt auffallen. Dann wirst Du vermutlich gebeten, daheim den Blutdruck zu kontrollieren. Werte über 140/90 sollten auf jeden Fall ärztlich kontrolliert und gegebenenfalls auch überwacht werden. Viele Frauen geben aber auch einfach diffuse Beschwerden an, die durch den hohen Blutdruck ausgelöst werden können. Häufig auftretende Symptome sind Kopfschmerzen, LichtempfindlichkeitAugenflimmern (also “Blitze” vor den Augen) oder Schwindel.

Auch Übelkeit und Erbrechen kommen häufig vor. Manchmal kommt es bei einer bestimmten Form der Präeklampsie auch zu Schmerzen an der Leber, also im rechten Oberbauch.

Wenn Du also diese Symptome an Dir bemerkst, solltest Du auf jeden Fall Deinen Frauenarzt oder auch eine Klinik aufsuchen. Es muss dringend abgeklärt werden, ob es sich um harmlose Schwangerschaftsbeschwerden (und das ist das Wahrscheinlichste) oder eben um eine gefährliche Präeklampsie handelt.

Behandlung einer Präeklampsie

Zunächst einmal wird Blut abgenommen, Du bekommst ein Blutdruckmessgerät angeschlossen. Per Ultraschall und CTG wird geprüft, wie es Deinem Baby in dieser anstrengenden Situation geht. Meist wird über 24 Stunden der Urin gesammelt, um einen genauen Eiweißgehalt zu bestimmen. Zudem wird notiert, wie viel Flüssigkeit Du zu Dir nimmst und wie viel Du ausscheidest. So bekommen die Ärzte einen besseren Eindruck von den Wassereinlagerungen.

Meistens wirst Du in dieser akuten Situation im Kreißsaal oder im Aufwachraum betreut und liegst alleine in einem leicht abgedunkelten Raum, um für die nötige Ruhe zu sorgen.

Je nachdem, wie schwerwiegend die Präeklampsie ist, wird alles getan, um Deinem Baby einen bestmöglichen Start ins Leben zu bereiten. D. h. vor der abgeschlossenen 34. SSW würdest Du ein Medikament zur Lungenreife bekommen. Nach der 34. SSW wird meistens relativ schnell eine Geburt angestrebt, denn die Beendigung der Schwangerschaft ist leider die einzige Therapie.

In dieser Situation ist es für das betreuende Team manchmal sehr schwer, zu entscheiden, wie lange man warten kann, bis das Baby wirklich zur Welt kommen muss. Denn die Situation für die Mama kann sich innerhalb der ersten 72 Stunden nach der Geburt noch einmal deutlich verschlechtern. Das bedeutet, gerade in ganz frühen Schwangerschaftswochen zählt jeder Tag. Es ist ein ständiges Abwägen und Kontrollieren der Situation nötig. So kräftezehrend und anstrengend das für Dich und Deinen Partner dann sein mag, es ist leider die einzige Möglichkeit, den Zeitpunkt zu erkennen, wenn man definitiv nicht mehr warten kann.

Denn eine echte Präeklampsie gefährdet zwei Menschenleben.

Mein Fazit

Das Thema “Präeklampsie” ist kein schönes und ich möchte Dir hier auch keinen falschen Eindruck der Realität vermitteln. Eine echte Präeklampsie ist eine der schwierigsten, gefährlichsten und unberechenbarsten Situationen in der Schwangerschaft.

Aber sie ist selten!! Nur ca. 5 % aller Schwangeren haben einen dauerhaft zu hohen Blutdruck. Selbst von denen bekommt nur etwa mehr als die Hälfte wirklich eine Präeklampsie.

Wenn Du Dir Sorgen machst, bestimmte Symptome an Dir bemerkst oder Beschwerden nicht einordnen kannst, sprich darüber mit Deinem Frauenarzt, Deiner Hebamme oder Deiner Entbindungsklinik. Sie sind geschult darauf, eine Präeklampsie zu erkennnen und können Entwarnung geben oder weitere Schritte gemeinsam mit Dir einleiten. So ist am Ende einer Schwangerschaft sichergestellt, dass es Mutter und Kind gut geht.

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