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Stillvorbereitung: Ein Gewinn für jede Schwangere


Mein Baby stillen? Na klar, das wird bei mir auf jeden Fall klappen! In meiner ersten Schwangerschaft bin ich an das Thema Stillen ganz blauäugig und naiv herangegangen – und hatte Glück. Bei uns klappte es ohne Probleme. Allerdings weiß ich mittlerweile von Freundinnen, Familie oder Bekannten, dass das nicht immer so läuft. Auch mit viel positiver Einstellung und Unterstützung der Hebamme in der Klinik oder im Wochenbett kann das Stillen ohne Stillvorbereitung zu verschiedensten Schwierigkeiten führen.

Warum die Realität oft ganz anders aussieht als die rosige Vorstellung, die wir uns vorab vom Stillen machen und warum es gerade für die ersten Tage nach der Geburt immens sinnvoll ist, schon etwas Basiswissen zu haben, erkläre ich Dir hier.

Stillen ist etwas ganz Natürliches

Das häufigste Argument gegen die Notwendigkeit einer guten Stillvorbereitung während der Schwangerschaft lautet: Menschenbabys werden seit Millionen von Jahren gestillt. Stillen ist also etwas ganz Natürliches und Instinktives und es klappt ganz selbstverständlich.

Ja. Stillen ist etwas Natürliches. Aber das bedeutet nicht, dass es nicht auch Schwierigkeiten geben kann. In den meisten Kulturen wird das Wissen, das Du zu einem guten Stillstart brauchst, von Generation zu Generation weitergegeben.

Fehlende Vorbilder für stillende Mamas

In unserer Gesellschaft funktioniert diese Weitergabe nicht immer so selbstverständlich. Die eigene Mutter hat nicht zwangsläufig gestillt und ist auch nicht unbedingt in den Stunden und Tagen nach der Geburt Deines Babys zugegen. Auch im direkten Umfeld junger Mütter fehlen oft die Vorbilder und die Kommunikation über die konkreten Herausforderungen des Stillens. Die wenigsten Mamas haben vor der Geburt des ersten Kindes die Gelegenheit, eine stillende Mutter zu beobachten.

Wie Du Dich auf das Stillen vorbereiten kannst

Was Stillvorbereitung nicht bedeutet

Früher wurde häufig empfohlen, man solle die Brustwarzen vor dem Stillen abhärten, zum Beispiel durch Bürsten oder Einreiben mit bestimmten Substanzen.

Davon solltest Du Abstand nehmen, denn es kann zu feinen Verletzungen und Vernarbungen führen, die Entzündungen begünstigen. Durch die raue Behandlung kann die Schutzschicht der Haut zerstört werden und es können sich Hautirritationen bilden. Unter Umständen können sogar vorzeitige Wehen ausgelöst werden durch die Stimulation der Burstwarzen. 

Wunde Brustwarzen und Schmerzen beim Stillen vermeidest Du tatsächlich nicht durch Abhärtung, sondern durch richtiges Anlegen.

Was Stillvorbereitung wirklich bedeutet

Mit Stillvorbereitung ist deshalb etwas ganz anderes gemeint: Du solltest Dir vor dem Stillstart eine Art Grundwissen darüber zulegen, wie Du Dein Baby richtig anlegst, wie die Milchbildung funktioniert und wie Du bei Stillproblemen wie einem Milchstau oder wunden Brustwarzen richtig reagierst.

Die dazu nötigen Informationen kannst Du Dir auf verschiedenen Wegen besorgen. Überlege, was für Dich am besten passt, sodass Du im Ernstfall weißt, was zu tun ist:

  1. Bücher
  2. Stillvorbereitungskurse
  3. Stillcafés im Krankenhaus
  4. Onlinekurse
  5. Gut recherchierte Webseiten

Stillvorbereitung mit Stillbüchern

Stillbücher gibt es viele. Ich persönlich kann diese beiden empfehlen:

  • Das Stillbuch. Hannah Lothrop, Kösel-Verlag
  • Stillen: Das Begleitbuch für eine glückliche Stillzeit. – Alles Wichtige auf einen Blick. Vivian Weigert, Kösel-Verlag

Stillvorbereitungs-Kurse

Stillvorbereitungskurse gibt es in vielen Krankenhäusern und Städten. Du kannst Dir diese Kurse vorstellen wie einen Geburtsvorbereitungskurs. Eine Hebamme oder Stillberaterin vermittelt Dir und einer Gruppe anderer Teilnehmer alles wichtige zum Thema Stillen. Das nötige Wissen wird also von Person zu Person weiter gegeben.

Stillvorbereitung im Stillcafé

Wenn Du zusätzlich echte Vorbilder und Ansprechpartner haben möchtest, solltest Du auch in der Schwangerschaft schon ein Stillcafé im Krankenhaus oder anderen sozialen Einrichtungen besuchen. Dort kommen Schwangere und stillende Mütter zusammen und können Probleme besprechen. Auch eine professionelle Beratung ist vor Ort.

Online-Stillvorbereitung

Natürlich gibt es auch online immer mehr Kurse und Videos zum Thema Stillvorbereitung. Wenn Dir die Zeit für den Besuch eines echten Kurses fehlt oder in Deiner Gegend keiner angeboten wird, kann das eine gute Alternative sein.

Ich selbst habe vor einiger Zeit eine Stillseite angelegt, auf der Du Dich kurz und übersichtlich über die wichtigsten Themen rund ums Stillen informieren kannst.

Auch der richtige Zeitpunkt ist wichtig. Im letzten Schwangerschaftsdrittel bist Du vielleicht schon sehr angespannt gegenüber allem, was Dich nach der Geburt erwartet. Denke darum schon im zweiten Trimester über die Stillvorbereitung nach. Wenn Du allerdings das Gefühl hast, dass das Stillthema noch zu weit entfernt ist und noch kein echtes Interesse aufkommt, verlagere die Beschäftigung mit dem Thema lieber einige Wochen nach hinten.

Warum Du selbst eine Expertin werden solltest

Du fragst Dich jetzt vielleicht, warum es nicht ausreicht, Dich einfach auf die Hebammen und Schwestern im Krankenhaus zu verlassen? Leider kursieren gerade zum Thema Stillen viele Mythen und Glaubenssätze, die das Stillen nicht fördern, sondern verhindern können. Abgesehen davon ist im Krankenhaus-Alltag oft einfach nicht genug Personal und Zeit vorhanden.

96 % aller Mütter können stillen

Wenn die Milchbildung zum Beispiel nicht gleich klappt, kommt schnell die Vermutung auf, eine junge Mutter könne nicht stillen. Tatsächlich sind es weniger als 4% der Frauen, auf die das zutrifft. Mit der richtigen Beratung kannst Du also höchstwahrscheinlich stillen, auch wenn Deine Mutter oder Großmutter sagt, bei ihr sei einfach zu wenig Milch gekommen.

“Zu wenig Milch” ist oft ein Mythos

Auch der Mythos von “zu wenig Milch” ist weit verbreitet. Wenn Dein Baby in den ersten Tagen häufig an die Brust möchte, bedeutet das nicht, dass es nicht satt wird. Das häufige Stillen bringt die Milchbildung in Gang und beruhigt Dein Baby.

Zufüttern im Krankenhaus kann den Stillstart erschweren

Auch vorübergehendes und frühzeitiges Zufüttern mit Ersatzmilch ist in manchen Krankenhäusern noch verbreitet – einfach, weil die Schwestern es nicht besser wissen. Oder weil es schneller geht, als einer erschöpften Mama beim Stillen zu helfen. Dabei gibt es heute einen WHO-Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten und auch entsprechende gesetzliche Regelungen in Deutschland. Früher war es der Industrie erlaubt, damit zu werben, dass Muttermilch viele Schadstoffe enthalte und Ersatzmilch die bessere Option sei.

Wenn Du Dich bewusst für das Stillen Deines Kindes entschieden hast, ist es also wichtig, solche Glaubenssätze nicht zu übernehmen und Dich im Zweifel dagegen zu stellen. Es ist Dein Kind und Du bist die Expertin dafür.

Weitere Maßnahmen zur Stillvorbereitung

Die richtige Brustpflege in der Schwangerschaft

Du solltest Deine Brustwarzen also nicht mit Schwarztee oder Zitrone einreiben oder abbürsten (s.o.). Was Du aber tun kannst, ist Deine Brustwarzen einfach in Ruhe zu lassen. Das heißt, Du solltest sie hauptsächlich mit Wasser reinigen und beim Einölen oder Eincremen der restlichen Brust aussparen. Denn Dein Körper macht den Rest von ganz alleine.

Sinnvoll kann eine Vorbereitung der Brustwarzen dagegen sein, wenn Du Schlupf- oder Hohlwarzen hast. Diese können mit entsprechender Vorrichtung (Brustwarzenformer) während der Schwangerschaft sanft hervorgeholt werden.

Unterstützung suchen

Wenn möglich, wähle ein stillfreundliches Krankenhaus. Dort erwartet Dich echte Unterstützung in den ersten Tagen.

Schon vor der Geburt kannst Du Dir die Adresse und Telefonnummer einer guten Stillberatung heraussuchen und diese gegebenenfalls kontaktieren. Frag nach, wie das im Ernstfall abläuft. Die Hemmschwelle, dann tatsächlich auch anzurufen, ist dadurch viel geringer.

Beziehe Deinen Partner und andere nahe Angehörige in die Stillvorbereitung mit ein. Mach auch ihm klar, was Dich erwartet und wie er Dich unterstützen kann. Vielleicht könnt ihr gemeinsam planen, wer Dich wie im Haushalt und beim Kochen unterstützen kann.

Ernährung in der Stillzeit

Vor allem in den ersten Wochen und Monaten brauchst Du viel Energie für die Milchproduktion. Du wirst feststellen, dass Du eigentlich dauernd Hunger hast, wenn Du Stillst – aber kaum Zeit, etwas Gesundes zu kochen.

Befasse Dich vorab mit Nahrungsmitteln, die die Milchbildung fördern und lege entsprechende Vorräte an Nüssen, Trockenobst und haltbaren Lebensmitteln an. Auch ein Tiefkühl-Vorrat an Pastasaucen und Stillkugeln kann in den ersten Tagen und Wochen Gold wert sein.

Kleine Stillhelfer

Eigentlich brauchst Du zum Stillen nicht viel. Allerdings fühlst Du Dich vielleicht besser vorbereitet und selbstbewusster, wenn zu Hause eine kleine Stillecke mit einem Stillkissen auf Dich wartet. Ich persönlich finde sehr stabile Stillkissen, die nicht verrutschen können, sehr gut. Sehr beliebt und in Test mit Bestnoten bewertet ist auch das Stillkissen von Theraline.

Außerdem fördert das Tragen im Tuch oder einen Babytrage die Milchbildung und den gesamten Stillvorgang. Vielleicht besorgst Du Dir also auch eine gute Babytrage?

Für manche Komplikationen wie einen Milchstau oder ein saugschwaches Baby ist eine Milchpumpe eine große Hilfe. Du musst nicht gleich eine kaufen, man kann auch Milchpumpen aus der Apotheke ausleihen. Lies am besten vorab nach, was dafür nötig ist.

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Stillvorbereitung unmittelbar nach der Geburt: Bonding

Vielleicht kennst Du dieses Szenario aus Filmen oder anderen Darstellungen:

Ein Baby kommt im Krankenhaus zur Welt. Unmittelbar nach der Geburt wird es von der Hebamme entgegengenommen, gewogen, vermessen und dann gebadet. Frisch gewickelt und angezogen wird es dann einige Zeit später – zufrieden lächelnd oder schlafend – ans Krankenhausbett der erschöpften, aber glücklichen Mutter gefahren.

So ist die Realität nicht. Und so sollte sie auch nicht sein.

Tatsächlich ist es nicht nur für das Stillen immens wichtig, dass Du und Dein Baby die Stunden unmittelbar nach der Geburt gemeinsam verbringt. Möglichst viel Hautkontakt, ein erstes Anlegen zeitnah nach der Geburt, Rooming-in im Krankenhaus. All das ist wichtig für das sogenannte Bonding, also für den richtigen Aufbau einer Bindung zwischen Deinem Baby und Dir.

Wenn Du, wie ich damals, instinktiv Dein Baby bei Dir haben und nicht weggeben möchtest, dann ist das also genau das Richtige. Lass Dir von niemandem etwas anderes einreden.

Was ist, wenn die Geburt nicht nach Plan verläuft? Wenn dieses unmittelbare Bonding wegen eines Kaiserschnitts oder anderer Komplikationen nicht möglich ist, solltet ihr es so schnell und so ausgiebig wie möglich nachholen. Auch dann ist ein erfolgreicher Stillstart nicht ausgeschlossen.

Wie hast Du es mit der Stillvorbereitung gehandhabt? Hast Du Dich schon vor der Geburt auf das Stillen vorbereitet und wenn ja, wie? Wir freuen uns auf Deinen Kommentar!

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Ein Kommentar zu Stillvorbereitung: Ein Gewinn für jede Schwangere

  1. Wirklich mal ein schöner und nützlicher Artikel zum Thema stillen!!
    Sollte es als Flyer bei jedem Gyn geben!
    Ich wusste vor der Geburt meiner einjährigen Tochter zwar, dass ich stillen will – haben mich im Nachhinein aus genannten Gründen aber zu wenig damit befasst. Es würde auch leider überall zu wenig thematisiert.

    Es war ein schwieriger Start und dauerte mit Milchstau und Mastitis ganze 6Wochen bis es gut klappte.
    Das auch nur weil in unserem Krankenhaus eine Stillberaterin war die auch einen Stillteff leitet.
    Bis heute gehen wir dort regelmäßig hin und das stillen ist wenn auch nur noch nachts immer noch ein schönes Erlebnis. Im Freundeskreis habe ich es inzwischen öfter erlebt, dass bei auftauchenden Problemen auch die Hebammen eher zur Flasche raten und es zu viele Geräte gibt die das Flaschenfütter vereinfachen (Sterilisatior, Aufwärmer, Abkühler, Warmhalter..).
    Dabei ist stillen doch das einfachste und gesündeste wenn man sich am Anfang nur ausreichend Zeit dafür nimmt und dran bleibt.

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