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Muttermund ertasten in der Schwangerschaft: Pro & Contra


Als Hebamme bin ich tatsächlich immer mal wieder mit der Frage konfrontiert, ob es eigentlich auch möglich ist, den eigenen Muttermund einfach selber zu ertasten.

Aber wann macht das Muttermund ertasten wirklich Sinn? Warum ich grundsätzlich davon abrate, den Muttermund in der Schwangerschaft selbst zu ertasten, und was Du beim Muttermund tasten unter der Geburt und außerhalb der Schwangerschaft beachten musst – darum soll es in diesem Artikel gehen.

Was ist der Muttermund überhaupt?

Als Muttermund bezeichnet man den Eingang des Gebärmutterhalses. Du kannst Dir Deine Gebärmutter wie eine auf dem Kopf stehende Birne vorstellen. Der untere Teil, an dem bei einer Birne der Stiel ist, wird als Gebärmutterhals bezeichnet.

Der Muttermund wird für viele Frauen in der Schwangerschaft erstmalig relevant. Allerdings kann die Beobachtung des Muttermundes und seiner Veränderungen im Laufe eines Zyklus‘ ebenfalls durchaus sinnvoll sein.

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Hier befindet sich der Muttermund

Muttermund ertasten in der Schwangerschaft / Frühschwangerschaft

Mit der Frage, ob und wie man sich in der Schwangerschaft selbst untersuchen kann, um eine eventuelle Eröffnung des Muttermundes feststellen zu können, bin ich aufgrund meines Berufes natürlich häufig konfrontiert.

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Ich muss sagen: So sehr ich grundsätzlich froh darüber bin, dass Frauen heute ihren eigenen Körper endlich besser kennen als ihr Gynäkologe oder ihr Mann, so bin ich im Bezug auf das Untersuchen des Muttermundes in der Schwangerschaft tatsächlich ein wenig zwiegespalten.

Muttermund untersuchen erfordert Erfahrung

Ich kann gerne eine kleine Anekdote aus meinen Anfängen der Hebammentätigkeit beisteuern. Bei den ersten Untersuchungen, die ich als Hebammenschülerin durchgeführt habe, war meine „Diagnose“ in der Regel „warm, weich, dunkel“, zu gut Deutsch, ich konnte keinerlei wirklichen Befund erheben. Und das, obwohl ich in der Theorie ganz genau wusste, was zu tun ist. Darüber hinaus besitze ich selbst einen weiblichen Körper und habe eine Frau „von außen“ untersucht, was auch noch einmal leichter ist, als sich mit einem schwangeren Bauch selbst zu untersuchen.

All meinen Kolleginnen ging es ähnlich. Es hat Wochen und eine ganze Anzahl an Untersuchungen gebraucht, bis ich zuverlässig und sicher einen korrekten Muttermunds-Befund erheben konnte.

Was ich damit sagen möchte ist: Je nachdem, in welchem Stadium der Schwangerschaft oder auch der Geburt Du Dich befindest, ist es extrem schwierig, selbst überhaupt an den Muttermund ranzukommen.

Während der Schwangerschaft ist der Muttermund fest verschlossen und zusätzlich durch den Schleimpfropf geschützt. Das wird von Deiner Hebamme oder Deiner Gynäkologin/ Deinem Gynäkologen während der Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig ganz behutsam und unter den üblichen Hygienestandards überprüft.

Ist das Muttermund selber tasten in der Schwangerschaft gefährlich?

Was ich darüber hinaus bei der Untersuchung des Muttermunds zu bedenken geben möchte:

  • Manipulation am Muttermund in der Schwangerschaft kann eher Wehen auslösen.
  • Ein selbst erhobener Befund in der Schwangerschaft trägt in den wenigsten Fällen dazu bei, dass Du Dich besser fühlst bzw. Sorgen oder Ängste sich beruhigen lassen.
  • Theoretisch können durch die Untersuchung Keime in die Gebärmutter gelangen.

Das heißt, wenn es jetzt darum geht, in der Schwangerschaft unabhängig von der Geburt selbst einen Befund zu erheben, um beispielsweise einzuschätzen, ob Du wegen Frühgeburtsbestrebungen in die Klinik musst, würde ich Dir auf jeden Fall raten: Überlasse diese Einschätzung den Fachleuten.

Gerade in einem solchen Fall, wo es wirklich um das Leben Deines Babys und den Erhalt Deiner Schwangerschaft gehen kann, würde ich im wahrsten Sinne des Wortes die Finger davon lassen.

Muttermund ertasten, um den Zyklus zu verstehen

Außerhalb der Schwangerschaft tasten vor allem Frauen, die ihren Zyklus bestimmen oder natürliche Familienplanung (NFP) praktizieren möchten, nach ihrem Muttermund. Sowohl zur Verhütung (z.B. in Kombination mit der Temperaturmethode), als auch bei bestehendem Kinderwunsch kann das eine wirklich gute Option sein.

Da der Muttermund sich im Laufe eines Zyklus‘ verändert, kann eine regelmäßige Untersuchung dazu beitragen, den eigenen Körper und den Zyklus besser zu verstehen, fruchtbare Tage zu erkennen oder den Zeitpunkt vor der Periode zu bestimmen.

Das Ertasten des Muttermundes bedarf wie eingangs erwähnt einiger Übung und ist auch nicht bei jeder Frau gleich einfach oder schwer. Gerade bei Frauen, deren Gebärmutter nach hinten gekippt (retroflektiert) ist, kann das je nach Zyklusphase ziemlich schwierig und auch ein bisschen unangenehm sein.

Wenn Du Dich wirklich für die Untersuchung des Gebärmutterhalses und die Veränderungen innerhalb des Zyklus‘ interessierst, beginne am besten, nachdem Deine Periode abgeklungen ist.

So verändert sich der Muttermund während des Zyklus‘

  1. Nach der Periode ist der Muttermund relativ fest, geschlossen und ragt in die Scheide hinein. Das bedeutet, zum „Üben“ ist dieser Zeitpunkt am Besten geeignet, da die Wahrscheinlichkeit, ihn überhaupt zu erreichen in diesem Stadium am Größten ist.
  2. Im Laufe des Zykluses „rutscht“ der Muttermund zunehmend weiter nach oben, wird weicher und beginnt sich zu öffnen.
  3. Um den Eisprung herum, also während der sogenannten fruchtbaren Tage, ist der Muttermund am schwierigsten zu tasten, denn er befindet sich ziemlich weit oben und ist weich und geöffnet.
  4. Nach dem Eisprung verschließt der Gebärmutterhals sich wieder, der Muttermund wird wieder fester und lässt sich auch wieder ein bisschen leichter ertasten, weil er wieder tiefer in die Scheide ragt.

Muttermund ertasten unter der Geburt

Wenn die Wehen beginnen, sind viele Frauen unsicher, wann der „richtige“ Zeitpunkt ist, in die Klinik zu fahren oder möchten nicht Gefahr laufen, wegen falschem Alarm die Pferde scheu zu machen.

Unabhängig davon, dass ich Dir wirklich sagen kann, dass es die Diagnose „falscher Alarm“ in der Klinik nicht gibt, und es überhaupt gar kein Problem ist, wenn Du ein bisschen zu früh oder einmal umsonst kommst, ist das tatsächlich in meinen Augen die Situation, in der ich in der Schwangerschaft am ehesten eine Untersuchung des Muttermundes durch die Schwangere nachvollziehen kann. Und ich finde es auch total nachvollziehbar, dass Du neugierig bist und vielleicht wissen möchtest, ob sich am Muttermundsbefund mit den vorhandenen Wehen auch schon etwas verändert hat.

Auch hier möchte ich allerdings zu bedenken geben, dass nicht gesagt ist, dass diese Untersuchung wirklich einen korrekten und aussagekräftigen Befund ergibt. Allerdings hat das bei einer kurz bevorstehenden Geburt ja zum Glück am wenigsten Konsequenzen.

Geschlossener Muttermund und Wehen: Was tun?

Wenn Du mit beginnender Wehentätigkeit Deinen Muttermund ertasten konntest und feststellst, dass er kaum oder gar nicht geöffnet ist, obwohl Du die Wehen bereits als sehr schmerzhaft empfindest, fahr‘ bitte trotzdem in die Klinik oder rufe Deine Hebamme, falls Du eine außerklinische Geburt geplant hast.

Wir Hebammen untersuchen ja nicht nur den Muttermund, wir ordnen den Befund auch ein, zeigen Hilfestellungen auf und sind auch einfach da, wenn die Wehen schmerzhaft oder beängstigend sind.

Wenn Du gut klar kommst daheim und der erhobene Befund Dich eher darin bestätigt, noch ein bisschen zu warten, bis Ihr Euch auf den Weg macht, ist das natürlich auch völlig ok.

Aber ein (vermeintlich) „schlechter“ oder unreifer, selbst ertasteter Muttermundsbefund sollte auf keinen Fall der Grund sein, mit kräftigen Wehen nicht um Hilfe zu bitten.

Muttermund ertasten: Mein Fazit

➔ Überlasse das Ertasten des Muttermundes in der Schwangerschaft Deiner Hebamme oder Deiner Ärztin/ Deinem Arzt. Alleingänge führen meistens eher zu Verunsicherung und können Infektionen begünstigen.

➔ Außerhalb der Schwangerschaft kannst Du üben, Deinen Muttermund selbst zu ertasten – z.B. um in der Kinderwunschphase Deine fruchtbaren Tage besser zu bestimmen und Deinen Zyklus zu verstehen.

➔ Wenn Du Deinen Muttermund kurz vor der Geburt tastest, kann das eventuell dazu führen, dass sich die Wehen verstärken. Zögere nicht, mit Wehen in die Klinik zu fahren, obwohl sich Dein Muttermund noch verschlossen anfühlt.

Welche Erfahrungen hast Du mit dem Thema Muttermund ertasten gemacht? Schreibe uns gerne einen Kommentar!

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