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Schwanger im Urlaub: Diese Risiken solltest Du kennen


Als ich zum zweiten Mal schwanger wurde, waren wir gerade von Bali nach Thailand gereist. Ein typisches tropisches Urlaubsland also. Viele meiner Leser waren besorgt. Es erreichten mich Nachrichten, dass ich mich vor tropischen Viren und Krankheitserregern in Acht nehmen solle. Und tatsächlich gibt es Einige Dinge, die schwanger im Urlaub anders sind und die man bedenken sollte. Manches lässt sich vermeiden, Anderes leider nicht.

Insgesamt würde ich nach meiner Erfahrung vom Urlaub in der Frühschwangerschaft abraten und sicherheitshalber in europäische oder nordamerikanische Länder reisen.

Positiver Schwangerschaftstest im Urlaub: Muss ich jetzt nach Hause?

Angenommen, Du erfährst erst vor Ort von Deiner Schwangerschaft, mischt sich unter die Freude vielleicht auch Verunsicherung. Denn Du kannst jetzt nicht, wie Du es zuhause tun würdest, Deinen Gynäkologen anrufen und einen ersten Termin vereinbaren. Auch gibt es vielleicht im Urlaubsland eine ganz andere Gesundheitsversorgung, Krankheiten und hygienische Zustände.

Für mich was das in Thailand zunächst tatsächlich das geringste Problem. Was mir viel mehr zu schaffen machte, waren die frühen Schwangerschaftssymptome. Das solltest Du auf jeden Fall bedenken, solltest Du den Urlaub noch nicht angetreten sein, eine Reiserücktrittsversicherung abschließen oder die Möglichkeit haben, frühzeitig abzureisen. Denn mit Übelkeit, Kreislaufproblemen oder Schlafstörungen ist ein Urlaub nicht wirklich erholsam.

Schwanger im Urlaub: Achte auf Hygiene

Ansonsten solltest Du in der Frühschwangerschaft im Urlaub vor allem auf folgende Punkte achten:

  • Lebensmittelhygiene
  • Infektion mit Krankheiten

Eine Infektion mit Listerien, Toxoplasmose oder Salmonellen erhöht sich in dem Maße, in dem die hygienischen Zustände in einem Urlaubsland schlechter sind, als bei uns. Gemüse und Obst solltest Du also immer gut waschen, sicherheitshalber vielleicht sogar die Prämisse “Cook it, peel it or leave it” (zu dt. “Kochen, schälen oder nicht essen”) anwenden.

Wasche regelmäßig Deine Hände und nimm zur Sicherheit ein Desinfektionsspray mit, wenn Du auswärts eine Toilette benutzt. Das gilt meist für Entwicklungs- und Schwellenländer. In Europa und anderen Industrieländern sind die hygienischen Zustände meist wie bei uns.

Informiere Dich, sobald Du von der Schwangerschaft erfährst, über Deinen Impfstatus und die Krankheitserreger, mit denen Du Dich im Urlaubsland infizieren könntest. Vor allem in tropischen und suptropischen Ländern tritt immer wieder das Zika-Virus auf. Es wird von Mücken übertragen und eine Infektion in der Frühschwangerschaft kann zu starken Fehlbildungen oder einer Fehlgeburt führen.

Ansonsten musst Du Dir in den ersten Schwangerschaftswochen keine zu großen Gedanken machen. Solange es Dir gut geht, gibt es keinen Grund, den Urlaub abzubrechen. Eine medizinische Untersuchung ist für die Gesundheit Deines Babys vor der 20. Schwangerschaftswoche nicht nötig. Nur, wenn Du starke Schmerzen oder Blutungen hast, musst Du auch schwanger im Urlaub einen Arzt aufsuchen. Denn vor allem starke Schmerzen könnten auf eine Eileiter– oder Bauchhöhlenschwangerschaft hindeuten, die für Dich wirklich gefährlich werden kann.

Schwanger in den Urlaub: Die Reise richtig planen

Wenn Du bei Planung Deines Urlaubs bereits weißt, dass Du schwanger bist, hast Du es viel einfacher. Denn dann kannst Du Zeitpunkt, Urlaubsland und Vorbereitungen so planen, dass ein Urlaub in der Schwangerschaft absolut ungefährlich und schön wird.

Wenn Du schwanger Urlaub machen möchtest, wäge vor allem folgende Punkte solltest Du sorgfältig ab:

  • Zeitpunkt der Reise
  • Beförderungsmittel (Flugzeug, Bahn oder Auto)
  • Krankheitserreger im Urlaubsland und eigener Impfstatus
  • hygienische Zustände im Reiseland
  • Temperatur im Zielland

Außerdem solltest Du bei der Buchung unbedingt eine Reiserücktrittsversicherung abschließen. Denn ob es Dir zum Zeitpunkt der Abreise tatsächlich weiterhin gut geht, kann niemand garantieren. Auch eine Reisekrankenversicherung ist für Schwangere Pflicht. Wenn ihr länger unterwegs seid, achte darauf, dass auch Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft übernommen werden. Immer dabei haben solltest Du dann Deinen Mutterpass, Versicherungsnachweis und Impfpass.

Urlaub in der Schwangerschaft: Der richtige Zeitpunkt

Am besten verreist Du im zweiten Trimester. Denn zwischen der 14. und 24. Schwangerschaftswoche haben Schwangere meist mit den wenigsten Symptomen zu kämpfen. Der Bauch ist noch verhältnismäßig klein und die Bewegungsfreiheit nur wenig eingeschränkt. In der Frühschwangerschaft hast Du wahrscheinlich zumindest gelegentlich mit Übelkeit, Müdigkeit oder anderen Frühschwangerschaftssymptomen zu kämpfen. Im dritten Trimester kommen dagegen Beschwerden wie Rückenschmerzen, Wassereinlagerungen oder Vorwehen auf Dich zu.

Um Schwangere im Urlaub hat sich mittlerweile sogar ein richtiger Geschäftszweig entwickelt: Babymoon nennen Reiseveranstalter den Urlaub mit Babybauch. Der Babymoon ist für viele werdende Eltern der letzte Urlaub als Paar für eine lange Zeit. Wenn Du so eine Reise buchst, musst Du Dir eigentlich nicht mehr viele Gedanken machen.

Schwanger in den Urlaub fahren: Flugzeug, Bahn oder Auto?

Fliegen in der Schwangerschaft

Im dritten Trimester wird das Reisen schon beschwerlicher und die Risiken höher. Das wissen auch Airlines, deshalb nehmen sie Schwangere nicht bis kurz vor der Geburt mit, sondern nur bis zu einer bestimmten Schwangerschaftswoche – manchmal nur bis zur 28. SSW. Diese musst Du dann per Attest nachweisen.

Vor allem Langstreckenflüge sind in der Schwangerschaft auch sonst etwas beschwerlicher. Das Thromboserisiko steigt und das lange Sitzen ist noch unbequemer. Häufig wird geraten, während der Schwangerschaft nicht länger als 4 Stunden am Stück zu fliegen.

Wegen der Strahlenbelastung beim Fliegen dagegen brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen. Laut GSF (Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit) liegt der Grenzwert für Schwangere bei 1 Millisievert (1000 Mikrosievert). Ein Langstreckenflug hat nie mehr als 100 Mikrosievert, meist sogar weitaus weniger. Das heißt, man müsste 10 Langstreckenflüge am Stück unternehmen, um dem Grenzwert überhaupt nahe zu kommen.

Auto fahren in der Schwangerschaft

Das Verreisen mit dem Auto hat gegenüber dem Flugzeug sicherlich Vorteile. Ihr könnt häufiger Pausen einlegen und für Bewegung sorgen. Du hast viel Beinfreiheit und aufgrund des normalen Luftdrucks kein erhöhtes Thromboserisiko. Allerdings seid Ihr natürlich sehr viel länger unterwegs und manche Strecken lassen sich nicht mit dem Auto zurücklegen.

Außerdem ist da noch der Gurt, der vielen Schwangeren sehr unangenehm ist. Wegen des Unfallrisikos geht aber natürlich kein Weg daran vorbei. Wenn Du also schwanger mit dem Auto in Urlaub fährst, versuche…

Mit der Bahn schwanger in den Urlaub

Am besten eignet sich für das Reisen in der Schwangerschaft tatsächlich die Bahn. Denn hier kannst Du Dich jederzeit und nach Bedarf bewegen, verpflegen und bequem ein Nickerchen einlegen. Wenn Du mit der Bahn verreist, geht sicher, dass Du einen Sitzplatz reservierst.

Krankheitserreger und Impfungen

Auf Nummer sicher gehst Du in der Schwangerschaft in nahegelegenen europäischen Ländern. Denn hier gibt es in aller Regel dieselben Krankheitserreger wie bei uns. Einen entsprechenden Impfstatus hast Du wahrscheinlich ohnehin – oder Du hast Dich bewusst dazu entschieden, darauf zu verzichten.

Anders sieht es in tropischen und subtropischen Gebieten aus. Hier drohen, vor allem durch Mückenstiche oder mangelnde Hygiene Infektionen mit Erregern wie Malaria, Gelbfieber, Dengue-Fieber, Zika oder Hepatitis B. Eine Impfung während der Schwangerschaft wird nicht empfohlen. Bei einer Reise in ein Risikogebiet reicht eine Schwangerschaft daher als Grund für die Reiserücktrittsversicherung aus.

Wenn Du die Reise trotzdem antreten möchtest, solltest Du auf jeden Fall für guten Mückenschutz sorgen. Aber Vorsicht, Mittel mit dem Repellent DEET werden in der Frühschwangerschaft nicht empfohlen. Zwar weisen aktuelle Erkenntnisse nicht darauf hin, aber es ist noch nicht ausgeschlossen, dass dieser Wirkstoff zu Fehlbildungen beim Embryo führen kann. Einen 100%-igen Schutz gegen Mückenstiche wirst Du also kaum erreichen.

Auf die Malaria-Prophylaxe musst Du in der Schwangerschaft ebenfalls verzichten. Wer diese einnimmt, darf währenddessen und auch 3-6 Monate danach nicht schwanger werden.

Hygiene im Reiseland

In vielen Ländern herrschen andere Hygienestandards als bei uns. Auch hier gehst Du mit europäischen oder nordamerikanischen Reisezielen auf Nummer sicher. In Entwicklungs- und Schwellenländern dagegen sieht es anders aus.

Leitungswasser hat dort nicht nur keine Trinkwasserqualität, sondern kann unter Umständen auch Krankheitserreger enthalten. Viele Reisende putzen aus Vorsicht deshalb nicht einmal ihre Zähne mit Leitungswasser. Tatsächlich können sich in verunreinigtem warmen Wasser die bakteriellen Erreger einer Listeriose verbreiten. Listerien sind an sich überall und für Dein Immunsystem nichts Ungewöhnliches. Wenn Du sie aber in übermäßiger Menge aufnimmst, kann eine Infektion erfolgen, die sich auch auf Dein Baby überträgt.

Auch frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse können stark mit Listerien belastet sein und Du solltest sie deshalb nur geschält, gekocht oder sehr gründlich gewaschen verzehren.

Weiterhin solltest Du Fisch, Fleisch und Produkte mit Ei nur dann essen, wenn sie gut durchgebraten und frisch sind. Ansonsten könntest Du Dich mit Salmonellen oder Toxoplasmose infizieren, auch das kann Deinem Baby schaden. Verdorbenes Fleisch, Fisch oder Ei können zu einer Lebensmittelvergiftung führen, die in der Frühschwangerschaft gefährlich für Dein Baby werden kann.

Ansonsten sind Magen-Darm-Infekte, wie sie Reisende in manchen Ländern typischerweise erleiden, für Dein Baby in der Regel ungefährlich. Denn die wenigsten Erreger können die Plazenta-Schranke überwinden und so leidest zwar Du, aber nicht Dein Ungeborenes.

Temperatur und Klima

Hier geht es wieder weniger um das Wohl Deines Babys, sondern vielmehr darum, ob Du den Urlaub genießen kannst. Gerade in der Schwangerschaft sind viele körperliche Aktivitäten anstrengender. So auch tropische Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Erkundige Dich also vorher, wie heiß es im Zielland wird und überlege Dir, ob Du das aushalten möchtest.

Außerdem solltest Du auch das Thema Sonnenschutz im Auge haben. In der Schwangerschaft ist die Hautpigmentierung teilweise verändert und Du wirst vielleicht nicht gleichmäßig gebräunt, sondern entwickelst Pigmentflecken. Bei manchen Frauen kommt es auch schneller zu einem Sonnenbrand, wenn sie schwanger sind.

Schwanger im Urlaub: Meine Erfahrungen

Jetzt fragst Du Dich vielleicht, ob ich während meiner Schwangerschaft in Thailand wirklich all diese Dinge berücksichtigt habe? Die Antwort lautet: Teilweise.

Wir haben in Bali und dann auch in Thailand von Anfang an mit Leitungswasser die Zähne geputzt und unser Geschirr abgewaschen. Getrunken haben wir es allerdings nie. Wir hatten keinerlei Probleme und ich persönlich hielt es für übertrieben, dazu Trinkwasser zu benutzen.

Auch esse ich trotzdem weiterhin frisches Obst und Gemüse – wenn es, wie zum Beispiel bei Tomaten oder Salat, nicht anders geht – auch ungeschält. Allerdings bereite ich diese Dinge zu Hause zu und wasche alles sorgfältig. Fisch und Fleisch esse ich ohnehin nicht, weil ich Vegetarierin bin.

Den Mückenschutz habe ich seit dem positiven Test zwar etwas ernster genommen, aber ganz vermeiden lassen sich die Stiche eben nicht. Auch mit der Sonne und eventuellen Schwangerschaftsflecken hatte ich keinerlei Probleme.

Was mir allerdings wirklich zu schaffen machte, war die Übelkeit und die damit einhergehenden Aversionen gegen bestimmte Lebensmittel und Gerüche. Obwohl ich mich sehr auf Thailand und das Essen hier gefreut hatte, konnte ich ab der 6. SSW an Thai-Food nicht einmal mehr denken, ohne dass mir furchtbar übel wurde. Meine Nase wurde ungemein empfindlich und ich wollte wochenlang nicht mehr nach draußen, weil es dort überall so unangenehm nach Essen, Abgasen, Kanalisation oder Müll roch.

Weil die Zeit im Ausland für uns kein Urlaub war, der ja sonst nur wenige Wochen dauert, sind wir trotzdem geblieben. Immerhin hatten wir uns ja entschieden, für einige Zeit im asiatischen Ausland zu leben und verdienten von hier auch Geld. Mein Mann kümmerte sich um unseren 3-jährigen Sohn, während ich die meiste Zeit auf der Couch, im Bett oder über der Toilette verbrachte.

Schwanger im Urlaub: In der Frühschwangerschaft nicht zu empfehlen

Hätte es sich um meinen Jahresurlaub gehandelt, auf den wir vielleicht lange gespart hätten, dann wäre das wirklich ärgerlich gewesen. Ich würde deshalb keiner Schwangeren raten, für das erste Trimester einen Urlaub zu planen.

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