Das Frühwochenbett


Die ersten 10 Tage nach der Geburt werden als Frühwochenbett bezeichnet. In dieser Zeit sollte die Frau auch wirklich “im Bett” bleiben um sich von der Geburt zu erholen. Erste “Ausflüge” mit dem Baby sind frühestens ab der 2. Woche zu empfehlen und sollten sich zunächst auf kurze Spaziergänge beschränken.

Für die vielen Prozesse, die der Körper nach einer Geburt leisten muss, wird viel Energie benötigt. Die kann nur aufgebracht werden, wenn Mutter und Kind sich voll und ganz aufeinander konzentrieren können, viel Ruhe haben und Störungen (z.B. viel Besuch) sowie zu starke körperliche Belastung vermieden werden.
Im Krankenhaus ist leider oft das Gegenteil der Fall, da nicht auf jede Frau/Situation individuell eingegangen werden kann und die Krankenhausroutine (vorgegebener Tagesablauf und Essenszeiten, Untersuchungen, Zimmernachbarinnen etc.) kaum Erholung zulässt. Daher empfehle ich, wenn es Mutter und Baby gut geht, so schnell wie möglich nach Hause zu gehen. Die störungsfreiesten Wochenbettverläufe haben meist Frauen, die außerklinisch oder ambulant in der Klinik (also wenige Stunden nach der Geburt nach Hause gehen) gebären.

Natürlich muss das im Vorfeld, also schon in den letzten Schwangerschaftswochen, organisiert werden. Es muss geklärt werden, wer sich nach der Geburt um die Frau kümmert, damit sie sich erholen und nur für das Baby da sein kann. Am schönsten ist es, wenn der Partner in dieser ersten Zeit da ist, damit man zusammen in die neue Situation als Familie wachsen kann. Aber auch eine andere vertraute Person (Mutter, Schwester, Freundin,…) kann diese Rolle übernehmen.

Zudem ist es wichtig, vor allem fürs Frühwochenbett, eine Nachsorgehebamme zu haben, die alle Vorgänge überwacht und bei Komplikationen hilft. Zu diesen Vörgängen zählen:

Wundheilung

Nach einer Spontangeburt fühlt sich der Intimbereich “wund” an, was durch eventuelle Geburtsverletzungen noch verstärkt wird. Außerdem kann das Wasserlassen in den ersten Tagen unangenehm sein.
Linderung können Spülungen mit lauwarmem Wasser (evtl. mit Calendula-Essenz), während oder nach dem Toilettengang, schaffen. Die Blase sollte alle 2-3 Std. geleert werden und auch die Vorlagen sollten regelmäßig gewechselt werden. Es ist darauf zu achten dass der Intimbereich immer trocken ist, bevor man sich wieder anzieht.

Nach einem Kaiserschnitt sollte die Naht immer trocken gehalten werden und keiner Reibung ausgesetzt sein (z.B. Hosenbund). Wenn sie geschlossen ist, kann sie mit Salben (z.B. Narbengel von Wala) oder Ölen (z.B. Wildrosenöl) behandelt werden.

Rückbildung

Die Gebärmutter hat nicht direkt nach der Geburt wieder ihre normale Größe, sondern braucht einige Tage, bis sie sich zurückgebildet hat. Dieser Vorgang kann durch Bauchlage unterstützt werden (damit die Brust nicht gequetscht wird kann ein Kissen unter den Bauch gelegt werden).
Der Beckenboden ist nach der Schwangerschaft und Geburt geschwächt. Langes Stehen und Laufen sowie schweres Heben (nicht über das Gewicht des Kindes) ist zu vermeiden. Aufstehen immer über die Seite, da bei Aktivierung der geraden Bauchmuskulatur der Beckenboden belastet wird.

Milchbildung

Das erste Stillen sollte unter fachkundiger Anleitung in der ersten Stunde nach der Geburt erfolgen. Es ist wichtig, dass das Kind von Anfang an richtig angelegt wird, um wunden Brustwarzen und anderen Stillschwierigkeiten vorzubeugen. Die beste Stillposition ist im Liegen, da Sitzen den Beckenboden und eventuelle Nähte belasten.
Bis zum Milcheinschuss, der meistens am 3.-4. Wochenbetttag erfolgt, soll das Kind so oft wie möglich an der Brust saugen. Dabei kann man sich voll auf die Bedürfnisse des Babys einstellen und nach Bedarf stillen. So wird die Milchbildung bestmöglich angeregt. Es ist normal, dass in den ersten Tagen nur wenig Milch kommt. Der Körper eines gesunden, reifen Neugeborenen ist darauf ausgerichtet und nur in seltenen Fällen ist es nötig zuzufüttern.

Hormonumstellung

Durch die Hormonumstellung nach der Geburt kann es zu erheblichen Stimmungsschwankungen kommen. Meist am 3.-5. Wochenbetttag erleben viele Frauen die sogenannten “Heultage”, die sich durch erhöhte Emotionalität, mangelndem Selbstvertrauen, Reizbarkeit, Rührung und plötzlichem Weinen bemerkbar machen.
Am besten man lässt diese Gefühle zu und versucht sie nicht zu unterdrücken. Oft hilft es, mit dem Partner oder der Hebamme darüber zu sprechen und sich trösten zu lassen. Im Normalfall geht diese Phase nach 2-3 Tagen vorüber. Falls sie deutlich länger andauert, könnte es sich um eine beginnende Wochenbettdepression handeln, die unbedingt professioneller Behandlung bedarf.

Zum Schluss noch ein persönlicher Rat:
Versucht diese ersten Tage mit Eurem Baby zu genießen! Schafft Euch eine kleine Insel und blendet die Außenwelt aus. Die anderen Leute können Euer Baby auch noch eine Woche später bewundern und in den Alltag müsst Ihr früh genug wieder. Aber diese wunderbare erste Zeit als Mutter/Eltern, in der Ihr Euer Kind kennenlernt, kommt nie wieder…

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