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Wochenbett Guide: Alles, was Du über die ersten Wochen nach der Geburt wissen musst


Als Wochenbett werden die ersten 6 bis 8 Wochen nach der Entbindung bezeichnet. In dieser Phase solltest Du Dich als junge Mama ausschließlich um Dich selbst und Dein Baby kümmern. Im Idealfall unterstützen Dich Partner:in, Freunde und Familie, wo es geht. Da die erste Zeit nach der Geburt mit vielen Herausforderungen verknüpft sein kann, bereitest Du Dich am besten gut darauf vor. Unsere Checkliste zum Wochenbett liefert Dir wertvolle Tipps, genauso wie dieser Beitrag.  

Wochenbett: Dauer und Phasen 

Das Wochenbett dauert in vielen Regionen der Welt 40 Tage. In Zentraleuropa rechnet man 6 bis 8 Wochen, bis sich die Mamas und Babys von der Geburt erholt und aneinander gewöhnt haben.  

Das Wochenbett gliedert sich in zwei Phasen – das Früh- und das Spätwochenbett. Das Frühwochenbett geht bis zum 10. Tag nach der Entbindung. Anschließend sprechen Experten vom Spätwochenbett.  

Körperliche Symptome im Frühwochenbett 

Der Körper frisch gebackener Mamas fühlt sich anfangs oft noch geschunden und wund an. Es können verschiedene Beschwerden auftreten:  

  • Damm-Schmerzen: Wenn während der Geburt ein Dammriss oder ein Dammschnitt erfolgt, ist der Bereich anschließend empfindlich. Zur Linderung kannst Du Binden mit Dammöl tränken und auflegen. Vielen Frauen tun auch gefrorene Einlagen und kalte Kondome gut. Diese legst Du auf die betroffene Region, um sie zu kühlen.
    ➔ Weitere Tipps liefert Kerstin im Beitrag: 8 Dinge, auf die Du im Wochenbett nicht verzichten kannst
  • Nachwehen: Es ist vollkommen normal, wenn Du nach der Geburt krampfartige Schmerzen im Unterleib verspürst. Dies ist ein Zeichen dafür, dass sich die Gebärmutter zurückbildet, denn dies geschieht unter anderem durch die Nachwehen. Beim Stillen können die Beschwerden stärker sein.
  • Wassereinlagerungen: Die ersten Tage nach der Geburt klagen viele Wöchnerinnen über geschwollene Hände und Füße. Durch die hormonelle Umstellung nach der Schwangerschaft sammelt sich vermehrt Wasser in den Extremitäten. Mit der sogenannten Harnflut werden schon bald etwa 3-4 Liter Wasser pro Tag wieder ausgeschwemmt. Viel Trinken hilft Dir, die Wassereinlagerungen loszuwerden. Außerdem kannst Du Dir durch Hochlagern der Beine, Kühlen und Akkupunktur Linderung verschaffen.
  • Schmerzende und geschwollene Brüste: Wenn die Milchproduktion beginnt, schwellen die Brüste teilweise schmerzhaft an. Quarkwickel können für Erleichterung sorgen. 
  • Verstopfung: Viele frisch gebackene Mamas leiden unter Verstopfung. Ernähre Dich so ballaststoffreich wie möglich und trinke viel. Auch Magnesium kann helfen.
  • Kopfschmerz im Wochenbett: Bis zu 40 % der Frauen leiden nach der Entbindung unter Kopfschmerzen. Die Ursache dafür liegt auf der Hand. Bei der Geburt wurden die Muskeln extrem belastet. Verspannungen können jetzt zu pochenden Schläfen führen.  

Der Wochenfluss

Der Wochenfluss, auch „Lochien“ genannt, ist ein natürlicher Vorgang nach der Geburt, der im Frühwochenbett auftritt. Nach der Entbindung löst sich die Plazenta, wodurch eine Wunde entsteht. Im Wochenbett scheidet Dein Körper Blut, Schleim und Gewebereste aus der Gebärmutter aus. Dieser Prozess ist wichtig für die Reinigung und Heilung der Gebärmutterhöhle. Die Wochenbett-Blutung startet direkt nach der Geburt. Anfangs ist sie etwa so stark wie bei einer Periode. Das Sekret ist rot und kann Gewebereste enthalten. Im Laufe der Zeit wird die Blutung schwächer und die Farbe verändert sich zu rosa und schließlich gelblich bis weiß. Falls Deine Blutung sehr stark ist oder abrupt aufhört, dann wende Dich umgehend an Deinen Arzt. Es können schwerwiegende Probleme wie eine Infektion oder ein Wochenflussstau vorliegen.  

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Körperliche Symptome im Spätwochenbett 

Auch im späteren Wochenbett zeigt Dein Körper verschiedene Symptome. Dazu gehören:  

  • Müdigkeit: Schlafmangel ist ein allgegenwärtiger Begleiter neuer Eltern. Kein Wunder, dass Du Dich müde und schlapp fühlst. Es ist wichtig, Ruhephasen zu nutzen, wenn das Baby schläft. Nimm jede Hilfe an, die möglich ist, um möglichst viel Ruhe und Schlaf zu bekommen.  
  • Inkontinenz: Nach der Geburt ist Deine Beckenbodenmuskulatur noch geschwächt. Das kann sowohl zu Urin- als auch Stuhlinkontinenz führen. Rückbildungsgymnastik hilft Dir, zeitnah wieder zu einem Normalzustand zurückzukehren.  
  • Hämorrhoiden: Durch den Druck bei der Geburt oder eine anschließende Verstopfung können Hämorrhoiden entstehen. Diese sind sehr schmerzhaft. Salben und eine ballaststoffreiche Ernährung helfen. Falls nicht, wende Dich an Deinen Arzt.  
  • Schwitzen: Viele Wöchnerinnen schwitzen ungewöhnlich stark. Dafür ist in der Regel die Hormonumstellung verantwortlich. Das Phänomen legt sich von selbst, in der Zwischenzeit helfen atmungsaktive Klamotten, viel Lüften und regelmäßiges Duschen.

Besonderheiten des Wochenbetts nach Kaiserschnitt 

Das Wochenbett nach einem Kaiserschnitt läuft etwas anders ab als nach einer vaginalen Geburt. Das liegt daran, dass die Operation längerfristige Schmerzen verursacht. Außerdem musst Du die Kaiserschnittnarbe pflegen. Halte sie sauber und trocken. Richtige Dich nach den Pflegehinweisen Deines medizinischen Teams.  

Ein gutes Schmerzmanagement ist ebenfalls wichtig, da die Beschwerden nach dem chirurgischen Eingriff intensiv ausfallen können. Nutze die verschriebenen Schmerzmittel. Dabei handelt es sich normalerweise um Präparate, die auch während der Stillzeit sicher sind.  

Vermeide schwere körperliche Aktivitäten, um den Heilungsprozess nicht zu gefährden. In den ersten Tagen wird Deine Mobilität eingeschränkt sein. Besorge Dir deshalb Hilfe für die Versorgung Deines Babys.  

Wochenbett: Unterwäsche, Einlagen und Binden 

Bereite Dich gut auf die Zeit nach der Geburt vor. Während manche Empfehlungen in Magazinen und im Internet nur unnötiger Firlefanz sind, sorgen anderen Produkte tatsächlich dafür, dass Du gut durch die Zeit kommst. Für Komfort und Hygiene sind folgende Dinge im Wochenbett unerlässlich:  

  • Wähle Unterwäsche aus weichen, atmungsaktiven Materialien, die genügend Platz für Wochenbetteinlagen bietet. Es gibt spezielle Wochenbett-Unterwäsche, die höher geschnitten ist und den Bauch sanft stützt, ohne die Wundheilung nach einem Kaiserschnitt zu beeinträchtigen. Du kannst aber auch einfach große, hochgeschnittene Baumwollschlüpfer kaufen.  
  • Da der Wochenfluss in den ersten Tagen nach der Geburt besonders stark sein kann, sind normale Binden oft nicht ausreichend. Spezielle Wochenbetteinlagen sind länger, breiter und saugfähiger als übliche Binden. Sie sind darauf ausgelegt, den erhöhten Flüssigkeitsmengen standzuhalten und Hautirritationen zu vermeiden.  

Achte beim Kauf darauf, dass die Produkte frei von Duftstoffen und Chemikalien sind, um Reizungen zu minimieren. Besorge alles Notwendige bereits vor der Geburt, damit Du es direkt nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus zur Verfügung hast. Erkundige Dich auch in der Geburtsklinik, ob Dir Binden und Unterhosen bereitgestellt werden. Bei mir war das so. In den ersten Tagen musste ich mich deshalb um nichts zu kümmern.

Die Psyche der Wöchnerinnen

Auch möglicherweise auftretende psychische Veränderungen sind ein häufiger Aspekt des Wochenbetts. Dazu zählen der Babyblues, die Wochenbettdepression und in sehr seltenen Fällen die Wochenbettpsychose. Jeder dieser Zustände erfordert ein unterschiedliches Maß an Aufmerksamkeit und Unterstützung. 

Babyblues im Wochenbett 

Etwa 50 bis 80 % aller Mütter erleben nach der Geburt den sogenannten Babyblues. Dabei leiden sie unter Stimmungsschwankungen. Ihre Gefühle und auch die neue Rolle als Mama überwältigen sie. Oft brechen sie scheinbar ohne Grund in Tränen aus. Der Zustand hält normalerweise nicht länger als zwei Wochen an. Der Babyblues ist vorübergehend und bedarf keiner medizinischen Behandlung, jedoch zeigt sich emotionale Unterstützung von Familie und Freunden als sehr hilfreich. 

Wochenbett-Depression 

Im Gegensatz zum Babyblues, sind die Symptome der Wochenbettdepression anhaltend und intensiver. Die Betroffenen fühlen sich tief traurig. Manche haben Ängste und Panikattacken, auch Suizidgedanken sind keine Seltenheit. Dazu gesellen sich teilweise körperliche Symptome wie Kopfschmerzen und Schwindel. Etwa 10 % der Mütter sind betroffen, insbesondere diejenigen, die bereits vor der Schwangerschaft psychische Probleme hatten. Es ist wichtig, Dir professionelle Hilfe zu suchen, wenn Symptome der Wochenbettdepression auftreten. Ohne Unterstützung überwinden die Betroffenen die Erkrankung häufig nicht.  

Wochenbett-Psychose 

Diese seltene, aber ernste Erkrankung betrifft nur etwa 0,1 % der Mütter und erfordert sofortige medizinische Intervention. Zu den Anzeichen zählen Wahnvorstellungen, Halluzinationen und eine verzerrte Realitätswahrnehmung. Die Erkrankung tritt oft schon kurz nach der Geburt auf. 

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Für alle psychischen Herausforderungen im Wochenbett gibt es Hilfeoptionen. Es ist wichtig, dass Du Dir direkt Unterstützung und professionelle Beratung suchst.

➔ Weitere Informationen zu Symptomen, der Abgrenzung dieser Störungen voneinander und Möglichkeiten der Unterstützung findest Du im Beitrag „Depression nach der Geburt“

Essen im Wochenbett: Vorkochen & Rezepte 

Eine ausgewogene Ernährung im Wochenbett hilft Dir dabei, Dich schneller körperlich von der Schwangerschaft und Entbindung zu erholen. Außerdem liefert sie ausreichend Energie für die Versorgung Deines Babys. Wähle abwechslungsreiche und nährstoffreiche Lebensmittel mit vielen Vitaminen, Mineralien, Proteinen und Ballaststoffen. 

Die Planung und Vorbereitung von Mahlzeiten hilft, gesunde Ernährungsgewohnheiten zu etablieren, auch wenn es schnell gehen muss. Einfache, nahrhafte Gerichte, die sich leicht vorbereiten und aufbewahren lassen, sind besonders praktisch. 

In der chinesischen Medizin wird traditionell eine Wochenbettsuppe empfohlen. Auch in unserem Magazin findest Du ein leckeres Rezept für eine stärkende Kraftsuppe im Wochenbett. Als Snack für Zwischendurch kann ich Dir empfehlen, Stillkekse zu backen oder Stillkugeln selbst zu machen. Sie sind super lecker und sorgen für einen schnellen Energieschub. 

Der erste Sex nach der Entbindung 

Nach der Geburt dauert es, bis Dein Körper heilt. Deshalb dauert es oft ein wenig, bis frisch gebackene Mütter wieder sexuell aktiv werden. Ärzte empfehlen, etwa 6 Wochen bis zum ersten Geschlechtsverkehr zu warten. Idealerweise hast Du erst wieder Sex, wenn der Wochenfluss vollständig abgeklungen ist und eventuelle Geburtsverletzungen geheilt sind. Es ist wichtig, dass Du Dich sowohl körperlich als auch emotional bereit fühlst, bevor Du wieder sexuell aktiv wirst. 

Lass Dir Zeit und sprich offen mit Deinem Partner über Deine Gefühle und Bedürfnisse. Wenn ihr beschließt, nach der Geburt wieder sexuell aktiv zu werden, kann die Verwendung eines Gleitmittels helfen. Seid geduldig miteinander. 

Hebamme fürs Wochenbett 

Deine Nachsorgehebamme spielt eine zentrale Rolle in der Betreuung und Unterstützung während des Wochenbetts. Sie bietet medizinische Überwachung, emotionale Unterstützung und praktische Hilfe bei der Pflege Deines Neugeborenen.

In den ersten 10 Tagen nach der Entbindung zahlt die gesetzliche Krankenkasse täglich einen Hausbesuch. Es sind noch weitere 16 Besuche Deiner Hebamme in den ersten 12 Wochen nach der Geburt möglich. Diese werden ebenfalls von der Krankenversicherung übernommen. Solltest Du Stillproblemen haben, kannst Du zusätzliche Unterstützung erhalten. Wenn Du privat versichert bist, ist es ratsam, vorab die Kostenübernahme und die genauen Leistungen zu klären.  

Neben der Betreuung durch eine Hebamme ist es auch wichtig, den Frauenarzt für Nachuntersuchungen zu konsultieren. Die erste Untersuchung sollte innerhalb der ersten 7 Tage nach der Entbindung stattfinden, eine weitere Kontrolle folgt dann im Normalfall innerhalb von 6 bis 8 Wochen nach der Geburt. 

Für weiterführende Informationen zur Betreuung durch eine Hebamme und wie diese Dich unterstützen kann, besuche den Artikel zur Wochenbettbetreuung durch eine Hebamme. Dort findest Du detaillierte Informationen und Tipps, wie Du die Unterstützung optimal nutzen kannst. 

Wochenbett mit Geschwistern 

Das Wochenbett mit Geschwistern stellt eine besondere Herausforderung dar, weil die Bedürfnisse des Neugeborenen und der älteren Geschwisterkinder gleichzeitig beachtet werden müssen. Es ist wichtig, den älteren Kindern viel Aufmerksamkeit zu schenken und sie aktiv in die neue Familiensituation einzubeziehen, um Eifersucht zu vermeiden. Planung und Struktur können dabei helfen, den Alltag mit Baby und Geschwisterkindern zu erleichtern. Ermutige die Geschwister, bei kleinen Aufgaben zu helfen, und sorge für gemeinsame Momente, die das Familienband stärken. 

Wochenbett: Verhaltensregeln  

Eine alte Hebammen-Weisheit besagt: „Eine Woche im Bett, eine Woche am Bett und eine Woche ums Bett.“ Drossle die ersten Wochen nach der Entbindung das Tempo. Widme Dich hauptsächlich der Erholung und dem Bonding mit Deinem Baby. In der ersten Woche solltest Du so viel Zeit wie möglich im Bett verbringen, idealerweise gemeinsam mit Deinem Baby. Natürlich darf Dein Partner dabei sein. Diese Zeit dient nicht nur Deiner Erholung von Schwangerschaft und Geburt, sondern hilft auch Deinem Baby, sich an die neue Umgebung anzupassen. 

Der Haushalt sollte während dieser Zeit keine Priorität haben. Stattdessen ist es wichtig, dass Ihr Euch Zeit nehmt, um in der neuen Rolle als Familie anzukommen, sei es als Eltern, Zweifach- oder Dreifacheltern.

Nach dieser ersten Phase kannst Du beginnen, langsam und sanft mit der Rückbildung zu starten, jedoch immer in Rücksprache mit Deiner Hebamme und abhängig von Deinem körperlichen Zustand. Es geht darum, auf Deinen Körper zu hören und ihm die Zeit zu geben, die er braucht.

Hilfreiche Tipps und Informationen erfuhr ich im Interview mit Hypnobirthing-Expertin Anne Imrich zur Selfcare im Wochenbett. Schau Dir den Betrag gerne durch, um Anregungen und Ratschläge der Expertin zu bekommen.  

Zum Spaß: Wochenbett-Bullshit-Bingo

Nachdem Du nun gut informiert bist, wie Du Dich in den ersten Wochen nach der Geburt um Dich und Dein Baby kümmern kannst, wird es jetzt Zeit für eine Runde Wochenbett-Bullshit-Bingo. 😜

Denn ohne eine Portion Humor können Dir manche Kommentare Deiner Mitmenschen im Wochenbett den letzten Nerv rauben. Dieses Spiel hilft Dir dabei, den ein oder anderen Spruch locker hinzunehmen und mit einem Augenzwinkern zu beantworten. 

Ich wünsche Dir alles Gute für Dein Wochenbett!


Quellen:  

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